Die Farbe von Mord ist blau

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bellexr Avatar

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In seinem Internetblog erzählt ein Mann von seinem Leben, mal öffentlich für jeden sichtbar, mal mit eingeschränktem Zugang als Art Tagebuch nur für sich. Und was man dort geboten bekommt ist wahrlich nicht leicht zu verdauen. So kommt er als Vierjähriger das erste Mal bewusst mit dem Tod in Berührung, der Trost seiner Mutter ist ihm sicher, war es doch auch ihrer Sicht nur ein Unfall, doch der Junge weiß es da schon besser. Er ist Mutters Liebling, denn in ihren Augen ist er etwas Besonderes im Gegensatz zu seinen beiden Brüdern und dies zeigt sie ihm auch deutlich. Erschreckend zu lesen ist auch, mit welcher Gleichgültigkeit er später als erwachsener Mann über den Unfalltod seines Bruders Nigel hinweggeht. Wie er der Polizei Gefühle vorgaukelt, nur um keinen Verdacht zu erregen.

Dies erfährt man alles bereits auf den ersten Seiten und in dieser eindringlichen Art sind alle Blogeinträge gehalten. Allein diese Art zu schreiben bzw. eine Geschichte so zu erzählen, finde ich sehr originell, ist einmal etwas ganz anderes, absolut zeitgemäß und vor allem ist es durchaus vorstellbar, dass es einen Blog in der Art tatsächlich in den Weiten des Internets geben könnte.

So lernt man erst einmal ein wenig B.B. kennen, der sich als völlig normal ansieht und auch von seiner Umwelt als solcher angesehen wird. Schließlich geht er einer geregelten Arbeit nach und trägt dort sogar Anzug und Krawatte. Man merkt jedoch schnell, dass in B.B. eine unterschwellige Wut brodelt, weiß jedoch anfangs nicht warum. Erst so nach und nach erfährt man mit Hilfe der Blogeinträge seine Kindheit kennen, die mit der Zeit auch die Blogeinträge verständlicher machen.

Bei B.B. handelt es sich um einen 42-jährigen Mann aus dem Ort Malbry in England. Ich war etwas erstaunt, als ich das Alter von B.B. las, da ich bei dem Schreibstil und der Erwähnung, dass er noch zu Hause bei seiner Mutter wohnt, an einen weitaus jüngeren Mann gedacht habe. So kann man sich täuschen. Und darauf baut das ganze Buch auf. Wie oft war ich verwirrt, wusste nicht genau, über wen B.B. oder Blauauge, wie er sich im Internet nennt und später auch Albertine berichten. Kaum hat man sich eine Meinung über ihre Identität gebildet, wird man eines besseren belehrt. Man weiß die ganze Zeit nicht, auf was die Geschichte im Endeffekt hinauslaufen wird. Wurden die erwähnten Morde wirklich begangen oder ist dies alles nur Fiktion und der Fantasie des Bloggers entsprungen? Mit diesen und noch mehr Fragen beschäftigt man sich eigentlich während des ganzen Buches.

Der Schreibstil von Joanne Harris ist flüssig und von Anfang extrem fesselnd, sodass ich praktisch von der ersten Seite an gebannt gelesen habe, obwohl eigentlich anfangs gar nicht so viel passiert. Das Buch bezieht seinen Reiz durch eine eher unterschwellige Spannung und den oft so wunderbar poetischen Schreibstil der Autorin und vor allem durch die oben erwähnte Ungewissheit, wohin die Geschichte einen führen wird.

So gestaltet sich die das Buch von Anfang an sehr originell und auch mysteriös. Man weiß nicht genau, woran man ist, um wen es sich bei B.B. handelt und vor allem, welche Geschichte er auf seinem Blog erzählen wird. Joanne Harris ist hier ein sehr ungewöhnlicher Thriller gelungen, den ich allerdings nicht unbedingt als diesen bezeichnen würde und Leser, die reichlich Action und blutrünstige Szenen erwarten, werden von dem Buch eher enttäuscht sein.