Ein wirklich "starker" Krimi

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sabine008 Avatar

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Schon von "Fragn Sie den Papagei" war ich damals begeistert, also habe ich mich ziemlich über das Erscheinen eines neuen Parker-Buches gefreut. Anhand des Einbandes oder der Beschreibung auf dem Buchrücken hätte ich mich wahrscheinlich nie dazu entschieden, eines der Bücher von Richard Stark zu kaufen - einen "glücklichen Zufall" kann man es wohl nennen, dass ich mich doch für den Papagei entschieden habe.
Das neue Parker-Buch hat meine Begeisterung für die Reihe nur noch mehr geschührt und es wird sicherlich nicht das letzte Buch von Stark sein, das ich gelesen habe.
Diesmal hat sein Antiheld Parker imm wahrsten Sinne des Wortes Geldsorgen: Nach einem erfolgreichen Überfall auf einen Banktransporter haben er und seine Komplizen es geschafft, das Geld in einer Kirche zu verstecken, kommen nun aber nicht daran. Die Stadt wird einfach zu gut von der Polizei bewacht und noch immer gibt es Straßensperren, an denen man die Beute nicht vorbeibekommen könnte.
Aber soll man das Geld einfach dort lassen und riskieren, dass es zufällig entdeckt wird?
Parker begibt sich also zusammen mit Freundin Claire selbst an den Ort des Geschehens und schon bald hat sein Kollege einen Plan, wie man das Geld unauffällig wegschaffen kann. Es ist nur Pech, dass auch andere Leute auf das Geld aufmerksam geworden sind und ebenfalls ihren Anteil wollen und dass die Scheine zufällig nummeriert sind...

Wie soll ein guter Krimi eigentlich auf knapp 200 Seiten passen? Normalerweise gehen in den meisten Büchern ja erstmal einige Kapitel für Charakterbeschreibungen, Nebenhandlungen usw. drauf, bei denen es gut möglich ist, dass man das Buch irgendwann gelangweilt zur Seite legt. Richard Stark kommt dagegen direkt zur Sache - es gibt in seinem Buch keine Nebenhandlungen und auch seine Charaktere werden nur kurz und knapp beschrieben. Vor allem über Parker erfährt man nur wenig - aber stört das? Nein, überhaupt nicht. Parker ist ein aalglatter und undurchschaubarer Krimineller und gerade das macht seinen Charakter so überzeugend. Auch bei den anderen hatte ich nicht das Gefühl, sie würden platt beschrieben werden - gerade Starks Schnörkellosigkeit gefällt mir sehr.
Die Handlung seines Buches ist stets spannend und wird nicht durch unwichtige oder uninteressante Handlungsstränge abgebremst. So hält sich die Spannung bis zum Schluss - und dabei hat Parker es nicht einmal nötig, unrealistische Actionszenen in die Handlung einzubauen. Auch was Action angeht, ist Stark nämlich schnörkellos und setzt ganz auf Realismus.

Wer Krmis mit mit einer klaren und spannenden Handlung mag, kann mit diesem Buch nichts falsch machen, sogar, wenn man die anderen Bücher der Reihe nicht kennt. Leuten, die eher Krimis voller Nebenhandlungen und mit einem Ermittler, der selbst von persönlichen Problemen geplagt wird, mögen, möchte ich aber lieber empfehlen, sich daran zu halten. Richard Stark ist auf jeden Fall einen Blick wert, wenn man ihn noch nicht kennt, aber er hebt sich wirklich stark von anderen Schriftstellern des Genres ab - positiv, wenn man mich fragt.