„E-mail für dich!“ auf österreichisch … und gut!

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In „Gut gegen Nordwind“ lernen sich Emmi und Leo durch eine Verwechslung seiner E-Mail Adresse kennen, und beginnen sich regelmässig zu schreiben. Was zufällig begann, entwickelt sich rasch zu einem intensiven E-Mail Austausch zwischen den beiden. In dessen Verlauf erfährt man nicht nur, dass Emmi beruflich Homepages gestaltet und Schuhgrösse 37 trägt, sondern darüber hinaus verheiratet und Mutter zweier (Stief-)Kinder ist. Leo hingegen ist seit kurzem, seit ihn die spröde Marlene verlassen hat, Single und von Beruf Sprachpsychologe.


 

Was durch eine harmlose Verwechslung begann, entwickelt sich zu einem intensiven E-Mail-Austausch zwischen den beiden, wenn sich der Weissweintrinker Leo und die Rotweintrinkerin Emmi des Nachts vor dem Bildschirm verabreden. Und so verfolgt man als Leser atemlos, wie sich die beiden immer näher kommen, sich schriftlich umkreisen und beschnüffeln, sich ihre Geheimnisse und Sehnsüchte anvertrauen und sich, schliesslich, ohne das jedoch jemals auszusprechen, ineinander verlieben.


 

In einem Interview mit Daniel Glattauer habe ich gelesen, dass er, als er begann, das Buch zu schreiben, überzeugt war, dass sich Leo und Emmi nach spätestens 20 bis 30 Seiten treffen würden. Nur, je weiter er kam, desto mehr zögerte er dieses Treffen hinaus. Nun, und so viel darf wohl gesagt sein, schlussendlich kommt kein Treffen zustande zwischen Emmi und Leo.


 

Aber, Gott sei Dank, hat Glattauer Leo und Emmi nicht einfach so „sterben“ lassen, sondern ein zweites Buch geschrieben. In „Alle sieben Wellen“ kehrt Leo von Boston, seinem selbst gewählten Exil, zurück. Allerdings hat sich einiges geändert, nicht nur, dass sie endlich das förmliche „Sie“ hinter sich lassen und es zu einem Treffen zwischen den beiden kommt. Leo ist nun in einer Beziehung mit Pamela oder „Pam“, wie Emmi sie nennt. Emmi ihrerseits ist immer noch verheiratet. Trotzdem knistert es zwischen den beiden gewaltig.


 

Wer nicht wissen will, wie die ganze Geschichte endet, sollte jetzt wohl einen Absatz weiter unten weiter lesen. Denn, obwohl schliesslich alles so kommt, wie wir Leser es uns wünschen mögen, ist das Ende doch ungemein unerwartet und überraschend. Trotz des drohenden schnulzigen Absturzes ist es wunderschön. Um ehrlich zu sein, hab ich sogar kurz die Luft angehalten und eine kleine Träne verdrückt.


 

Und dies zieht sich durch beide Bücher, Glattauer wandelt in ihnen auf dem schmalen Grad zum Kitsch und an manchen Stellen droht er beinahe abzustürzen. Er tut es jedoch nicht. Zu sehr ist man hingerissen von dieser, wirklich traumhaften, Liebesgeschichte. Und obwohl Glattauer beinahe alle Klischees erfüllt, die man haben mag über eine E-Mail-Freundschaft, stürzt er nie ab, er schafft es trotzdem, die Leichtigkeit der Geschichte zu erhalten, ohne jemals das Bedürfnis sich „fremd zu schämen“ im Leser hervor zu rufen.


 

Es macht sicher einen Reiz der beiden Romane aus, dass man stets nur so viel weiss, wie die beiden, die einander schreiben, bzw. wie viel sie einander schreiben wollen. Der Roman enthält keine weiteren Kommentare, abgesehen von der Angabe der zeitlichen Anstände zwischen den einzelnen E-Mails.


 

Liebhaber origineller, witziger, unterhaltsamer und nicht zuletzt intelligenter Belletristik werden in „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ wunderbare Begleiter für die beginnende Urlaubssaison finden.


 

Und wie sagt es Emmi so schön:
> „Ja ich will!!!!! (…) E-Mails von Leo. Bitte! Ich bin süchtig nach E-Mails von Leo!“\*

Ich will auch E-Mails von Leo. Und von Emmi! Ich bin süchtig nach E-mails von Leo und Emmi.

Birgit\_Wo (http://me-book-bm.blogspot.com)