Wortgewaltig, aber zäh

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dianab Avatar

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Im Umschlagtext des Buches "Das gläserne Meer" von Josh Weil werden viele Versprechungen gemacht. Dementsprechend startete ich meine Lektüre mit hohen Erwartungen. Die Geschichte ist eine Dystopie, die in Russland spielt, aber von einem Amerikaner geschrieben wurde. Das wunderte mich ein wenig, wie kann ein Amerikaner im Stil der russischen Märchen schreiben? Ich muss zugeben, dieser Aspekt ist Josh Weil gut gelungen, er greift die bildhafte Sprache der Märchen sehr gut auf, um die Geschichte von Jarik und Dima, den beiden Zwillingsbrüdern, zu erzählen.

Die beiden wachsen gemeinsam auf, beginnen im gläsernen Meer zur arbeiten, aber dann nimmt ihr Leben einen sehr unterschiedlichen Verlauf. An vielen Stellen des Buches gelang es Josh Weil mich an diese Geschichte zu fesseln, an anderen Punkten war ich wiederum unendlich gelangweilt. Ich hatte das Gefühl Spannung und Langeweile folgten wellenförmig aufeinander. Oftmals mischt Weil Ereignisse aus der Vergangenheit der beiden mit der Gegenwart, so dass mir die Übergänge zwischen den Zeiten nicht vollständig bewusst wurden.

Alles in allem hat das Buch meine hohen Erwartungen nicht vollständig erfüllt. Einerseits gefällt mir die bildhafte Sprache und die tiefgehende Beschreibung der "Welt" in dieser Geschichte sehr gut. Andererseit zieht sich die Handlung an vielen Stellen wie Kaugummi dahin, ohne dass sich mir erschlossen hat, wozu dieser Strang nun eigentlich führen soll. Somit legte ich das Buch oft entnervt weg, weil es mich langweilte. Um dem Buch gerecht zu werden, vergebe ich deshalb drei Sterne.