Mehr als nur ein Liebesroman - Diamantenfieber in Südafrika !

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zuckerfee Avatar

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Die 19-jährige Frances Irvine stehen nach dem Tod ihres Vaters in London nur zwei Möglichkeitenn offen: entweder sie zieht zu ihrer ungeliebten Tante und verdient ihren Lebensunterhalt dort als Hausmädchen oder sie heiratet den ebenfalls unsympathischen, langweiligen Cousin Edward, der in Südafrika lebt. Sie entscheidet sich für Südafrika in der Hoffnung auf einen Neuanfang. Auf der langen Überfahrt nach Afrika lernt sie an Bord des Schiffes den attraktiven und äußerst sympathischen William Westbrook kennen – mit diesem Mann könnte sie sich ein Leben vorstellen! Sie ist sicher, dass ihm eine große Zukunft bevorsteht, ganz im Gegensatz zu ihrem Mann, der sich als Arzt für das Wohlergehen der einheimischen Diamantenarbeiter in den Diamantenfeldern einsetzt und den Minenbesitzer Baier gegen sich aufhetzt. Die Zustände in den Minen sind desaströs: die Arbeiter werden ausgebeutet und ausgenutzt - die Pockenseuche zieht ihre Kreise, doch niemanden scheint es zu interessieren – das Diamantenfieber lässt dafür keinen Raum.

An der Seite ihres arbeitswütigen und idealistischen Ehemannes träumt sie von einem besseren Leben an der Seite ihres Traummannes – der sich einen Namen als Diamantenhändler und Lebemann macht…

Meine Meinung:
Der Klappentext dieses Buches wird dem Inhalt in keinster Weise gerecht: entgegen der Annahme, hier eine reine, ergreifende Liebgeschichte vor sich zu haben, die den Leser nach Südafrika führt, merkt der Leser bald, dass es hier um weit mehr geht: um das Diamantenfieber, das Ende des 19. Jahrhundert in Südafrika, rund um Kapstadt und anderen Gegenden, um sich greift. Skrupellose Geschäftemacher, die die einheimischen schwarzen Bewohner ausbeuten, um an die wertvollen Rohdiamanten in der goldenen Erde Südafrikas zu kommen. Krankheiten werden überspielt, alles zum Wohl der Reichen, ohne zu begreifen, dass Krankheiten keinen Unterschied zwischen arm und reich machen…
Mittendrin ist die verwöhnte Frances Irvine aus London, die – ins Buschland versetzt – mit der neuen Situation umzugehen versucht. Doch sie denkt gar nicht daran, sich endlich einmal die Hände schmutzig zu machen – sie träumt weiter von ihrer Schiffsbekanntschaft William… Währendessen kämpft ihr Mann Edwin einen scheinbar einsamen Kampf, er arbeitet, ist stets zuvorkommend zu Frances und man möchte sie nur zu gerne einmal heftig schütteln, damit sie endlich aufwacht aus ihrer Lethargie. Überhaupt werden die Charaktere der Protagonisten , z.B. Frances‘ Traummann Wililam Westbrook sehr überzeugend und authentisch dargestellt, es fällt nicht schwer, Sympathien oder Antipathien aufzubauen, wobei die Entwicklung der Persönlichkeiten sehr spannend und faszinierend ist und für Überraschungen sorgt.
Der Autorin gelingt es so überzeugend und bildhaft, die Menschen und die Landschaft Südafrikas zu beschreiben, dass ich noch mehrere hundert Seiten hätte lesen können, ohne dass es langweilig wird. Die Schwierigkeiten, mit denen Einheimische und englische Auswanderer zu kämpfen haben – die Hitze tagsüber, die Kälte nachts, die Dürre, aber auch die Diskriminierung der schwarzen Gesellschaft und ihrer erbarmungslosen Ausbeutung werden dem Leser eindringlich nähergebracht.

Fazit:
Für mich eine große, positive Überraschung! Ich kann diesen Roman allen Liebhabern von Südafrika empfehlen, die mehr über dieses faszinierende Land und ihre Einwohner erfahren möchten – hier wird dem Leser die Zeit des Diamantenfiebers näher gebracht, die Zeit der Kolonien, in der Engländer und Buren immer mehr vom Land in Anspruch nahmen, die Einheimischen verdrängten. Zusammen mit einer eindrucksvollen, aber durchaus nicht im Mittelpunkt stehenden Liebesgeschichte, hält man mit „Das Leuchten des Fieberbaumes“ einen äußerst unterhaltsamen und spannenden Roman über Südafrika in den Händen, der absolut lesenswert ist !