Wie der Hund versucht den Menschen zu verstehen

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wüstenmagier Avatar

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Ich vergebe nur ungern fünf Sterne; gerade für eine Leseprobe. Doch hier erscheint es mir mehr als angebracht! Es ist verdammt schwer aus der Sicht eines Tieres zu schreiben und das Tier nicht zu vermenschlichen: in diesem Fall einen Hund. Doch auf einfache und kongeniale Weise gelingt es Henn eine gewisse Distanz zu wahren. Mit typischen Hundeverhaltensweisen, hohe Wertstellung von Gerüchen und leicht anderem Denkverhalten. Was wir für selbstverständlich halten, kann für einen Hund das größte Unverständnis sein - warum soll ein Hund auch verstehen, was an einem Tuch so besonders sein soll? Für den Hund sind hier mehr die Reaktionen der Menschen ausschlaggebend; und so handelt Giacomo auch. Er bekommt es mit der Angst zu tun, als um ihn herum Hektik und Panik ausbricht und flüchtet mit seiner Beute.

Henn ist es nicht völlig gelungen, den Hund hundisch zu machen, eine Spur Menschlichkeit haftet Niccolò, Giacomo und Amadeus noch immer an, doch das ist wohl kaum zu vermeiden. Und auch nicht weiter tragisch. Zu vollkommen gelingt es Henn den Leser in die Sicht eines Hundes zu pressen - den Leser riechen, sehen, schmecken und empfinden lassen, was Giacomo riecht, sieht, schmeckt und empfindet.

Nebenbei wird noch, getragen durch eben jene hundische Perspektive und der sich daraus ergebenen Eigenschaften, eine gehörige Portion Spannung erzeugt, die weniger vermittelt wird durch die Sprache des Autors, sondern durch die Perspektive. Die Perspektive ist es, die hier klar im Mittelpunkt steht - und auf die sich Henns Schreibstil angepasst hat. Gelungen, kann ich da nur sagen.

Ein Krimi aus der Sicht eines Tieres kann verdammt schnell ein Flopp werden, doch hier sieht es eher nach einem grandiosen Topp aus! Was aus der gewöhnlichen Sicht eines Menschen schnell ein fader Krimi werden kann, bekommt durch die Sicht eines Tieres eine ganz andere Bedeutung. Besonders, wenn der Roman gut gemacht ist. Ich mag hier nicht sagen, dass allein die Sicht Giacomos einer faden Geschichte den nötigen Pepp gibt, alles andere als das, denn dafür reicht die Leseprobe nicht aus. Zu wenig konnte sich die Geschichte entfalten. Lediglich die Ausgangssituation wurde bestens umrissen. Doch wenn der Roman sich wie diese Leseprobe liest, einige nette Ideen und Wendungen der Geschichte jedwede Langeweile absprechen, kann "Blut und Barolo" nur ein Erfolg werden.