Unterhält zwar gut, hat mich jedoch nicht "umgehauen"

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Mein Leseeindruck zur Leseprobe vom 18. Feb '17:

Bisher macht "Bound - Tödliche Erinnerung" einen sehr guten Eindruck. Mit dem Epilog werden wir Leser direkt in die Krimi-Handlung hineingeworfen. Dann folgt ein Zeitsprung zum 1. Kapitel und auf einmal ist da zum einen eine junge Frau, die an Amnesie leidet, und zum anderen ein Ex-Seal, der inzwischen Boss einer Firma ist, die sich mit der Suche nach vermissten Personen beschäftigt. Als sich ihre Wege kreuzen, knistert es. Doch es ist nicht die richtige Zeit und auch nicht der richtige Ort für Leidenschaft. Es geht darum, eine Identität aufzudecken und vielleicht sogar einem berüchtigten Serienmörder, dem Ladykiller, das Handwerk zu legen.

Wie komme ich nun also dazu, dieser Leseprobe 5 Sterne zu geben? Es ist die Atmosphäre des Romans. Sowohl im Prolog, als auch in den darauffolgenden Kapiteln, die abwechselnd aus der Sicht von Eve und Gabe geschrieben sind, springt der Funke über. Diese Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Ich will an der Seite von den beiden herausfinden, was geschehen ist. Ich will wissen, wer der Mörder ist und wie er auf Eve (Jessica?) aufmerksam wurde. Ich will erfahren, was die Verbindung zwischen ihnen war, wie er den Kontakt zu seinem Opfer aufgebaut hat. Und ich will lesen, wie Gabe und Eve während ihrer Nachforschungen zueinander finden.

Die Spannung, das Knistern, der Nervenkitzel und auch das Gemeinschaftsgefühl unter den LOST-Mitarbeitern - all das wird schon in der Leseprobe deutlich. Ich mag die Charaktere, sie sind bisher sehr sympathisch, interessant und authentisch gestaltet. Das lässt mich auf einen atemberaubenden Vertreter der Genres Romantic Suspense hoffen. Ob der Roman dann schließlich halten kann, was die Leseprobe verspricht, bleibt abzuwarten.


Meine Gesamt-Einschätzung:

"Hol dir jetzt den packenden Romantic Suspense Liebesroman der New York Times Bestseller Autorin Cynthia Eden und tauche ein in eine Geschichte zwischen erotischer Spannung und atembraubendem Thrill!" - So wirbt der Klappentext für diesen Serienauftakt von Cynthia Eden. Um das gleich vorweg zu nehmen: Es ist weder ein atemberaubender Thriller, noch eine romantische Liebesgeschichte und richtig prickeln will die Erotik auch nicht. Woran das liegt? Ganz klar: Hier wollte die Autorin einfach zu viele Schwerpunkte in einen relativ kurzen Roman packen. Am Ende konnte sich dann leider keines der angesprochenen Genres zu 100 % durchsetzen und die Symbiose unterhält zwar gut, hat mich jedoch nicht "umgehauen".

Was steckt nun also alles in der Geschichte? Da ist zum einen Eve, die an Amnesie leidet. Sollte sich herausstellen, dass sie tatsächlich Jessica Montgomery ist, wird bald der Serienmörder auf den Plan treten, den alle nur als "Ladykiller" kennen. Also haben wir schon zwei große Handlungsstränge, die viel Raum innerhalb der Geschichte einnehmen. Nun wird es verzwickt, als Eve im Büro von LOST (Last Option Search Team) auf Gabe trifft. Kommt jetzt die Romantik ins Spiel? Nein. Es besteht zwar eine Anziehungskraft zwischen den beiden, aber anstatt dieses "Funken" auszubauen, folgen Diskussionen nach dem Motto: Ich begehre dich mehr als mein Leben, ich würde für dich töten, aber das dürfen wir nicht, du bist meine Klientin und außerdem bin ich ein besitzergreifender Bastard, wenn ich dich erst anfasse, gibt es kein Zurück mehr! All das trifft bei Eve auf taube Ohren und sie wirft sich ihm trotzdem an den Hals.

Die Liebesgeschichte wirkt insgesamt hohl. Nach der Leseprobe hatte ich mehr erwartet. Der Thriller-Part ist ganz in Ordnung und hat mich bis zum Ende bei Laune gehalten, obwohl die Identität des Killers mich keineswegs überrascht hat - im Gegenteil. Dabei hat sich die Autorin so viel Mühe gegeben, falsche Fährten zu legen und sich Perspektivwechsel zunutze gemacht, um ihre Leser immer wieder mit kleinen Informations-Brocken zu füttern. Aber auch, wenn ich den Täter kannte, fehlte mir bis zum Ende das Gesamtbild. Es gab immer wieder kleine Ungereimtheiten, die ich unbedingt aufdecken wollte. Man könnte also sagen, es war für mich eher ein Krimi als ein Thriller. Auch als Liebesgeschichte habe ich es nicht wirklich gesehen, denn Eves Identitätsverlust und die damit einhergehende Sinnkrise hat für mein Empfinden die Handlung dominiert - und Gabes Beschützerinstinkt. Interessant war die Geschichte trotzdem.

Erschwerend kommt nun hinzu, dass es der erste Teil einer neuen Serie ist. Verständlich also, dass die Autorin das gesamte Kern-Team von LOST vorstellen wollte. Wir lernen also Wade, Dean, Victoria und Sarah kennen und bekommen einen Einblick in die Vergangenheit von jedem/jeder Einzelnen. Versteht mich nicht falsch, all diese Informationen sind interessant und die Charaktere allesamt faszinierend. Ich freue mich auch schon darauf, in den Folgebänden mehr über die vier zu erfahren. Was mich stört, ist die immense Menge der Themen, die uns Leser fast überflutet.

Ich mag jedoch den Schreibstil und das Zusammensetzen des Puzzles hat mir großen Spaß gemacht. Obwohl mir Gabes Teamkollegen sogar sympathischer waren als er selbst und Eve. Ich würde zu gerne hinter ihre Fassaden blicken. Das zumindest hat dieser Roman geschafft - ich bin nachhaltig interessiert an der Reihe. Dieser Zusammenschluss von "gebrannten Kindern" hat auf jeden Fall Potenzial und wenn der zweite Teil ein bisschen fokussierter ist, wäre ich vollends zufrieden.

Fazit:

Leider konnte der Roman in der Gesamtwertung die 5 Punkte nicht halten. Die Autorin wollte zu viel Inhalt in zu wenigen Seiten behandeln. Darunter leidet die emotionale Tiefe und auch der erhoffte Nervenkitzel fällt schwächer aus als erwartet. Stattdessen präsentierte Cynthia Eden uns ein Verwirrspiel mit unglaublich vielen Puzzleteilen, die am Ende nach einer spannenden Jagd ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Ich wurde gut unterhalten und bin nun neugierig, wie es bei LOST weitergeht.