rabenschwarz und aussichtslos

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markom Avatar

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 Amerika in der nicht so weit entfernten Zukunft: alle Menschen sind Schweine, es herrscht Terror im Land, die Regimeregierung lässt ihre eigenen Bürger verschwinden, bzw. umbringen, es gibt keine Hoffnung. Eine düstere Vision, aber haben wir nicht genug Beispiele, dass falsche Menschen, die an Macht gelangen, nur Unheil bringen? Kennen wir nicht von irgendwoher den Satz „Ich befolge nur meine Befehle“? Eben diesen Satz sagen in dem Buch viele: Elitesoldaten die im Teheran vermeintliche Feinde bei den Verhören foltern, die blinden Mitläufer des Regimes in den USA, die wachen Bürger, die die Gefahr nicht rechtzeitig erkennen. Das Buch ist Fiktion, beschreibt aber Sachen, die immer noch in vielen Ländern passieren.

Alles fängt damit an, dass der Privatermittler Felix Strange eine per E-Mail verschickte Vermisstenanzeige liest. Die betrifft seinen früheren Kameraden aus der Zeit als die beiden im Nahen Osten gedient hatten. Strange fragt bei seinem Freund von der FBI nach und erfährt, dass der gesuchte laut offiziellen Unterlagen nie existiert hat. All seine Spuren sind beseitigt worden. Es stellt sich heraus, dass viele Leute auf mysteriöse Weise verschwinden. Und der Feind ist die eigene Regierung. Sie hat Listen erstellt – mit den Namen aller Menschen, die beseitigt werden müssen, weil sie unbequem geworden sind. Strange führt einen aussichtslosen Kampf.

Auch wenn die Handlung realitätsfern bleibt, ist die Beschreibung der einzelnen Menschen, Gruppen, politischen Bewegungen sehr real und erschreckend. Die Protagonisten sind aus Fleisch und Blut und in Ihrem Denken und Handeln überzeugend – auch die Hauptfigur.

 Der Schreibstil gefällt mir gut, auch die Idee, Verhörprotokolle und Dokumente in den Text miteinzubeziehen. Das Cover passt ausgezeichnet zum Buch.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Es ist eine gute Männerunterhaltung, ohne Schnörkel. Allerdings kann ich es als „Einzelstück“ nicht empfehlen. Es ist eindeutig eine Fortsetzung und zweiter Teil der Serie (das Ende des Buches schließt Teil 3 nicht aus). Es gibt ständig Anspielungen auf Vergangenheit, die nicht weiter erklärt werden, es werden jede Menge Menschen erwähnt, die aus der Vergangenheit auftauchen, ohne jegliche Erklärung zu ihren früheren Werdegängen. So z. B. Iris – eine Figur, die scheinbar zu dem Leben Stranges gehört, wie seine alltägliche Kleidung, von der wir aber trotzdem praktisch nichts erfahren, oder die gefürchteten „Ältesten“. Das Buch lässt sich auch so lesen und begreifen, aber angenehmer wäre es zu wissen, was vorher passierte und wer welche Rolle im Ganzen spielt.