Gesamtdarstellung: Umfang: 304 Seiten, Erscheinungsdatum/Verlag: 3/12, Graf- Verlag
Cover: Frisier- Salon aus alten Zeiten, pomadig, Dackel Bajazzo
Autor: Harry Kämmerer
Inhalt/Darsteller:
Ein Münchner Top- Model wird in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Offensichtlich ermordet wurde die Schöne mit einer Überdosis Koks. Neben zahlreichen Schönheitsoperationen weist sie auch noch eine falsche Nase auf. Bei einem Autounfall kommt ein Arzt ums Leben und langsam lenkt sich alles auf ein Netz von Schönheitschirurgen, welche offenbar gelenkt von Habgier auf nicht legale Machenschaften zurückgreifen.
Chefinspektor Mader mit seinem Dackel Bajazzo und sein Team wollen den Mord aufklären, doch stehen sie immer wieder vor einer scheinbar undurchdringlichen Mauer, welche die überkandidelte Schönheitsmafia aufbaut und sich dabei gegenseitig misstraut, bedrängt und erpresst.
Darstellungsform/Sprache:
Der Krimi ist in der Vergangenheit als Erzählung verfasst, enthält viel wörtliche Rede. Aufgefrischt wird die Handlung durch Gedichte, welche thematisch zum Inhalt passen.
Die neusprachlich modernen Begriffe sind größtenteils recht ironisch, wie auch einzelne Textpassagen.
Einbau in Zusammenhänge:
Teils sehr ironisch, jedoch durchaus realistisch wird die Münchner „Schickeria“ vorgeführt. Die beschriebene Überheblichkeit der „Oberen Zehntausend“ wie auch die Darstellung der braungebrannten, golfenden Halbgötter in Weiß trifft sicherlich auf einen Teil der Schicki- Micki- Gesellschaft zu. Wenngleich hier das Klischee bedient wird, so sind die teils ältlichen, besseren Herren in den superchicen Autos ein Teil der Münchner Gesellschaft. Die Bussi- Bussi Gesellschaft ist ein neumodernes Phänomen.
Auch die medizinischen Veränderungen sind gut beschrieben.
Die ärztliche Versorgung mit falschen Organen oder Prothesen aller Art ist mittlerweile medizinischer Standard. Schönheitsoperationen bei jungen wie auch sehr alten Frauen sind an der Tagesordnung.
Die Vorgehensweise der Schönheitchirurgen, welche selbstverständlich hier sehr einfühlsam vorgehen und nur kleine Korrekturen vornehmen, jedoch in Wirklichkeit ausschließlich auf finanzielle Gewinne aus sind ist bekannt.
Der Titel „Die schöne Münchnerin“ ist gut gewählt. König Ludwig ließ die Schöne Helene Sedelmayr malen und in seine Schönheitsgalerie einreihen. Seither ist dies ein geflügeltes Wort für die schönen Münchner Madeln, wurde oft besungen und findet immer wieder mal Verwendung.
Kritik:
Sozialkritisch gut getroffen wurde vom Autor eine bestimmte Gesellschaftsklasse. Die Ironie, welche sich durch das Buch zieht und auf bestimmte Verhaltensweisen und Verbalitäten abzielt, ist ebenfalls gut eingebaut.
Die Personen sind sehr gut, wenngleich auch klischeehaft beschrieben.
Die schöne Münchnerin hebt sich von den üblichen Regionalkrimis ab. Der Krimi spielt nicht auf dem schönen Land in der Idylle sondern in der Anonymität der Großstadt, wodurch inhaltlich die literarische Aufklärung der Morde schwieriger wird. Dazu findet die Abhandlung in den besseren Kreisen statt, nicht wie üblich in der breiten Masse, oder im „Stadtmilieu“, wodurch er an Attraktivität gewinnt.
Die Inhalte sind leider gelegentlich etwas langatmig, es passiert wenig, die Ermittler treten oft zu lange auf der Stelle, dadurch wird das Lesen etwas langweilig. Obwohl durchaus kreativ, könnten die Inhalte mehr Humor vertragen. Ebenso ist die Befindlichkeit der Ermittler oft zu sehr im Vordergrund und lenkt ab.
Ein wenig mehr Tiefe, Hintergründe zum Beispiel zu den medizinischen Veränderungen im Gesundheitswesen hätten das Werk insgesamt interessanter gemacht.
Ein amüsanter, regionaler Stadtkrimi zu dem man den richtigen Riecher braucht, wenn diesen das Opfer nicht hat, dann zumindest der Dackel des Ermittlers.
m-h-