Mord in der Cité des peintres Pont Aven

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Jeder Kunstliebhaber, der schon einmal die Südküste der Bretagne bereist hat, kennt die malerischen Orte Concarneau und das für seine Künstlerkolonie des ausgehenden 19. Jahrhunderts bekannte Pont Aven. Hier lebten und arbeiteten große Maler wie Gauguin und hinterließen bis heute sichtbare Spuren.

Mit großer Intensität und realistisch vermittelt der unter einem Pseudonym schreibende Jean-Luc Bannalec, ein Deutsch-Bretone, die poetische Atmosphäre dieser Region in seinem ersten Kriminalroman „Bretonische Verhältnisse“. Er macht den Leser mit der Landschaft und den verwinkelten Stadtbildern ebenso lebendig vertraut wie mit bretonischen Gewohnheiten und Eigenheiten wie Starrköpfigkeit, Wortkargheit und Bauernschläue.  Ich kenne die Bretagne, daher folge ich ihm gerne durch die beschriebenen verwinkelten Straßen und Gässchen bis hin zu seinem Lieblingsplatz, einer roten Bank in einem verborgenen Winkel am Aven, wo er allein und in Ruhe über den Fall nachzudenken pflegt.

Hier also muss Monsieur le Commissaire Dupin, ein vor zwei Jahren aus Paris strafversetzter Kommissar, ein sympathischer, wenn auch eigensinniger Vertreter seines Standes, in Vertretung seines Kollegen, der gerade Urlaub macht, zwei Morde aufklären. Seine Vorgesetzten und Kollegen haben es nicht immer leicht mit seiner Vorgehensweise im Alleingang, aber sie schätzen ihn. Und wenn er nicht genug Kaffee getrunken hat, kann er bärbeißig und ruppig mit seiner Umgebung umgehen.

Was ist geschehen? Der 91 jährige Hotelbesitzer des Hotel Central in Pont Aven , Pierre-Louis Pennec, ein Kunstliebhaber und strenger Wahrer der Tradition, wurde mit vier Messerstichen ermordet in seinem Restaurant aufgefunden. Wer kann Interesse an dem Tod dieses alten Mannes haben?

 Nun muss man wissen, dass es sich bei dem Hotel Central um den oben genannten berühmten Künstlertreffpunkt des ausgehenden 19. Jahrhunderts handelt und dass der Verstorbene und dessen Mutter große Förderer der Künstler und deren Kunst gewesen waren. Die Wände des Restaurants schmücken daher zahlreiche Kopien berühmter Gemälde.

Dupin und seine fleißigen Kollegen Kadeg und Riwal kommen bei ihren Ermittlungen kaum voran, da die zahlreichen Verdächtigen eisern schweigen. Hilfreich sind ihnen einzig der Arzt des Ermordeten und die Notarin, die dessen Testament aufgesetzt hat.

Als in der zweiten Nacht nach dem Mord an Pierre-Louis Pennec in das Restaurant eingebrochen wird, ohne dass etwas gestohlen wird oder man irgendwelche Spuren entdecken kann, wird Dupin auf eine merkwürdige Gauguin-Kopie an der Wand aufmerksam. Zugleich wird ihm der Tod des ungeliebten Sohnes des alten Pennec gemeldet. Man hat ihn unterhalb der Klippen im Meer tot aufgefunden. War es Mord, Selbstmord oder ein Unfall?

Mit Hilfe einer Kunstexpertin aus Brest, deren Rat Dupin immer wieder einholt, mit seinem kriminalistischen Spürsinn, gewissermaßen einem speziellen Bauchgefühl, seinem starrköpfigen Eigensinn und der fleißigen Recherchen seiner beiden Mitarbeiter,  gelingt es ihm, diesen undurchsichtigen Fall innerhalb von 4 Tagen zu lösen.

Der Roman ist spannend und liest sich wunderbar flüssig. Die Sprache ist stellenweise etwas gewöhnungsbedürftig. Begriffe wie Stupendes, pittoresk oder ridikül finden sich zwar im Duden, wirken aber doch etwas fremd.

Mir hat dieser Roman sehr gefallen. Er eignet sich bestens als Urlaubslektüre. Leser, die die Bretagne lieben und sich ein wenig dort auskennen, wird er nicht allein durch den vielsagenden Titel und sein gelungenes Cover in seinen Bann ziehen. Die Karte im Innenteil des Umschlags lädt geradezu ein zu einer Fahrt ins Finistère.