Ein Buch wie eine Collage

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Als der Teufel aus dem Badezimmer kam von Sophie Divry habe ich in wenigen Stunden gelesen. Durch ihre Wortwahl, ihren Satzbau und ihre Sprachrhytmik fand ich das Lesen des Buches sehr angenehm und in erster Linie sehr unterhaltsam. Divry hat anscheinend einen unerschöpflichen Vorrat an Neologismen, die das Lesen noch unterhaltsamer machen. An einigen Textstellen wurden mir die Ausführungen zu ausschweifend und zu ausführlich, beispielsweise ihre Auflistung, was sie an Männern nicht mag oder Auflistungen von Synonymen.

Jedoch reihen sich diese Ausschweifungen in den collagenartigen Aufbau des Buches ein und passen damit zum Ton des Buches. Divry gelingt es durch Unterbrechungen des Textes und alternativen Erzähltechniken (z.B. Emails, über den Rand schreiben, herumfliegende Buchstaben, verändertes Textlayout) einen aufgelockterten Text zu schreiben, der mich beim Lesen an der Stange gehalten hat (was nicht nötig gewesen wäre). Damit ist dieses Buch jedoch sehr unterhaltsam.

Nebem dem Unterhaltungswert schildet Divry mit Ironie und Witz die Sorgen der arbeitslosen Protagonistin und auch melancholisch die Themen Kindheit, Erwachsenwerden und Familie, wobei meiner Meinung nach nie etwas verharmlost oder lächerlich gemacht wird. Dies liegt auch daran, dass die Protagonistin sich selbst Gedanken darüber macht, dass andere es noch schlechter haben und sie Vorurteile (z.B. gegenüber Arabern) kritisch aufgreift.

Die teils metaphorischen Figuren finde ich sehr gelungen und werden, mit ihrem plötzlichen Auftauchen und ihrem eingeräumten Platz im Buch, Teil der Collage.

Ein richtiges Happy End gibt es nicht, doch das bedarf es nicht.

Meine Empfehlung: Jeder, der sich auf neue Dinge in Büchern einlassen kann und diese spannend findet, sollte dieses Buch probieren.