Wahnsinn!

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ruggerista Avatar

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Ich konnte nie verstehen, wenn jemand gesagt hat „Dieses Buch hat mich emotional zerstört“. Nicht auf dieses Buch bezogen sondern allgemein.
Jetzt, nachdem ich „Bunker Diary“ gelesen habe, kann ich es verstehen. Selten hat ein Buch bei mir solch ein beklemmendes Gefühl ausgelöst. Auch jetzt, einen Tag nachdem ich es beender habe, fühle ich mich immer noch "gefangen im Bunker".

Der Roman ist aus der Sicht des Teenagers Linus geschrieben. Es handelt sich um Tagebucheinträge, die sich über ca. 2 Monate ziehen.
Es startet mit der Erinnerung daran, wie er entführt wurde. Mit Chloroform betäubt und entführt, wacht er in einem Bunker auf. In diesem Bunker gibt es 6 Zimmer, eine Küche und ein Bad. Der einzige Weg nach draußen führt durch einen Aufzug. Allerdings hat der Entführer die Kontrolle über diesen Aufzug und somit ist Linus gefangen. Nachdem er zuerst ein paar Tage alleine in dem Bunker gefangen ist, sperrt der Entführer nach und nach immer weitere Opfer ein. Schließlich befinden sich sechs sehr unterschiedliche Charaktere in gemeinsamer Gefangenschaft. Der einzige Weg mit dem Entführer zu kommunizieren, besteht durch Botschaften, die sie mit dem Aufzug zu ihm transportieren können. Auf Zetteln können sie eine „Einkaufsliste“ an ihn schicken und am nächsten Tag erhalten sie (einige) der gewünschten Dinge. Man kann also zunächst sagen, dass es den Gefangenen, den Umständen entsprechend, ganz gut geht.
Natürlich wird auch an Flucht gedacht, doch die Versuche scheitern und der Entführer bestraft dann. Der Entführer bleibt im Übrigen „gesichtslos“. Wir werden genauso im Ungewissen gelassen, wie die Gefangenen. Wir wissen nicht wer er ist, was er denkt, was er fühlt, wieso er entführt hat, was er vor hat,… Wir wissen nichts. Ich bekam beim Lesen das beklemmende Gefühl, mit Linus und den anderen im Bunker gefangen zu sein. Ich wurde mitgerissen von der Verzweiflung, der Hoffnung, der Wut, der Angst,…
Obwohl nicht viel im Bunker passiert, wurde es nicht langweilig. Ich wollte wissen wie es weiter geht, ohne das Gefühl zu haben es MUSS nun etwas großes passieren.
Gegen Ende wird es immer trostloser. Und als dann das Ende kam…Es ist schwer zu schreiben ohne zu spoilern. Viele hassen das Ende. Auch ich denke einerseits „Dein ernst?!“. Aber auf der anderen Seite ist dieses Ende einfach so passend! Auch wenn ich mich nun irgendwie leer fühle und Fragen habe, die nie beantwortet werden, denke ich, dass dieses Ende genau richtig war.

Dieses Buch hat mich emotional zerstört. Und es war wahnsinnig gut. Anders. Nicht das, was ich erwartet habe. Aber wahnsinnig gut.