Strange – Eine beklemmend beeindruckende Dystopie

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mondkristall Avatar

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Dieses Buch ist etwas Besonderes. Es ist eine beklemmende und gleichzeitig faszinierende Dystopie! Für mich eine der bemerkenswertesten Geschichten, die bisher durch Vorablesen den Weg zu mir gefunden haben.

 

Wieso es dann trotzdem so lange gedauert hat, bis ich die Rezension zu diesem Buch schreibe?

Zum Einen war mir gleich als ich „Böses mit Bösem“ in den Händen hielt klar, ich will, nein muss zuvor den ersten Band „Den ersten Stein“ lesen. Und das sollte man auch tun, denn ohne das entsprechende Vorwissen wird es schwierig, das zweite Buch zu verstehen.

Zum Anderen enthält die hier erzählte Geschichte viel mehr als nur Wörter und Sätze die sich zu einer dystopischen Mischung aus Roman, Thriller und erschreckender Vision zusammenfügen.

Und selbst jetzt mit einigem Abstand fällt es mir nicht leicht, die eigentliche Essenz aufs Papier bzw. den Bildschirm zu bringen. Deshalb sei es mit bitte verziehen, wenn ich hier auch das erste Buch „Den ersten Stein“ mit einbeziehe.

 

Die „alternative Welt“ in der Elliot Hall seine Geschichte ansiedelt, ist ein Nachkriegsszenario. Wir befinden uns in den USA, die nach der Zerstörung Houstons durch eine Atombombe nur noch den Anschein einer Demokratie wahren. In Wirklichkeit aber wird das Land von einer religiösen Gruppierung geführt, der Erweckungsbewebung. Diese sogenannten Ältesten haben die Macht übernommen und das Land in einen „Kreuzzug der Liebe“ gegen verschiedene Länder des nahen Ostens geführt, die beschuldigt werden, für die Auslöschung Houstons verantwortlich zu sein.

Ein düsteres aber auch interessantes Szenario, das um so erschreckender wird, je mehr man sich darüber im Klaren wird, dass es nicht vollständig aus der Luft gegriffen ist.

 

Felix Strange, einer von unzähligen Veteranen, versucht nun in New York als Privatdetektiv über die Runden zu kommen. Dies gestaltet sich in seinem speziellen Fall als besonders kompliziert. Nicht nur dass ihn die Erlebnisse und Taten aus seiner Soldatenzeit in Teheran verfolgen, das Leben von Strange wird zudem von einer mysteriösen „Kriegsverletzung“ bestimmt, die nur mit einem teuren Medikamentencocktail in Schach gehalten werden kann. Zudem versucht er in einer vom Glauben geprägten Umgebung allen religionsbezogenen Bekundungen aus dem Weg zu gehen. 

 

Den ersten Stein - Der Kreuzzug kehrt zurück

 

Im ersten Buch wird der Privatermittler Felix Strange von den Ältesten beauftragt den Tod des bekannten Predigers Bruder Isaiah aufzuklären, der offensichtlich ermordet wurde. Mit Hilfe einer schönen Frau namens Iris, die ihm bei seinen Ermittlungen immer wieder über den Weg läuft, und seines alten Freundes aus Armeezeiten Benny, nun beim FBI, macht er sich an die Aufklärung.

 

 

Böses mit Bösem - Das Böse kommt von Nebenan

 

Die Fortsetzung beginnt damit, dass Felix Strange, der inzwischen unter dem Schutz des FBI steht und von der Behörde mit den lebensnotwendigen Medikamenten versorgt wird, von dem Verschwinden seines ehemaligen Kriegskameraden Isaac Taylor erfährt. Dieser hatte ihm einst in Teheran das Leben gerettet. Doch nun ist er nicht nur physisch verschwunden. Es lässt sich in keiner Datenbank ein Hinweis über seine Existenz oder seinen Verbleib finden.

Auch Iris ist wieder mit von der Partie und die Beiden sind einer großen Sache auf die Spur, denn Taylor ist nicht der Einzige, dessen Leben vollständig ausradiert wurde...

Neben dieser Hauptstory erfährt man in Rückblenden mehr über die Zeit im Iran. Der Zeit mit Benny und Isaak Taylor, später dann bei der Spezialeinheit 17, der Strange beigetreten ist. Und deren Auswirkung auf die Gegenwart.

Das Ende (obwohl an sich nicht offen) schreit nach einer Fortsetzung, die ich sicherlich auch lesen werde. Im englischsprachigen Original ist der dritte Teil der Trilogie bereits erschienen.

 

Der Schreibstil von Elliot Hall ist sachlich, ja regelrecht nüchtern, was es für den Leser nicht so einfach macht, Gefühle für die Personen zu entwickeln. Allerdings spiegeln sich so auch im Text die äußeren Gegebenheit dieser alternativen Welt wieder. Es entsteht eine ganz eigene Atmosphäre. Und der Lesbarkeit wird damit kein Abbruch getan. Allerdings ist ein Mitdenken von Seiten des Lesers aufgrund der Komplexität der Geschichte schon gefragt.

Auflockernd wirkt bei aller Nüchternheit und Düsterheit ein zwischendurch immer wider aufblitzender sarkastischer Humor des Anti-Helden Felix Strange (genialer Name!), der als klassischer „hard-boiled detective“ auftritt.

 

 

 

Fazit:

Dieses Buch ist ein dystopischer Polit-Thriller mit viel düsterer Atmosphäre und einem eigenen aber überzeugenden sarkastischen Humor. Elliot Hall entwirft eine komplexe Handlung auf die man sich einlassen muss, aber wenn man das tut, öffnen sich unterschiedlichste Ein- und Ausblicke. Für Freunde von Verschwörungstheorien und intelligenten politischen Thrillern: Top!