Darling Jim – ein Schauerroman in bester Tradition

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Das neuste Buch von Christian Moerk trägt den Namen einer der Hauptfiguren, von Jim Quick, auch „Darling Jim“ genannt. Jim Quick ist seanchaí, ein traditioneller Geschichtenerzähler, der von Ort zu Ort zieht und Gruselgeschichten erzählt.

Der wahre seanchaí ist jedoch Christian Moerk. Bei ihm hat jede Figur eine eigene Stimme, einen individuellen Erzählstil und seine Beschreibungen sind so bildhaft, dass man glaubt, dabei zu sein. Gleichzeitig schafft er eine gruselige Atmosphäre, die den Leser atemlos die Seiten verschlingen lässt. Die Geschichte um Opfer und Täter steht im Vordergrund, statt detailliert geschilderter Ritualmorde und den Problemen depressiver und alkohohlabhängiger Polizisten.

 

In einem kleinen Dorf in Irland wird ein grauenvolles Verbrechen entdeckt. Drei übel zugerichtete Leichen von Frauen und keine Hinweise auf den Täter und dessen Motiv. Schnell fällt der Verdacht auf die zurückgezogen lebende und erst kürzlich zugezogene Moira Walsh, die tot in ihrem Flur lag. Sie lebte anscheinend nicht allein zurückgezogen in ihrem Haus, sondern ihre beiden Nichten Fiona und Roísín starben dort versteckt einen langsamen, qualvollen Tod. Wem gehörte das Bett im Keller und wo ist diese Person? Wer war Täter und wer Opfer? Und wer ist der mysteriöse Darling Jim?  

 

Das leicht düstere Titelbild eines grasüberwachsenen alten Friedhofs passt perfekt zur Stimmung der Geschichte.

 

„Darling Jim“ steht für mich in der Tradition der großen englischen Gothic Novels, die auf deutsch etwas altertümlich „Schauerromane“ heißen. Sowohl stilistisch als auch inhaltlich erinnert es – im besten Sinne – an Werke wie „Dracula“ und „Frankenstein“. Auch „Darling Jim“ bietet alles, was zu einem solchen Roman dazugehört. Ein düstere Atmosphäre, einen gefährlich charmanten Bösewicht, verschworene Dorfgemeinschaften, eine Rahmenhandlung mit einem weitgehend unbeteiligten Erzähler und – passend zu Irland – alte Traditionen und Gemäuer.

 

Christian Moerk erzählt die Geschichte um die Frauen der Familie Walsh und Jim auf eine so fesselnde Art und Weise, dass man das Buch erst dann aus der Hand legen möchte, wenn die letzte Seite gelesen ist. Sprachlich hat mir „Darling Jim“ sehr gut gefallen, es hebt sich deutlich von vielen anderen Thrillern mit dem üblichen Einheitsvokabular ab. Mich würde nur noch interessieren, ob es vom Dänischen ins Englische übersetzt wurde und die deutsche Ausgabe somit tatsächlich eine Übersetzung einer Übersetzung ist.

 

Uneingeschränkt empfehlenswert für alle, die gerne fesselnde, atmosphärische Romane lesen.