Rezensionen

Hier finden Sie alle Rezensionen zum Buch nach Erstellungsdatum sortiert.

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Jodi Picoult wurde 1967 im Amerika geboren. Sie lebt heute mit ihrem Mann und drei Kindern in Hanover (New Hampshire). Sie hat schon mehrere Bücher geschrieben.

Ross Wakeman ist auf der Suche nach seiner Frau Aimee, die vor einigen Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Seitdem versucht er ihr zu folgen. Nach drei Selbstmordversuchen, die er alle überlebt hat, wird er von den Ärzten als Glückspilz bezeichnet. Ross wird klar, dass ihm nichts passieren wird, deshalb versucht er seine Frau Aimee als Geist zu finden, um "Zugang zu einer Welt zu haben, in der Aimee war..." Auf seiner Suche landet er schließlich in Comtosook in Vermont. Dort übernimmt er einen  ungewöhnlichen Auftrag: er soll Geister von einem Grundstück vertreiben. Eine Reise u. a. in die Vergangenheit beginnt...

Das Buch hat mir wirklich gut gefallen. Es handelt von Liebe, Sehnsucht, Geister, Wissenschaft, ungeklärte Todesfälle und man lernt Indianer kennen und erfährt, wie sie unter der Eugenik zu leiden hatten. Auch wenn ich mit Geistern und paranormalen Phänomenen nicht so viel anfangen kann, hat es das Buch - oder sollte ich besser sagen die Autorin - geschafft, mich in den Bann zu ziehen. Schon der erste Satz "Als Ross Wakemann sich das erste Mal umbrachte, hatte er Erfolg, anders als beim zweiten und dritten Mal." hat mich förmlich in das Buch gezogen und erst nach dem letzten Satz wieder losgelassen.

"Zeit der Gespenster" ist in drei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil, der im Jahre 2001 spielt, werden mehre Personen eingeführt, die zunächst nichts gemein zu haben scheinen. Im zweiten Teil, der im Jahre 1932 spielt, widmet sich die Autorin u. a. einem dunklen Punkt amerikanischer Geschichte: der Eugenik in Vermont. Im dritten Teil - wieder im Jahre 2001 - werden die Fäden, die zuvor gesponnen wurden, kunstvoll zusammengeführt.

Man merkt dem Buch an, das die Autorin nicht einfach losgeschrieben hat, sondern umfangreiche Recherchen betrieben hat. Am Ende des Buch gibt sie in einem kurzen Interview zu, dass sie bei den Geistersachen versucht war zu schummeln und nicht so gut zu recherchieren aber sie wollte ihre Leser, die schon Erfahrungen mit Geistern gemacht hatten nicht enttäuschen. Ich kann nur sagen "Hut ab" Frau Picoult vor soviel Ehrlichkeit und danke, dass sie uns einen Einblick in dieses Gebiet gegeben haben.

Ein Buch, das ich wirklich nur empfehlen kann. Bleibt zu hoffen, dass Jodi Picoult noch viel Bücher schreibt.

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Auf der Suche nach dem Glück scheinen in diesem Roman nicht nur die Menschen sondern auch die Gespenster zu sein.

Ross ist bei einem Autounfall mit dem Leben davon gekommen und hat sogar einer anderen Unfallteilnehmerin das Leben gerettet, aber seine Verlobte fand den Tod in seinem Auto. Seitdem versucht er mit allen Mittel sein Leben zu beenden oder den Geist seiner Geliebten zu finden. Einen Geist findet er aber nicht den von Aimee seiner Verlobten, sondern Lia, den Geist einer vor siebzig Jahren Verstorbenen. Nur lagsam wird ihm klar, dass er sich in einen Geist verliebt hat. Seine Suche nach dem Glück beginnt damit dem Geist von Lia zu helfen und ihren Fall von Mord oder Selbstmord zu lösen.

Lia der Geist sucht nach ihrem Kind  und hilft Ross mit seinem Leben wieder zurecht zu kommen.

Auch die Schwester von Ross, Shelby sucht nach Glück und nach einem Wunder, obwohl sie einen sehr taffen Jungen hat ist ihr Glück durch seine unheilbare Krankheit getrübt. In dem Polizisten der ihrem Bruder hilft den Fall von Lia zu klären, findet sie einen neuen Partner und am Ende der Geschichte geben Forschungen Grund zur Hoffnung auf Heilung ihres Sohnes.

Grey Wolf ist wohl im Hindergrund die Hauptperson. Ein Indianer der mit Hunderundzwei Jahren die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet. Er ist der Vater der verstorbenen Lia und der Anführer einer Gruppe Indianer, die den Bau eines  Einkaufzentrumscentrum verhindern wollen. Das Einkaufszentrum soll auf dem Grunstück seiner Tochter errichtet werden. Und was keiner weis, dass sie Nachfahren eben dieser Tochter noch leben ergibt sich im Laufe des Romans.

Die Autorin zeichnet die Charaktere ihrer Figuren sehr differenziert und ich könnte noch lange meine Sicht hier darlegen. Der Stil des Buches ist hervorragend und leicht und flüssig zu lesen, man möchte das Buch nicht vor dem Ende aus der Hand legen. Auch die Kritik an der in den 20er und 30er Jahre angewandent Genauslese durch Sterilisation an Indianern und anderen sozialschwachen Menschen kam hier gut an und hat dem Roman eine gewisse Würze verliehen.

Im Grossen und Ganzen ein gelungenes Werk - Alle Achtung

5

Jodi Picoult ist eine der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart und hat schon viele Romane veröffentlicht. Ernste, gesellschaftskritische Themen stehen oft im Mittelpunkt, so auch in ihrem neuesten Roman "Zeit der Gespenster".

Ross Wakeman hat vor Jahren bei einem Autounfall seine Frau verloren und schafft es auch selbst nicht wirklich zurück ins Leben. Mehrere Selbstmordversuche sind gescheitert und er verschreibt sich der Geistersuche, in der Hoffnung seine Frau wiederzufinden und ihr wieder näher zu kommen. Doch auch dabei hat er kein Glück. Ein letzter Versuch auf einem Grundstück, welches angeblich auf einem alten Indianderfriedhof gebaut ist, wagt er noch seiner Schwester Shelby zuliebe. Während seiner Nachforschungen auf dem alten Grundstück wird er auf eine junge Fau namens Lia aufmerksam, die scheinbar etwas sucht.

Das Buch ist in 3 Teile geteilt. Im ersten Teil, welcher im Jahr 2001 handelt werden zunächst alle Personen vorgestellt und es wird in viele einzelne Handlungsstränge eingeleitet. Da wäre zum einen Ross und seine tragische Geschichte, seine Schwester Shelby mit ihrem Sohn Ethan, welcher unter Xeroderma Pigmentosum, sozusagen eine Sonnenallergie, einer seltenen Erbkrankheit, leidet.

Desweiteren werden noch der Polizist Eli vorgestellt, Spencer Pike, ein ehemaliger Wissenschaftler der in einem Pflegeheim lebt und und Az Thompson, ein 102jähriger Abenakiindianer.

Meredith, ihre Großmutter Ruby und ihre achtjährige Tochter Lucy bilden einen weiteren Handlungsstrang, welcher anfangs losgelöst von den anderen Personen scheint.

Für den 2. Teil des Buches reisen wir in die Vergangenheit ins Jahr 1932 und lernen wir die schwangere Cissy und ihren Mann Spencer kennen. Dieser Teil des Buches ist gespickt mit mehreren Zitaten zum Thema Eugenik, welche sich in die Geschichte einflechten. Spencer ist Wissenschaftler auf dem Gebiet und der Meinung dass sich schwachsinnige und kranke Menschen nicht fortpflanzen sollten.

Im 3. und letzten Teil klären sich die Zusammenhänge auf. Die Handlung ist wieder im Jahr 2001 und so langsam wird klar in welchem Zusammenhang alle vorgestellten Charaktere stehen und obwohl man ahnt wie es ausgeht, gibt es doch immer wieder Überraschungen und selbst nach der Auflösung kommt ein weiterer Höhepunkt, welcher dem Buch ein unerwartetes Ende gibt.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Jodi Picoult versteht es einfach die Leute in ihren Bann zu ziehen und ihre Geschichte auf sehr gekonnte Weise zu erzählen. Auch wenn es anfangs etwas verwirrend war und sprunghaft wirkte mit den vielen Handlungssträngen und ich das ein oder andere mal kurz innehalten musste um den Zusammenhang für mich zu ordnen, fügt sich am Ende alles sehr gut zusammen und die Fragen werden geklärt.

Ich hatte nach dem Lesen des Buches ein paar Fragen zum Thema Eugenik und der dahinterstehenden Organisation, aber da diese Ausgabe über einen Anhang und ein Interview mit Jodi Picoult verfügt, wurde dies auch geklärt.

Letztendlich kann ich diesen Roman wirklich weiterempfehlen und zwar nicht nur Leuten die an Geistergeschichten interessiert sind, denn natürlich kommt auch die Liebe in diesem Werk nicht zu kurz und auch für Krimifans kann der Mordfall Cissy interessant werden. 

4

Jodi Picoults Bücher gehören für mich nicht in die typische „Frauensparte“ - denn auch mir als Mann gefallen sie gut. Auch ihr neuer Rpman „Zeit der Gespenster“ ist ihr sehr gut gelungen. Ross Wakeman ist ein Glückspilz – denken auf jeden Fall seine Mitmenschen, denn egal, in welch schreckliche Unfälle er verwickelt wird – er übersteht sie alle unbeschadet. Doch gerade das macht ihm zu schaffen: vor Jahren verlor er seine große Liebe Aimee bei einem Autounfall und versucht seitdem, auf die andere Seite zu ihr zu wechseln. Seit er fest gestellt hat, das ihm das nicht so einfach gelingen wird, verdient er sein Geld als „Geisterjäger“, immer in der Hoffnung eines Tages auf Aimee zu stossen. Bei einem Besuch bei seiner Schwester Shelby, die mit ihrem an XP erkrankten Sohn zurück gezogen auf dem Land lebt, nimmt er einen Job auf einem alten Indianerfriedhof an, der einem Einkaufszentrum weichen soll. Und da begegnet ihm eines Nachts die mysteriöse Lia, die ihn Aimee vergessen lässt. Doch er ahnt nicht, wer die schöne Fremde ist und welches Schicksal sie begleitet.

Das Buch ist von Anfang an sehr spannend geschrieben. Es spielt in der Gegenwart und in der Vergangenheit, in den 1930er Jahren, in denen Abstammung und Zwangssterilisationen Hand in Hand gingen. Das ganze ist in eine gute Geschichte verpackt, die zwar auch eine Lovestory beinhaltet, diese ist jedoch eher zweitrangig. Jodi Picoult schneidet eine Menge Themen an: Geistererscheinung, Rassenhass, Liebe, aber ganz aktuelle Themen wie Genmanipulation um das perfekte Baby. Das Streben nach dem perfekten Menschen in der Vergangenheit und in der Gegenwart weisst in diesem Buch gewisse Paralellen auf, die den Leser zum Nachdenken bringt. Die Charaktere dieses Buches sind sehr eigen, haben alle Ecken und Kanten, die Konsequenzen ihrer Handlungen sind sehr vielfältig und gut beschrieben. Auch die Mischung der verschiedenen Themen und die Verknüpfung miteinander ist der Autorin gut gelungen und wirkt stimmig. Das Ende hat mir nicht ganz so gut gefallen, das hätte für meinen Geschmack etwas weniger butterig ausfallen können. Wer gute Geschichten mit paranormalen Einschlag mag liegt mit diesem Buch genau richtig.

4

 

Dass Jodi Picoult eine der erfolgreichsten Autorinnen unserer Zeit ist, sieht man, wenn man durch die Buchhandlungen streift und ihre zahlreich ausgelegten und angepriesenen Bücher betrachtet.

Jetzt hat auch mich das Picoult-Fieber gefasst und ich wurde von „meinem ersten Picoult“ nicht enttäuscht!

 

„Zeit der Gespenster“ handelt von Ross Wakeman, der seiner verstorbenen Liebe Aimee nachtrauert und sich jahrelang auf Geisterjagd begibt, um sie zu finden.Am Ende seiner Kräfte angelangt, flieht er zu seiner Schwester Shelby, die mit ihrem neunjährigen Sohn Ethan in einem Ort namens Comtosook in Ost-Amerika lebt. In diesem Ort passieren übernatürliche Sachen, seitdem ein altes Gebäude abgerissen werden und auf diesem Grundstück ein Shopping-Center entstehen soll. Die Abenaki, im Osten Amerikas angesiedelte Ureinwohner, erheben Anspruch auf das Grundstück,da sich dort ein Friedhof verstorbener Vorfahren befinden soll. Ross wird von einem Bauunternehmer beauftragt, das Grundstück auf Geister zu untersuchen und stößt dabei nicht nur tatsächlich auf einen Geist, sondern auf tragische Ereignisse, die sich in den frühen 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts zugetragen haben und dessen Folgen bis in die Gegenwart reichen. In diese Ereignisse sind besonders die Abenaki und die Familie Pike verwickelt, die in dem Haus auf dem Grundstück lebte..

 

Der Roman erzählt Geschichten von Verlust, Liebe, Hoffnung, Wissenschaft und jahrzehntelang verborgenen Geheimnissen.

 

Zunächst fiel es mir etwas schwer, in die Geschichte zu finden, weil anfangs so viele Charaktere vorgestellt und begleitet werden, deren Bezug zur Geschichte nicht so schnell klar wird. Durchschnittlich jede dritte Seite wechselt Picoult zu einer anderen Person. Was mir anfangs jedoch schwer fiel, empfand ich später als äußerst angenehm wegen der Abwechslung und weil ich einige Charaktere lieber „begleitet“ habe als andere, da ich für gewisse Leute große Sympathien entwickelt habe -jedenfalls mehr als für andere. Durch den Wechsel entstehen meiner Meinung nach keine langen Passagen, durch die man sich kämpfen muss. Die Autorin schneidet in dem Roman zwar viele Themen (Eugenik, Indianerreservate,Präimplantationsdiagnostik..) an, aber ich hatte nie das Gefühl, dass irgendetwas davon unbefriedigend dargestellt und allzu oberflächlich behandelt wurde.

 

Ich bin Geistergeschichten gegenüber sehr skeptisch, weil ich einfach nicht dran glaube, aber selbst ich als Skeptiker hatte meinen Spaß daran, diesen Roman zu lesen und manch paranormales Ereignis mit einem Augenzwinkern abzutun -Realisten, die aber eine Abneigung gegen Geistergeschichten und fantasy-stories haben, werden mit diesem Buch aber natürlich nicht glücklich werden und sollten lieber die Finger davon lassen.

 

Fazit: Ein Buch, das einfach durch die Erzählweise, die Wendungen und die Moral überzeugt und in sich stimmig wirkt.

5

Jodi Picoult überrascht immer wieder aufs Neue. Anders als erwartet steht nicht Ross Wakeman im Mittelpunkt der Geschichte sondern bildet eher das Gerüst bzw. die Verbindung zu einer Geschichte die lange zurück liegt aber nicht weniger dramatisch ist.

 

Das Buch ist in drei Teilen gegliedert. Erster und Letzter handeln in der Gegenwart, der zweite Teil führt zurück in das Jahr 1932. Dort spielt sich eine große Familientragödie ab deren Folgen bis in die heutige Zeit nachwirken. Natürlich gibt es im Nachgang auch wieder Picoults Geschichte hinter "Zeit der Gespenster" in Interviewfom und somit Einblicke in die Recherchen.

 

Neben Verbindungen zu Verstorbenen  greift Picoult auch wieder ein sehr prekäres Thema auf in diesem Fall die Erhebungen zur Genetik. So wurde in Vermont und weiteren Bundesstaaten ein Sterilisationsgesetz verabschiedet um zu vermeiden, dass Personen die Behinderungen aufweisen, kriminelle Energien besitzen oder als asozial gelten sich nicht mehr fortpflanzen und somit ihre schlechten Erbanlagen nicht weitergeben können. Die Vorgehensweise und Auslegung der sogenannten „freiwilligen Sterilisation“ hat mich sehr schockiert.

 

Meine Empfindungen beim Lesen gingen von Kopfschütteln, über Besorgnis, Trauer, Entsetzen, Hoffnung, Erleichterung gegen Ende gab es auch noch was zum Lachen und letztendlich bleib ich mit dem Gefühl zurück eine sehr interessantes durchdachte unglaubliche und dennoch letztendlich in sich stimmige Geschichte gelesen zu haben.

 

Auf den Inhalt bin ich bewusst nicht detailliert eingegangen. Da es aufgrund der vielen Personen und Handlungen  zum einen zu ausführlich werden würde und der Überraschungseffekt beim Lesen auf der Strecke bleibt. Jodi Picoult gelingt es auf jeden Fall wieder durch ihre wechselnde Erzählperspektiven einen ganz nah an das Leben der einzelnen Protagonisten ran zuführen und lässt uns wieder hautnah mitfühlen.

 

An Gespenster mag man glauben oder auch nicht. Selbst als kritischer Mensch kann man sich auf die Geschichte einlassen. Haarsträubend fand ich allerdings die Kaffeemaschine aus der nur noch Limonade kommt. Mit der konnte ich mich genauso wenig anfreunden wie mit  den Wasserleitungen in denen bei „Das Herz meiner Tochter“ Wein statt Wasser floss. Mit so einem kleinen beiläufigen Satz kann man so viel kaputt machen  und ich war mir bis heute Morgen noch sicher, dass das einen Bewertungsstern Abzug geben wird. Doch gegen Ende hatte mich Picoult immer mehr am Wickel und ich bin trotz allem dermaßen beeindruckt, dass ich die volle Punktzahl gebe .

5

Ich finde den Klappentext des Buches irgendwie irreführend. Er ist zwar nicht falsch, aber er beleuchtet die falschen Aspekte des Buches. Alles dort genannte kommt zwar wirklich im Buch vor, aber das Buch umfaßt so viel mehr, als nur diesen Gespensteraspekt. Das ist allerdings der einzige Kritikpunkte, den ich an diesem wirklich wunderschönen Buch hätte.
Natürlich muß man ein wenig spirituell oder esoterisch angehaucht sein, damit man sich hier auf dieses Buch einlassen kann. Ein Realist mit wenig Fantasie wird nur wenig Freude daran haben, jeder andere wird eine wirklich interessante und trotz der Schattenseiten schöne Geschichte lesen.
Nein, auch nicht richtig, denn schön ist eine Geschichte über Eugenik, Erbkrankheiten, Abtreibung, Indianerreservate und Sterilisationsgesetze und mit vielen tragischen Todesfällen eigentlich nicht, aber es gelang dieser Geschichte hier mein Herz zu berühren, mich traurig zu machen und nachdenklich, aber auch immer wieder ein Lächeln auf mein Gesicht zu locken.
Und was mir wohl hier das Wichtigste war, Picoult verbockte das Ende nicht so wie bei "Beim Leben meiner Schwester".
Die Geschichte ist stimmig, der Stil ist gelungen, doch ein durchaus sehr schönes Buch, daß ich jedem der hin und wieder am Sinn und Zweck unseres Daseins zweifelt ganz besonders ans Herz legen würde.
Denn der Weg ist das Ziel....

4

Was ich an Jodi Picoult besonders schätze ist, dass es der Autorin immer gelingt, komplizierte Problematiken, in denen Menschen verstrickt sein können, präzise und nachvollziehbar darzulegen.
In ihren Romanen widmet sie sich meist einem oder zwei größeren Hauptthemen - in diesem Falle sind es die Eugenik und der Glaube an das Übersinnliche - in die Menschen zunächst hoffnungslos verstrickt scheinen und beleuchtet diese mitsamt all ihren vielen Facetten für den Leser verdaubar und man taucht aus ihren Romanen immer ein wenig schlauer und um einige Erfahrungen reicher wieder auf als man vorher war.

Eigentlich war ich bei dem Buchtitel zunächst etwas skeptisch, denn durch meine Erziehung, die eher in der Richtung ging, das fast alles naturwissenschaftlich erklärbar ist, sträubte sich innerlich etwas in mir, ein Buch über übersinnliche Phänomene zu lesen. Nur die guten Lese-Erfahrungen, die ich mit Büchern der Erfolgsautorin bereits hatte, zogen mich dann doch zu diesem Roman zurück.

Und es ist keine leichten Stoffe, die sich die Autorin da zur Aufarbeitung vorgenommen hat:

Ross Wakeman ist seit dem tragischen Unfalltod seiner über alles geliebten Verlobten traumatisiert und leidet sowohl unter eigener Todessehnsucht als auch unter Selbstvorwürfen, ihren Tod nicht verhindert zu haben, sondern sich stattdessen für eine andere am Unfall beteiligte Person als Retter aufgespielt zu haben. Von dem Gefühl geleitet, dass der Geist seiner Verlobten Aimée nicht zur Ruhe gekommen ist und mit ihm Kontakt sucht, begibt er sich selbst auf die Suche nach Begegnungen mit der jenseitigen Welt, einerseits um eigene Vermutungen rational bestätigt bzw. wiederlegt zu bekommen oder endlich Klarheit zu erlangen, kurz: Er möchte endlich loslassen können und doch endlich wieder mit Aimée vereint sein.

Da bekommt er den Auftrag, herauszufinden, ob es auf einem Baustellengrundstück, bei dem unklar ist, wem das Areal einerseits gehört und was sich in der Vergangenheit dort an unaufgeklärten Verbrechen abgespielt hat, tatsächlich spukt. Verwoben mit diesem Handlungsstrang sind nicht nur die Probleme, mit denen sich Ross' eigene Schwester Shelby konfrontiert sieht. Ihr Sohn leidet seit seiner Geburt an einer schrecklichen Krankheit, die es ihm unmöglich macht, sich der Sonne mit ihrer UV-Strahlung aussetzen zu dürfen. Da gibt es auch noch die Ärztin Meredith, die mit Hilfe von Invitro-Befruchtung und Vorabselection der gesunden Embryos, Eltern helfen möchte, Kinder ohne Erbkrankheiten zur Welt zu bringen.
Und um das Ganze noch ein wenig schwerverdaulicher zu machen, legt Jodi Picoult zudem den Finger auf ein Kapitel der kanadischen Geschichte, welches die Kanadier selber mit Sicherheit nicht gerade mit Stolz erfüllen dürfte: die Zeit um 1930, in der Wissenschaftler und Ärzte genau wie in Deutschland versuchten, Herrenrassen zu züchten bzw. sogenanntes "unwerte, degenerierte" Leben und Weitervererben desselben zu verhindern.

Insgesamt also Stoff genug, um gleich mehrere Bücher zu füllen und zeitweise ist man als Leser dieses wirklich guten Romans auch versucht, der Autorin genau das geraten zu haben, weil ein Buch alleine damit auf den ersten Blick zu vollgepackt zu sein scheint. Aber Jodi Picoult schafft es wieder einmal, die zunächst verzwickt und unzusammenhängend erscheinenden Handlungsstränge präzise zu sortieren und ein solides, spannend und vielschichtiges Geflecht daraus zu wirken, das dem Leser einerseits ermöglicht, eigene Resumées zu ziehen und ganz sicher nichts für Lesefreunde der seichten, oberflächlichen Unterhaltungsliteratur ist.

Chapeau vor einer ausnehmend hübschen Autorin, die zudem auch noch über ein sehr kluges und äußerst talentiertes Köpfchen verfügt!

2




Der Roman spielt zum einen in der Gegenwart, zum anderen  in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, in Vermont/USA.

Es wird eine schwierig bis tragische Familiengeschichte erzählt, wobei erst allmählich klar wird, wie viele familäre Bande es tatsächlich zwischen den einzelnen Personen gibt – zunächst wirkt das eher zufällig nebeneinander gestellt.

Inhaltlich geht es zunächst um Geisterscheinungen auf einem Baustellengrundstück. Grund dafür sind unklare Besitzverhältnisse und zwei ungeklärte Todesfälle. Die Hauptpersonen sind der Geisterjäger Ross, dem es bei der Geisterjagd in erster Linie darum geht, Kontakt mit seiner bei einem Unfall gestorbenen Geliebten aufzunehmen, der er noch etwas schuldig zu sein glaubt. Weitere Hauptpersonen sind Lia, ein Geist aus der Vergangenheit, der längst vergessene Gefühle in Ross weckt, der Indianer Az, der ein Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart bildet, Shelby, Ross' Schwester, die sich als Alleinerziehende um ihren an einer seltenen Lichtallergie leidenden Sohn bemüht und Meredith, die sich als Ärztin dafür einsetzt, dass Eltern ihr Wunschkind – hier ein Kind ohne Erbkrankheiten – bekommen können.

Die Fäden der Personen verschlingen sich immer mehr. Dies gelingt Jodie Picoult sehr kunstvoll, so dass sich aus einem anfangs  verwirrenden Nebeneinander eine eindrucksvolle Gesamtgestalt ergibt. Die Gefühle der Personen werden so vermittelt, dass der Leser sich eingebunden fühlt. Auch an Spannung fehlt es nicht, der Roman zieht in seinen Bann und macht neugierig auf die weitere Entwicklung.

Hoch interessant sind die historischen Informationen. Dass es in den USA in den 20er und 30 Jahren Eugenik-Gesetze und Zwangssterilisationen gab, war mir neu, ebenso hatte ich noch nie von den Indianern oder der Diskriminierung von Frankokanadiern in den USA gehört. Darüber erfährt der Leser eine Menge,ohne das man sich auch nur eine Sekunde „belehrt“ fühlt. Das offenkundige sozialkritische Engagement der Autorin ist elegant in die Romanhandlung eingewoben und damit ebenso überzeugend wie unterhaltsam.

Dennoch: im 2. Teil des Buches gibt es ein paar Längen. Einige Windungen sind im Verlauf sehr absehbar und überflüssig (wie die Episode bei der Steinbruchsprengung). Leider wird die Glaubwürdigkeit der Geschichte getrübt durch den Fokus auf Geistwesen. Sehr personifizierte und vermenschlichte "Geister" tragen nicht nur die Gesamtgeschichte, es gibt auch noch eingestreute, für die Gesamtentwicklung bedeutungslose „Geisterscheinungen“. Auch mit Beinah-Tod Erfahrungen wird verschwenderischer umgegangen als notwendig oder sinnvoll. Hier hätte ich eine deutlich zurückhaltendere Darstellung bevorzugt.

Weiterhin empfinde ich einen Widerspruch zwischen dem kritischen Anspruch (in Punkto Eugenik/Gentechnologie, Diskriminierung) erhebt und einem absolut harmonisierenden, weichgespülten Ende. Müssen alle Fäden sich entwirren, alle noch so verwegenen Verbindungen passend gemacht werden, alle Singles erfolgreich verkuppelt, alle Krankheiten heilbar werden, sogar alle Diäten Erfolg haben?




Insgesamt: gelungene Unterhaltung, gut geschrieben und gründlich recherchiert, aber allzu versponnen und verkünstelt, daher leidet insgesamt die Glaubwürdigkeit. Schade, das Thema hätte mehr verdient. Als Feierabendlektüre oder Urlaubsunterhaltung aber auf jeden Fall geeignet, insbesondere wenn man sich für Parapsychologie erwärmen kann.

 

http://memepasfatiguee.jimdo.com/rezensionen/

 

5

Nachdem mich Picoults letzter Roman, "Das Herz ihrer Tochter", ein wenig enttäuscht hat, bin ich an "Zeit der Gespenster" mit sehr gemäßigten Erwartungen rangegangen - und wurde dafür belohnt! Picoults neuester Roman ist wieder fantastisch, ein echter Picoult-Roman. Picoult selbst meint, das "Zeit der Gespenster" ihr bisher bestes Buch ist.

Das Buch beginnt sehr unübersichtlich - viele einzelne Abschnitte, teils mit verwirrendem Inhalt, handeln von jeweils anderen Personen. Doch nach einigen Seiten werden die Abschnitte länger und man kann nun endlich eine klare Struktur erkennen.
Den Inhalt zu beschreiben, finde ich persönlich sehr schwer, da sich die ganze Handlung erst nach 200 Seiten so langsam zusammenfügt - bis dahin gibt es nur vereinzelte Handlungen, die - auf den ersten Blick - nichts miteinander gemeinsam haben.
Es geht auf jeden Fall um eine fiktive Geschichte mit einem historischen Aspekt. Es geht um Geister, Liebe, Trauer um einen verstorbenen Menschen, der einem sehr viel bedeutet hat, um das Leben selbst, um einen Indianerstamm, die Apenaki, um Eugenik, die darauf aus ist, nur die "perfekten" Menschen überleben zu lassen und um einen unaufgeklärten Mord, der sich vor 70 Jahren zugetragen hat.
Es gibt drei Abschnitte, die jeweils in den Jahren 2001, 1932 und wieder 2001 spielen.

All dies ist typisch für Picoult und gerade die Tatsache, dass die Handlung sich erst nach und nach zusammenfügt, dem Leser erschließt, macht den Roman so einzigartig.
Allerdings gibt es in Picoults neuesten Werk auch Unterschiede zu ihren früheren Romanen. Beispielsweise findet hier keine Gerichtsverhandlung statt, was doch so typisch für die vorherigen Romane der Autorin war.

Anfangs hat mich "Zeit der Gespenster" ein wenig an "Die Wahrheit der letzten Stunde", später an "Die Wahrheit meines Vaters" erinnert. Es sind zwar ähnliche Aspekte vorhanden, doch "Zeit der Gespenster" steht für sich und ist an sich einfach einzigartig. Ein weiteres Plus ist für mich das Interview mit Picoult, dass am Ende des Romans noch abgedruckt ist und wo man näheres darüber erfährt, wie Picoult überhaupt zu dem Thema gekommen ist und was sie dabei herausgefunden hat.

Kurzum, ein wieder mal fantastisches Buch, ein Muss für alle Picoult-Fans und alle Neueinsteiger!
 

3

Inhaltlich wurde das Buch ja schon sehr schön wiedergegeben, deshalb spare ich mir das jetzt einmal.

 

Nachdem ich "Zeit der Gespenster" von Jodi Picoult zuende gelesen habe, bin ich ein wenig zwiegespalten. Thematisch finde ich das Buch wunderbar, die Geschichte, die erzählt wird, gefällt mir wirklich gut, allerdings hat mir das Buch "handwerklich" nicht so sehr gefallen.

Der Anfang ist zunächst einmal sehr verwirrend, weil sehr viele verschiedene Personen vorgestellt werden und man sehr schnell den Überblick verliert. Die Perspektivenwechsel kamen für mich viel zu schnell, kaum hat man sich in die eine Person reingefühlt, kam schon die nächste Person.

Einige Sachen waren für mich auch einfach so gar nicht nachvollziehbar. Sicherlich geht es in diesem Buch um einen Mann, der Geister sucht, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Städtchen, in dem ganz plötzlich ungewöhnliche Dinge passieren, wie zum Beispiel gefrorener Boden mitten im Sommer, nicht von Reportern und Wissenschaftlern belagert wird, die der Sache auf den Grund gehen wollen.

Ich habe nicht erwartet, dass alles logisch vonstatten geht, weil das bei Geistergeschichten einfach nicht der Fall sein kann, aber die Rahmenbedingungen waren für mich einfach nicht glaubwürdig und das hat mein Lesevergnügen schon geschmälert.

Ich kann zwar sagen, dass ich das Buch gerne gelesen hab, aber richtig gefesselt hat es mich nicht, zumal auch alles irgendwie absehbar war, am Ende war zumindest für mich kein Überraschungseffekt, als sich die Stränge dann alle ineinander flossen.

Von mir gibt es drei Sterne für dieses Buch.

 

2

 

Es ist wirklich nicht einfach für mich dieses Buch zu rezensieren, denn ich fühle mich, nun wo ich es zu Ende gelesen habe, hin und her gerissen.
  
Fest steht, es ist auf jeden Fall ein sehr ungewöhnliches Buch, das sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt.  
 
Die erzählte Geschichte ist sehr gut. Besonders der integrierte Mordfall, die Untersuchung und Aufklärung nach fast 70 Jahren ist super verpackt und wirklich sehr spannend und fesselnd beschrieben, so dass man beim Lesen glatt die Zeit vergisst.  
 
Dennoch ist es ein Buch das ich nicht guten Gewissens einfach so weiterempfehlen kann. Es sind für meinen Geschmack einfach zu viel Suizide- bzw. zu viele Suizidversuche in diesem Buch. Es erscheint mir als ein einziger Hilfeschrei, von Leuten die mit der Welt und ihrem Leben nicht zurechtkommen. Die Lösung für jedes Problem scheint: Bring dich um! Zu lauten.
 
Eine junge Frau die unter dem Trauma leidet, dass ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Sie ist gerade einmal 18 Jahre alt und selbst mit ihrem ersten Kind schwanger, logisch das sie angst hat, das selbe Schicksal zu erleiden wie ihre Mutter, dass kann ich nachvollziehen, aber das diese junge Frau dann hingeht und immer und immer wieder versucht sich und das ungeborne Kind in ihr umzubringen. - Nein…
Ein Mann verliert die Frau, die er über alles geliebt hat. Er gibt sich die Schuld, in dem Moment ihres Todes nicht bei ihr gewesen zu sein. Durchaus verständlich. Er glaubt nicht an Geister, dennoch macht er sich auf die Suche nach Geistern um irgendwie mit seiner Frau in Kontakt zu kommen. Im Grunde sucht er ihre Absolution weil er in diesem einen Moment nicht bei ihr war und stattdessen ein anderes Leben gerettet hat. 
Doch dann acht Jahre und unzählige Suizidversuche später begegnet er dem  Geist einer Frau, und verliebt sich auf der Stelle in sie.  Er erkennt so etwas wie eine Seelenverwandte in ihr, da sie zu ihren Lebzeiten selbst zigmal versucht hat sich das Leben zu nehmen und ist sofort bereit einen erneuten Suizidversuch zu unternehmen. Diesmal um mit ihr zusammen sein zu können. Da kann man ja glatt von Glück reden, dass er nicht sterben kann.  
Ein Vater findet seine Tochter, verliert sie kurz darauf durch einen Mord und lebt 70 Jahre sein Leben weiter und als endlich alles aufgeklärt wird, er erfährt, dass er eine Enkelin und Urenkelin hat, da geht er ins Wasser um sich das Leben zu nehmen.
Einziger Lichtblick in dem ganzen scheint Ross’ Schwester Shelby zu sein. Ihr Leben ist nicht einfach, aber sie stellt sich ihren Problemen jeden einzelnen Tag aufs Neue. Sie kämpft für das Leben ihres Sohnes und sie denkt nicht ein Mal daran ihr Leben wegzuwerfen.
 
Wirklich schade um die schöne und interessante Geschichte. Mit einer selbstmordgefährdeten Figur hätte ich gut leben können, aber mit dieser geballten Ladung komme ich nicht klar.
 
 
 
4

Ross Wakeman verlor bei einem Autounfall seine große Liebe Aimee. Seit dem hat er versucht sich dreimal umzubringen, doch es sollte nicht sein. Es scheint, als ob er nicht sterben könnte. Somit schließt er sich Geisterjägern an, um den Geist seiner gestorbenen Frau Aimee zu finden. Doch dabei stellt er relativ früh fest, dass diese Heuchelei der Geistersuche nicht das richtige für ihn und seinen Weg ist. Somit macht er sich auf zu seiner Schwester Shelby, um dort einige Zeit unter zu kommen. Es dauert nicht lange und schon werden seine Fähigkeiten als Geisterjäger benötigt. Ein uraltes Haus soll abgerissen werden und einem Einkaufszentrum weichen. Doch angeblich wandelt hier der Geist einer (Halb-)Indianerin. Ross nimmt den Auftrag an und erlebt einige Überraschungen. Er begibt sich auf Geister- und auf Mördersuche.

Das Buch lies sich wunderbar lesen. Es zieht einen in seinen Bann und läßt einen dann auch nicht wieder los. Fantastisch. Am Anfang gibt es sehr viele Handlungsstränge, die es einem nicht leicht machen den Überblick zu behalten. Nach und nach wird einem jedoch der Zusammenhang klar.

Ein sehr schönes Buch, wobei ich ab und an eine kleine Träne unterdrücken mußte. ;-)

3

“Und was sich ihm hier bot, war der Stoff, von dem er nur träumen konnte: ein hundertjähriger Indianer, eine verstörte Provinzstadt, ein Baulöwe und Gerüchte von einem bösen Geist”. So schreibt Jodi Picoult in ihrem Roman "Zeit der Gespenster". Traumstoff? Eher Schaumstoff würde ich sagen!

Ross Wakeman kann nicht sterben. Dreimal hat er vergeblich versucht sich umzubringen. Seit er vor einigen Jahren seine Verlobte Aimée bei einem Autounfall verlor, ist er des Lebens müde. Allerdings glaubt er, dass Aimée in der Zwischenwelt der Gespenster lebt und noch nicht ihre ewige Ruhe gefunden hat. Aus diesem Grund entschließt er sich als Geisterjäger auf die Suche nach ihr zu gehen.

Die Bewohner von Comtosook in Vermont, zu denen auch Ross Schwester Shelby gehört, haben derweil andere Sorgen. Ein Stück Land, auf dem man einen alten Indianerfriedhof vermutet, soll verkauft und zu einem Einkaufszentrum umgewandelt werden. Eine Gruppe von Abenaki, indianischen Ureinwohnern dieser Gegend, protestiert dagegen. Und wird, so scheint es, von höheren Mächten unterstützt. Mitten im August gefriert der Boden. Das alte Herrenhaus, das bereits abgerissen war, baut sich von selber wieder auf. Der zuständige Bauunternehmer Rod van Vleet bittet Ross um Hilfe. Er soll dem Spuk auf den Grund gehen und ihm ein Ende machen.

 

“Zeit der Gespenster” besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil, wir schreiben das Jahr 2001, legt die Autorin ihre Geschichte in der Erzählperspektive aus der Sicht des jeweils handelnden Protagonisten an. Allein im ersten Kapitel führt Sie fast auf jeder Seite einen neuen Charakter ein. Elfmal wechselt Sie Person und Handlungshintergrund. Das ist unübersichtlich und verwirrend. Und geht auf Kosten ihrer Figuren. Der Leser lernt alle ein bisschen, aber keinen richtig kennen.

Im zweiten Teil geht es zurück ins Jahr 1932. Wir erfahren, dass es in Vermont in den 1920er und 1930er Jahren ein Eugenik-Projekt gegeben hat. Eine Gruppe von Wissenschaftlern versuchte unter anderem “degenerierte” Menschen davon zu überzeugen, sich “freiwillig” sterilisieren zu lassen. Betroffen waren Kranke, Behinderte, Verbrecher und Menschen mit dunkler Hautfarbe. Vor dem malerischen Hintergrund von Vermont spielten sich grausame familiäre Tragödien ab. Dieser Teil ist hochinteressant und spannend.

Im dritten Teil, wieder zurück in der Gegenwart, löst die Autorin alle Handlungsstränge und auch die Geheimnisse aus dem Sommer 1931 auf. Dabei überschlagen sich die Ereignisse. Denn, so erzählt die Autorin in einem Interview, es war schwierig alle Anknüpfungspunkte aus dem ersten Teil so zu arrangieren, dass Sie diese im letzten Teil auflösen konnte. Das merkt man. Einige Auflösungen wirken zu bemüht um glaubwürdig zu sein.

“Zeit der Gespenster” ist eine Mischung aus Schauerroman, Krimi und sozialwissenschaftlicher Abhandlung. Gerade noch schreiben unsichtbare Geisterhände Botschaften auf beschlagene Badezimmerspiegel, da wird der Leser im nächsten Moment mit wissenschaftlichen Tabellen konfrontiert, wo ein einfacher Satz zur Erläuterung des Sachverhaltes ausgereicht hätte. Im Gegensatz dazu bleiben die Figuren oberflächlich und vage. Picoult beschreibt  die seelische Lage von Ross Wakeman mit leeren Worthülsen (“Sie musste doch die Leere in seinem Innern spüren“), aber Sie zeigt sie nicht an konkreten Beispielen. So fehlt an vielen Stellen das Verständnis für die Handlungsweisen der Figuren. Außerdem tummeln sich in diesem Buch zu viele unerklärliche Phänomene und paranormale Erscheinungen, die wie selbsterklärend wirken sollen. Die Bewohner von Comtosook scheinen sich jedenfalls nicht über Papageien zu wundern die plötzlich Edith-Piaf-Lieder singen oder über Kaffeemaschinen, die nur noch Limonade kochen. Als Leser wundert man sich um so mehr.

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Inhaltsangabe:

Als Ross Wakeman an der Tür seiner Schwester Shelby klopft, ist er ziemlich am Ende. Den Job als Geisterjäger hat er gerade hingeworfen, er kommt über den Tod seines geliebten Frau Aimee einfach nicht hinweg und er scheint nicht sterben zu können – obwohl er es schon mehrmals selbst versucht hat. Da kommt ihm der Auftrag eines örtlichen Bauunternehmers gerade recht, um noch ein paar Dollars zu verdienen. Auf einem Grundstück, auf dem ein alter Indianerfriedhof liegen soll, soll es spuken und Ross ist der richtige Mann, um der Sache auf den Grund zu gehen, denn auf dem Land soll ein Einkaufszentrum errichtet werden. Der alte Spencer Pike, ehemaliger Besitzer des Grundstücks, ist bei Ross Forschungen allerdings nicht gerade hilfreich. Ross spürt, dass an der Geistergeschichte mehr dran ist als es scheint und rührt dabei zusammen mit Shelby an ein nicht gerade ruhmreiches Kapitel der amerikanischen Vergangenheit ...

Der erste Satz:

„Als Ross Wakeman sich das erste Mal umbrachte, hatte er Erfolg, anders als beim zweiten oder dritten Mal.“

Meine Meinung zum Buch:

Es ist schwierig, für dieses Buch eine Gesamtbewertung abzugeben, denn es hat sehr gute und spannende Passagen, ich habe aber auch etliche Kritikpunkte. Außerdem verrät man bei diesem Buch schnell zuviel und nimmt anderen die Spannung, da muss ich beim Schreiben sehr aufpassen.

Jodi Picoult nimmt für jedes ihrer Bücher ein spezielles „Grundthema“, und bei diesem Buch ist es die Eugenik. Ich wusste nicht, dass es in den USA Anfang der 30er-Jahre Eugenik-Projekte gab und las überrascht und auch entsetzt, dass in etlichen Staaten Zwangssterilisationen an der Urbevölkerung und an als „degeneriert“ eingestuften Mitmenschen durchgeführt wurden, wohl auch schon an Kindern. Im Anhang des Buches gibt die Autorin einige Erklärungen zum Hintergrund ab, das war sehr aufschlussreich. Als Thema für einen Roman fand ich es jedenfalls sehr gut und hoch interessant.

Zu den im Roman dargestellten Personen habe ich aber keinen richtigen Zugang gefunden. Weder zu Ross noch zu Shelby, noch zum Polizisten Eli, noch zu den vielen anderen Charakteren. Sie erschienen mir alle recht flach und eindimensional.

Zu lesen war das Buch sehr angenehm und flüssig. Die Autorin unterbricht die chronologische Abfolge der Ereignisse um Ross und Shelby mit einem langen Abschnitt, der die Geschichte von Spencer Pike und seiner Frau Cecelia im Jahr 1932 erzählt. Zusätzlich gibt es in der Erzählung der Jetztzeit einen weiteren Handlungsstrang um eine gewisse Meredith und ihre Tochter Lucy, der für mich aber mehr zur Verwirrung beigetragen hat und erst sehr spät mit der Haupthandlung verknüpft wird.

Die Spannung schwankt während des Lesens sehr stark. Die erste Hälfte des Buches habe ich mit mäßiger Begeisterung gelesen, dann zog die Spannung während der Ermittlungen um Cecelias lange zurück liegenden Todesfall sehr an und ich war von diesem Abschnitt wirklich begeistert. Das Ende ist dann leider wieder sehr langgezogen – die letzten 50 Seiten hätten in meinen Augen nicht sein müssen, die Geschichte an sich war da schon beendet.

Alles in allem: lesenswert, mit kleinen Schwächen.

Grüße von Annabas

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