LadyViola
Persönliche Daten
Meine Leseeindrücke
Verwesung
5
Wenn David Hunter ins Spiel gebracht wird, bedeutet diess, dass irgendwo wieder eine (oder auch mehrere) Leiche aufgetaucht sein muss. Und so macht sich der Forensiker auf den Weg zu einem neuen Tatort um die anwesenden Polizisten mit seinem Fachwissen tatkräftig zu unterstützen. Handelt es sich bei den gefundenen Körpern tatsächlich um die Leichen der lang vermissten Mädchen aus Dartmoor? Die Leseprobe veranschaulicht auf tolle Weise, wie leicht es Simon Beckett gelingt, Spannung zu erzeugen. Interessant ist der Einstieg sowohl für Neueinsteiger, als auch alte Beckett-Fans, denn hier wird rasch das Privatleben des Protagonisten beleuchtet. Aber natürlich ist es vor allem die Einleitung des neuen Falls, die beim Leser viele Fragen aufwirft und somit für viel Spannung sorgt. Die Leseprobe macht Lust auf mehr und ist meiner Meinung nach sehr gut ausgewählt. weiterlesen
Ich bin kein Serienkiller
3
Der Soziopath John begibt sich auf die Suche nach einer Dämonin namens Niemand. Zwei Dämonen konnte er bereits erfolgreich bekämpfen, doch diese lässt sich bisher nicht ausfindig machen. Bis zu dem Tag, an dem ein Mord in der unmittelbaren Nähe geschieht. John ist sicher, dass Niemand hinter dieser Tat steckt und er macht sich auf die Suche. Da mir die vorherigen Bände bisher noch nicht bekannt sind, ist es mir ein wenig schwer gefallen, mich in der Geschichte einzufinden. Auch wenn ich Dämonen und ähnliche fantastische Elemente in einer Geschichte recht gerne mag, kam mir dieser Aspekt in der vorliegenden Probe ein wenig absurd vor, da ich keine Chance hatte, auf die Existenz von Dämonen vorbereitet zu werden. Aus diesem Grunde empfand ich die Leseprobe als eher mittelmäßig, doch vermutlich benötitgt man nur eine gewisse Zeit, um sich einzulesen. weiterlesen
Was ist eigentlich Freundschaft?
5
Der Psychiater Hector wird unverschuldet in ein Abenteuer verwickelt. Einer seiner guten Freunde soll 300 Millionen Dollar durch Banktransaktionen gestohlen haben. Aber dennoch hält sich Hector bedeckt und gibt den Aufenthaltsort seines Freundes nicht bekannt. Denn schließlich gehört es sich für einen Freund nicht, den anderen in die Pfanne zu hauen. Unweigerlich wird Hector auf die Gedanken gebracht, was eine Freundschaft eigentlich ausmacht. Mir hat die Probe sehr gut gefallen. "Hector und das Geheimnis des Lebens" konnte ich bereits ganz lesen, war allerdings nicht sonderlich begeistert, da sich der Autor als Stilmittel einer sehr kindlichen Sprache bedient hat. In diesem Fall jedoch hat mir der Auszug zugesagt und ich bin gespannt darauf, wie es wohl für Hector und dessen Freund weitergehen wird. weiterlesen
Hart aber Hilde
4
In Pias Leben läuft einfach alles schief. Sie hält sich mit diversen Jobs über Wasser, schafft es aber trotzdem nicht, ihre Schulden zu begleichen und zudem muss sie sich auch noch mit üblen Chefs herumschlagen. Bis zu dem Tag, als sie einen ihrer Jobs verliert und darum den verhassten Boss nie wieder sehen muss. Aber leider feht ihr nun auch das Geld, um ihr Leben auf die Reihe zu kriegen und dies ist nicht die einzige Katastrope, die Pia zu bewältigen hat. Natürlich handelt es sich bei diesem Buch um kein literarisches Meisterwerk, aber ich denke, als unterhaltsame Zwischenlektüre eignet sich der Roman mit Sicherheit. Der Schreibstil ist nett, die Story auch. weiterlesen
Das Haus zur besonderen Verwendung
4
Ein einfacher Dorfjunge rettet dem Vetter des Zaren das Leben, sorgt dadurch jedoch dafür, dass das Leben seines besten Freundes verlischt. Doch er hat nicht einmal genügend Zeit, sein Gewissen zu beruhigen, da er urplötzlich den besonderen Dank des Zaren erhält: Er soll eine Ausbildung als Leibgardist des Zaren beginnen und sieht sich so urplötzlich mitten am Hofe der Zarenfamilie wieder. Erzählt aus der Perspektive des jungen Georgi erhalten die bedeuenden, historischen Geschehnisse dieses Buches ein ganz neues Antlitz und werden spannend und lebhaft erzählt. Ich halte diese Geschichte für sehr interessant und sollte sie im gesamten Buch ähnlich gut umgesetzt sein, wie in der kurzen Leseprobe, so handelt es sich eindeutig um einen gelungenen Roman. weiterlesen
Meine Rezensionen
Bücherliebe
4
Vor einiger Zeit stieß ich auf einen historischen Roman, welcher sich entgegen der weitverbreiteten sinnlichen Lektüren in diesem Genre eher auf die geschichtlichen Fakten und das soziale Umfelde der Protagonistin bezog. Diese Art Lektüre gefiel mir außerordentlich gut und so war es mir eine große Freude, dem frühen Leben der Madame Tussaud in „Die Wachsmalerin“ zu folgen. Darum äußerte sich schon vor Herausgabe des aktuellen Romans von Sabine Weiß in mir der Wunsch, diesen ebenfalls zu erwerben.Umso größer war meine Freude, als ich das Buch hier erhielt. „Die Buchdruckerin“ jedoch unterscheidet sich stark vom eher kühlen Umschreiben des ersten Romans, was meine Vorfreude zunächst ein wenig trübte und sich leider auch am Ende des Buches negativ auf meine Bewertung ausübt. Aber zunächst einmal von vorne. In „Die Buchdruckerin“ beschreibt die Autorin das Leben von Margarethe Prüß. Die Geschichte beginnt im Jahre 1520 und spielt in einem Straßburg, in dem die Arbeitswelt den strengen Regeln der Zünfte unterworfen war. Nach dem Tode ihres Vaters wird die Familiendruckerei zunächst unter den beiden Geschwistern Margarethe und Johannes aufgeteilt, doch diese Regelung wird von den Zunftmitgliedern nur vorläufig geduldet, denn schließlich ist es zur damaligen Zeit undenkbar, dass eine Frau ein Gewerbe führt. So kann nur die Heirat Margarethe dazu verhelfen, weiterhin einen Einfluss auf das Geschehen in der Druckerei zu erlangen und glücklicherweise finde sie einen Mann, der ihrer Liebe zu Büchern nicht im Wege steht und sie an der Arbeit teilhaben lässt. Geschickt arbeitet Sabine Weiß die historischen Ereignisse der damaligen Zeit in die Story mit ein, denn gerade durch die Druckereien wurde viel Gedankengut vermittelt und große Konflikte bildeten sich allmählich. Im gesamten Roman wird die gesellschaftliche Entwicklung sehr gut aufgearbeitet und viele namhafte Persönlichkeiten finden ihren Platz in der Geschichte, ohne dass es gekünstelt wirkt. Auch die Stellung der Frau und das Zunftwesen mit all seinen Regelungen wird gut dargestellt, wenngleich die Rolle Margarethes zeitweilen nicht ganz authentisch wirkt, da sie sich meiner Meinung nach zu viele Freiheiten erlaubt und dies oft ohne Konsequenzen bleibt. Aber natürlich erzeugen gerade diese Ausuferungen ein großes Maß an Spannung und sorgen dafür, dass das Lesevergnügen nicht abbricht. Was mir jedoch sehr missfallen hat sind die unzähligen Zeitsprünge innerhalb der Geschichte, welche sich oftmals nicht ankündigen, sondern ganz unmittelbar stattfinden und es dem Leser erschweren, im Lesefluss zu bleiben. Viel zu oft kommt es Szenenwechseln, bei denen man eine gewisse Zeit braucht, um herauszufinden, wo es nun weitergeht und wieso das gerade Erzählte so abrupt unterbrochen wurde. Auch hat sich die Autorin in diesem Roman leider dazu verleiten lassen, Margarethes Gefühlsleben deutlich in den Vordergrund zu stellen, was zu einigen sehr kitschigen Szenen führte, deren Fehlen ich gerade begrüßt hätte. Jedoch muss ich eingestehen, dass sich diese Momente zwar häufen, hierfür jedoch nicht allzu ausführlich beschrieben wurden, so dass man darüber hinwegsehen kann. Zentrale Themen des Buches sind die Reformation, die Kritik am Ablasshandel, die Neustrukturierung der Gottesdienste, die Täuferbewegung, aber auch die Ausbreitung der Pest. Orientiert hat sich Sabine Weiß an vielen Büchern, die sich mit einer solchen Thematik beschäftigen, aber auch mit einigen Quellen, die ihr Einblicke in das Leben der realen Margarethe Prüß gaben. So ließ sich die Autorin vom Druckprogramm der Familie Prüß inspirieren und stellte die bekannten Familienverhältnisse der Protagonistin dar. Auch Auseinandersetzungen mit der Straßburger Zensurabteilung ließen sich einsehen und wurden so geschickt in die Geschehnisse des Romans eingewoben. Aus den bekannten Fakten und jeder Menge künstlerischer Freiheit entstand ein Roman, der sehr viele wissenswerte, geschichtliche Fakten vermittelt, dabei aber dennoch zu unterhalten weiß. Die benannten Schwächen sorgten bei mir für einige Enttäuschung, lassen mich aber nicht von einer gesamten, guten Bewertung abbringen. weiterlesen
Ein Freund, ein guter Freund...
4
Hector staunt nicht schlecht, als eines Tages eine junge Dame von Interpol in seinem Sprechzimmer sitzt und schwere Vorwürfe gegen einen seiner ältesten Freunde erhebt. Édouard soll der Bank, bei der er zuletzt arbeitete eine erhebliche Summe Geld gestohlen haben und sei seitdem verschwunden. Auch wenn Hector sich nichts anmerken lässt, so weiß er insgeheim doch, dass diese Anschuldigungen nicht von ungefähr kommen, schließlich hat sein Freund ihm erst kürzlich einen ominösen Brief zukommen lassen, der seine heikle Lage andeutet. Da Hector nicht nur ein ziemlich guter Psychiater ist, sondern auch ein guter Freund, beschließt er den Dingen auf den Grund zu gehen und befindet sich schon bald auf einer abenteuerlichen Reise, während der er mehr über sich und seine Einstellung zum Thema Freundschaft erfährt. *** *** *** Meine Meinung *** *** *** François Lelord, selbst studierter Psychiater, widmet sich in den Büchern um den Protagonisten Hector stets umfangreichen Themen, welche die Menschheit schon immer interessiert haben und wohl auch weiterhin interessieren werden. Hector beschäftigte sich bereits mit dem Glück, der Liebe, und der Zeit, unterstütze seinen kleinen Sohn bei der Entdeckung der großen Geheimnisse des Lebens und entwickelt nun Neugierde für die Freundschaft. Da ihn dieses Thema gerade selbst sehr zum Nachdenken bringt, beschließt er, sein Umfeld und auch seine eigenen Freundschaften zu beobachten und die daraus resultierenden Feststellungen zu notieren. So stellt er im Verlaufe der Geschichte fest, was die Freundschaft für ihn selbst ausmacht, welche Arten der Freundschaft es gibt und wie wichtig die Freundschaft für ihn eigentlich ist. Das kleine Abenteuer, in dessen Geschichte François Lelord stellvertretend durch seinen Protagonisten Hector einige Lebensweisheiten zum Thema Freundschaft eingewebt hat, gefällt mir prinzipiell sehr gut. Durch die Ausarbeitung einer Story wird die Beschäftigung mit diesem Thema nicht zu trocken und dennoch bietet das Buch genug Denkanstöße, um sich persönlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Hierbei bietet der Roman zwar keine tiefgreifenden Ratschläge und wirft auch keine außergewöhnlichen Fragen auf, doch wichtige Aspekte zum behandelten Thema werden dennoch angesprochen und anhand von Hectors persönlichen Erfahrungen beispielhaft angeführt. So schweifen die Gedanken des Lesers beizeiten immer wieder ab, um sich mit dem eigenen Umfeld und den persönlichen Freundschaften zu beschäftigen. Viele der von Hector notierten Beobachtungen kann auch ich auf meinen eigenen Freundeskreis übertragen und da mich das Thema aktuell wieder einmal stark beschäftigt, war das Buch ein netter Begleiter für meine Grübeleien. Da Hectors Geschichte in einem sehr schlichten Stil vorgetragen wird und somit auch die Beobachtungen rund ums Thema Freundschaft sehr einfach formuliert sind, dürfte sich ein jeder Leser leicht in der Materie einfinden. Auf seiner Reise trifft Hector viele seiner Freunde und auch einige neue Bekanntschaften, wodurch von ihm Erkenntnisse über verschiedene Stadien der Freundschaft gewonnen werden. Seine Gedanken, Äußerungen und Handlungen werden in einem ganz eigenen Stil vorgetragen. Einerseits lässt sich seine Unbedarftheit bewundern, dann wiederum lassen einige sehr ironische Passagen den Leser schmunzeln und zu anderen Gelegenheiten gibt es dann sogar sehr informative Stellen. Wenngleich die Story an sich kaum realistisch ist, so bleibt sie dennoch stets sehr unterhaltsam und es lässt sich ein ganz eigener Charme ausmachen. Berichtet wird von einem wilden Abenteuer, dass Hector raus aus seiner Praxis und rein in den tiefsten Dschungel führt. Vordergründig geht es um seinen Freund Édouard, viel gestohlenes Geld und jede Menge Menschen, die nun zu Recht verärgert und auf der Suche nach Édouard sind. Genug Story also, für ein kleines Abenteuer. Getrübt wird meine Meinung zu diesem Buch durch die Tatsache, dass mir der Protagonist weitgehend unsympathisch ist. In der Geschichte schimmern einige Lebenseinstellungen und Meinungen durch, welche ich nicht vertreten kann und so entwickelte ich immer wieder eine Wut auf Hector selbst, wodurch meine Gedanken leider auch um negative Aspekte kreisten, mit denen ich mich gar nicht auseinandersetzen wollte, es zwangsläufig aber musste. Obwohl sich dieses Empfinden natürlich über das ganze Buch erstreckt hat, hat mir diese Tatsache die Lektüre nicht vermiest. Im Gegenteil: Gerne spreche ich eine Empfehlung für diesen Roman aus. weiterlesen
Ein Märchen voll harter Realität
5
Im Jahre 1915 verhindert der junge Gregori ein Attentat auf den Vetter von Nikolaj Alexandrowitsch Romanow, seines Zeichens regierender Zar von Russland, und erhält dadurch die Ehre, seinem Leben als Sohn eines Bauern den Rücken zuzukehren. Stattdessen wird er in den Stand eines Leibwächters erhoben und soll sich von nun an um das Wohlergehen und die Unterhaltung des Zarewitsch Alexei kümmern, der als gerade einmal 11jähriger nicht nur Schutz, sondern auch einen Begleiter im ähnlichen Alter benötigt. Als Angehöriger der Bediensteten kommt Gregori mit der gesamten Zarenfamilie in Kontakt und somit auch mit der wunderschönen und bezauberndern Anatasia, für die er tiefe Gefühle hegt. Doch längst sind nicht mehr alle Bürger so loyal wie Gregori und die dunklen Wolken über dem prunkvollen Winterpalais verdichten sich zusehends. *** *** *** Meine Meinung *** *** *** Aus eigenen Stücken hätte ich nicht zu diesem Roman gegriffen, denn weder der Titel, noch der Autor sagten mir besonders zu. Bekannt war mir aus seiner Feder bereits "Der Junge im gestreiften Pyjama", ein Buch, welches mir zwar thematisch gefiel, nicht aber von der Umsetzung her. Als ich nun dieses, neueste Werk in den Händen hielt, war ich zunächst sehr skeptisch, doch schon innerhalb kürzester Zeit verflogen meine Zweifel und ich kam in den Genuss einer wirklich wundervollen Geschichte. "Das Haus zur besonderen Verwendung" ist ein historischer Roman und behandelt die Periode in welcher die Romanow-Dynastie und somit die Zeit der letzten russischen Zarenfamilie ein Ende fand. Durch die Augen des jungen Gregori erhält der Leser einen Einblick in das Leben und Handeln der russischen Herrscher, welcher zumeist nicht ganz wertfrei ausfällt, da Gregori ein getreuer und sehr loyaler Bürger ist und seine Einstellung gegenüber der Romanows voller Sympathie ist. Dennoch schafft es John Boyne, auch die hungernden Bauern, denen kein Leben voller Prunk vergönnt ist, ebenso wie das übrige erzürnten Volk nicht zu vergessen. Nach und nach lässt sich erschließen, weshalb sich die Bürger Russlands nicht mehr mit der gegebenen Herrschersituation zufrieden geben, wodurch sich die Leser ein eigenes Urteil bilden können. Diverse geschichtliche Fakten machen definitiv neugierig auf diese vergangene Ära, sie sind allerdings nicht der alleinige Bestandteil des Romans, denn sein Inhalt wurde zudem mit einer Menge an fiktionaler Handlung versehen. Während der Lektüre folgt man zwei Erzählsträngen. Eingeleitet wird der Roman durch die Worte des alten Gregori, welcher damit beginnt, seine Lebensgeschichte vorzutragen. Er beginnt mit dem tragischen Zustand, in dem sich seine Angetraute aktuell befindet und tastet sich im Anschluss daran rückwärts in der Zeit voran. Im Wechsel hierzu liest man die Geschichte des jugendlichen Gregori, vom Zeitpunkt des verhängnisvollen Attentates, bis zurück in die Zukunft, so dass sich die beiden Storys irgendwann begegnen und dadurch ein Ganzes ergeben. Auf diese Weise wird eine ungeheure Spannung erzeugt und das Leben von Protagonist Gregori einfach wundervoll und in vollem Ausmaß portraitiert, so dass keine Fragen mehr offen bleiben. Dies und auch die Art und Weise des Erzählens sorgen dafür, dass man sich sofort in der Geschichte einfindet und von dieser bis zur letzten Seite absolut gefangen genommen wird. Man wird wirklich nie müde, den Geschehnissen zu folgen und kann einfach nicht genug von dieser tollen Geschichte bekommen. Das Buch hat mich in jeder Hinsicht begeistert und mir viele schöne Stunden bescherrt. Die Story wird sehr emotional erzählt, ohne jedoch kitschig zu werden. Die Erlebnisse von Gregori sind spannend, ohne abtrus oder unglaubwürdig zu wirken. Die agierenden Personen verhalten sich standesgemäß, wirken aber nicht eindimensional. All dies fand ich wahnsinnig faszinierend, da ich die Geschichte als außerordentlich intensiv empfunden habe. Lediglich eine Sache habe ich an dem Roman vermisst. Ich kenne einige historische Bücher, in denen sich eine Auflistung mit geschichtlichen Fakten befindet, so dass sich Realität und Fitkion immer recht schön auseinanderhalten lassen. Dies ist in dem vorliegenden Buch leider nicht der Fall. Allerdings existiert eine Homepage zu dem Buch, auf der sich einige Informationen und auch Fotos finden lassen, was ich dann wiederum sehr gelungen finde, denn gerade die Bilder verstärken die bereits gewonnenen Eindrücke außerordentlich gut. Aufgeführt sind Bilder von den einzelnen Personen, aber auch von den erwähnten Wohnsitzen der Familie. Ein Blick auf die Seite lohnt sich also eindeutig. weiterlesen
Außergewöhnlicher Stil, gewöhnliche Story
3
Der Tod ihrer Mutter macht Valerie schwermütig und drängt ihre Gedanken immer wieder in die Vergangenheit. Endlich fasst sie sich ein Herz und wagt einen Schritt, den sie schon viel eher hätte machen sollen: Nach 25 Jahren unterbricht sie die Funkstille zu ihrer ehemals besten Freundin Lilly und sendet dieser einen längst fälligen Brief. Schon kurze Zeit später erhält sie die lang ersehnte Antwort, der Kontakt entflammt wieder und die beiden so vertrauten und nun doch wieder fremd gewordenen Frauen lernen sich langsam erneut kennen. Doch es dauert nicht lang, bis sie an einen Punkt geraten, der sie wieder zum Ursprung ihrer Entzweiung führt. Und immer noch gibt es zwei ganz unterschiedliche Meinungen, welche dafür sorgen, dass längst verheilte Wunden wieder geöffnet werden. Doch warum zerbarst die Freundschaft der damals so jungen Frauen überhaupt? *** *** *** Meine Meinung *** *** *** Bei >>Johannisbeersommer<< handelt es sich um einen Roman mit einem recht ungewöhnlichen Konzept. Vordergründig findet sich zwischen den Seiten dieses Werks die Geschichte von Valerie und Lilly, zwei Frauen, welche sich seit frühster Kindheit kennen, aber aufgrund eines Streites vor 25 Jahren den Kontakt zueinander abbrachen. Erzählt wird diese Handlung in Briefform, dokumentiert wird also lediglich der Schriftwechsel zwischen den beiden Charakteren, wodurch sämtliche Geschehnisse stets nur aus Sicht der jeweils schreibenden Person und somit stark gefiltert übermittelt werden. Nun ist ein Brief-(oder auch Email-)Roman eigentlich gar nichts so ungewöhnliches, aufgepeppt wird dieser hier jedoch durch einen weiteren Aspekt. Den jeweiligen Nachrichten hängt stets ein Rezept an, welches in Zusammenarbeit mit einer Köchin entstand und zum nachkochen oder –backen animieren soll. Um es knapp auf den Punkt zu bringen: Dieser Roman ist der Unterhaltungsliteratur zuzuordnen und wird seiner Rolle dabei eindeutig gerecht. Mir hat das Buch einen vergnüglichen Nachmittag bereitet, mittlerweile ist der Inhalt des Werkes allerdings auch wieder stark verblasst und lange wird mich die enthaltene Story nicht prägen. Schade finde ich, dass aus den gegebenen Mitteln nicht mehr herausgeholt wurde. Zum einen wirkt die Handlung stellenweise zu kindlich. Dies ist zwar hauptsächlich dem jungen Alter der Protagonisten zuzuordnen, da in einem Großteil des Buches die Geschehnisse der Kindheit und Jugend von Valerie und Lilly durchleuchtet werden, doch auch in diesem Fall hätte der Stil ein wenig besser ausgearbeitet werden können. Dennoch vermitteln die jeweiligen Briefe sehr gut, was die beiden Charaktere zum entsprechenden Zeitpunkt gefühlt und gedacht haben und es macht Spaß, der Handlung zu folgen. Lediglich am Ende gab es einen erneuten Einbruch, welcher die Glaubwürdigkeit der Geschichte stark gefährdet hat. Auch in Bezug auf die enthaltenen Rezepte wurden meine Erwartungen nicht gänzlich erfüllt. Die Idee fand ich genial und mit Freude habe ich jedes von ihnen gelesen, um eventuelle Aufträge für meinen privaten Küchenmeister zu erstellen. Allerdings hat mich dann nur eines der Gerichte wirklich überzeugt, was ich sehr schade finde. Meiner Meinung nach gab es viel zu viele Back- statt Kochrezepte. Zudem waren die meisten der Rezepte tatsächlich sehr klassisch und haben deshalb wenig Interesse bei mir geweckt. Die Story selbst hat einen guten Aufbau und arbeitet zwar recht vorhersehbar, aber dennoch unterhaltsam der großen und geheimnisvollen Auflösung entgegen, welche dann im Grunde genommen allerdings auch wieder gar nicht so spektakulär ausfällt, wie erwartet. Dies ist ein wenig schade, aber nicht besonders schlimm, da das Grundgerüst ja dennoch recht nett ist. Lobenswert ist die sympathische Schilderung von Valeries und Lillys Heranreifen, welches aufgrund ihrer so unterschiedlichen Charaktere zu vielen typischen und wohlbekannten Situationen führt. Auf emotionaler Ebene hätten die Autoren deutlich mehr punkten können, aber es gab durchaus berührende Momente innerhalb der Geschichte, welche sich aufgrund der Verbindungen der einzelnen Charaktere untereinander ergeben. Kleine Intrigen, klassische Familiengeschichten und schwierige Momente innerhalb bestehender Freundschaften tragen den Leser durch die Geschichte und erhalten die Leselust trotz des eher jugendlichen Stils. weiterlesen
Meister der Wünsche
4
Zaki Shirazi begibt sich für eine Weile zurück in sein Heimatland Pakistan. Derzeit studiert er eigentlich an einer amerikanischen Universität, doch für die Vermählung seiner geliebten Cousine (Die eigentlich seine Tante ist) reist er gerne zurück nach Hause. Hier, mitten im Hochzeitstrubel erinnert er sich an seine Kindheit und sinnt über die Geschichte seiner Familie nach. Erzählt wird vom Verlust des Vaters, von der gemeinsamen Zeit mit der jetzigen Braut Samar Api, von Zakis Mutter, die sich mit viel Engagement und Mut wagt, sich in ihrer Zeitung kritisch gegenüber dem Regime zu äußern und von den so unterschiedlichen Lebensansichten, welche die einzelnen Familienmitglieder haben. Die einzelnen Passagen, welche allesamt verschiedene Zeitpunkte beleuchten und jeweils das Schicksal eines anderen Verwandten darstellen, ergeben letztendlich eine zusammenhängende Familiensaga, welche erzählt wird vom >>Meister der Wünsche<<. *** *** *** Meine Meinung *** *** *** Das Schwierigste an diesem Buch war für mich die Erzählweise. Zaki Shirazi dominiert zwar die Geschichte, wird jedoch zeitweise von etlichen anderen Charakteren verdrängt, deren Leben ebenfalls ausführlich geschildert wird. Diese Handlungsstränge verlaufen jedoch nicht linear und so ergibt sich erst am Ende des Buches ein Gesamtes, während zwischenzeitlich immer mal wieder in der Zeit vor und zurück gesprungen wird. So erhält man einen recht guten Einblick in die Welt der jeweiligen Charaktere und versteht die Zusammenhänge allmählich immer besser, wird aber andererseits zu erhöhter Konzentration gezwungen. Erschwerend war für mich die Tatsache, dass in dem Buch wirklich viele Personen vorkommen. Hierzu zählen 17 nahe Verwandte, 4 Charaktere aus der Familie von Zakis Mutter und schließlich 12 Freunde. Dabei den Überblick zu bewahren wurde mir glücklicherweise durch ein Personenregister erleichtert, aber anstrengend war es trotzdem. Hinzu kam die Tatsache, dass sehr viele Begriffe und, was für mich wesentlich schlimmer war, auch ganze Sätze aus dem Urdu oder Hindustani in nicht übersetzter Form zwischen den Zeilen aufzufinden waren. Zwar gab es ein Glossar im Anhang, aber es hat mich zeitweise einfach gestört, ständig einen Ausspruch nachblättern zu müssen. Bei typischen Begriffen, bzw. Eigennamen von Kleidung etc. kann ich diese Vorgehensweise nachvollziehen (Bei japanischen Büchern kann ich gar nicht genug davon kriegen), aber bei den Sätzen habe ich einfach keinen Sinn gesehen. Somit habe ich auch ein wenig länger benötigt, um mich durch den knapp 500 Seiten starken Wälzer zu lesen, doch gelohnt hat sich das Buch trotzdem. Im Vordergrund stehen die Beziehungen der Personen untereinander. Der Anker in Zakis Leben ist Samar Api, welche eigentlich seine Tante ist, aufgrund des knappen Altersunterschiedes jedoch von ihm wie eine Cousine behandelt wird. Die gemeinsame Kindheit schweißt diese beiden Charaktere sehr stark zusammen, was zu einer lebenslangen Freundschaft führt. Besonders Samar Api spiegelt sehr gut die sozialen Umstände der Familie wieder. Während sie ursprünglich in einem modernen, lockeren Umfeld lebt, entwickelt sie sich zu einem neugierigen, sehr freien Mädchen. Später jedoch sorgen andere Einflüsse dafür, dass sie sich stark unterordnet und eine große Wandlung vollzieht. Zakis Familie gehört zu den wohlhabenden Einwohnern Pakistans. Seine Großmutter Daadi kann sogar einen eigenen Fahrer und eine Haushälterin beschäftigen. Die Familie verfügt über einen Computer, Zaki erhält später trotz seiner leicht aufsässigen Art eine hervorragende Schulbildung und im Allgemeinen kann man nicht davon sprechen, dass die Familie Shirazi mittellos oder arm dran ist. Dennoch gibt es tragische Entwicklungen im Leben der einzelnen Bewohner und im Laufe der Geschichte erfährt man, dass es der Familie nicht immer so gut ging wie es nun der Fall ist. Während Zaki vordergründig die einzelnen Schicksale der Verwandten erzählt, erfährt der Leser gleichzeitig einiges über die politische und soziale Lage der Menschen innerhalb der verschiedenen Zeitepochen. Zaki schnappt die Predigten eines Geistlichen auf, schildert, wie sein Lehrer sich für die Sittsamkeit einsetzt und erzählt von den Kämpfen seiner Mutter, die sich gegen die Unterdrückung der Frauen einsetzt. Gleichzeitig streut Ali Sethi einige Äußerungen seiner Charaktere ein, welche sich auf die kommenden und gehenden Regierungen beziehen. Diese Meinungen sind allesamt sehr unterschiedlich, da schließlich ganz verschiedene Menschen porträtiert werden. Durch Zakis beinahe beiläufige Erwähnung werden diese Themen nicht dramatisiert, sondern beinahe schon sachlich geschildert. Der Erzählstil hat mir sehr gefallen. Durch malerische Beschreibungen und ausführliche Schilderungen der jeweiligen Situation erhielt man tiefe Einblicke in das Leben der verschiedenen Charaktere. Sehr deutlich gezeichnet waren auch die einzelnen Figuren selbst. Natürlich wurden nicht alle Personen ähnlich intensiv dargestellt, doch ihre jeweilige Art und die Gründe, die zu ihren Verhaltensweisen geführt haben ließen sich gut nachvollziehen. Sympathien habe ich nicht für alle der vorgestellten Menschen entwickelt, doch Zakis jeweiliges Verhältnis zu den einzelnen Menschen war sehr schlüssig. Besonderen Eindruck hat die liebevolle Beziehung von Zaki und Samar Api auf mich gemacht, aber auch Zakis barsche Großmutter ist ein sehr einprägsamer Charakter. Wenn man sich auf die vielen Handlungsstränge und die damit einhergehenden Einzelschicksale einlässt und sich mit dem Erzählstil eines jungen Ich-Erzählers anfreunden kann, dann lässt sich sehr viel in dieser Geschichte entdecken, wenn man denn gewillt ist, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Einen großen Showdown darf man nicht erwarten, dafür aber einen geschlossenen Kreislauf. weiterlesen
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