Alltagsbewältigung

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marypoppins Avatar

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Recht nüchtern erzählt der Autor von den ersten Zeit nach dem Tod seiner Tochter, in der er zusammen mit seiner Frau in deren Haus einzieht, um dem Schwiegersohn und dessen kleinen Kindern, ihren Enkeln, beizustehen. Es geht vor allem um die Bewältigung des Alltags, kleine Dinge müssen geschafft werden, Frühstücksrituale einhalten, die Lieblingswinterjacken kennen, die Stundenpläne der Kinder lernen. Und hinter diesen sehr nüchtern beschriebenen Alltagsverrichtungen lauert ein ungeheurer Schmerz über den Verlust der Tochter, der Verlust der Ehefrau, der Verlust der Mutter. Es ist so, als ob Rosenblatt sich besondere Mühe gibt, unemotional zu schreiben, um den Schmerz zu bannen, um weitermachen zu können, um zu funktionieren. Und doch lauert die Erinnerung gerade auch in kleinen Details und bricht immer wieder hervor. Die sehr klare, faktische Sprache scheint ein Gegensatz zu dem Gefühlstumult zu sein, aber eigentlich entsteht eine ganz interessante Spannung dadurch. Mich würde interessieren, ob sich der Ton des Buches entwickelt, so wie sich auch Trauerarbeit verändert und entwickelt. Der Alltag ist sehr amerikanisch, was es manchmal schwierig macht. sich im Hier und Heute damit zu identifizieren. Aber man kann es ja als Momentaufnahme einer amerikanischen Familie in einem Notzustand begreifen.Es ist schon beeindruckend, dass Großeltern ihr eigenes Leben, ihr Haus und ihre Gewohnheiten verlassen, um dem frisch verwitweten Schwiegersohn beizustehen, ins Gästezimmer ziehen und plötzlich wieder mit Kleinkindern beschäftigt sind, eine Phase, die sie seit mehr als dreißig Jahren hinter sich haben. Es wäre auf jeden Fall interessant weiterzulesen und zu sehen, wie diese Familie es schafft, jeden neuen Morgen aufzustehen und das Leben weiterzuleben...