Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

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stefanie Avatar

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Schon als ich das Cover zum ersten Mal sah, wusste ich, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes sein muss. Zum Glück hat der erste Eindruck nicht getäusch und ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Buch eines meiner Jahreshighlights gelesen habe, auch wenn 2012 gerade erst angefangen hat.

Idas Füße verwandeln sich langsam aber sicher zu Glas. Da sie nicht weiß, wie sie mit dieser seltsamen Krankheit umgehen soll, reist sie nach St. Hauda’s Land, wo sie vor einiger Zeit mit jemandem über ein ähnliches Phänomen gesprochen hat. Doch diese Person ist nicht so leicht aufzuspüren. Auf ihrer Suche trifft sie Midas, der schon seit seiner Geburt auf der abgelegenen Inselgruppe lebt. Er ist sehr introvertiert und unsicher im Umgang mit Menschen, doch irgendetwas an Ida bringt ihn dazu, sich langsam zu öffnen und es entwickelt sich eine zarte Romanze, während die Glaskrankheit ihren Lauf nimmt.

Wie man an der Inhaltsbeschreibung schon sehen kann, gibt es in diesem Roman fantastische Elemente. Außer der langsamen Verwandlung zu Glas tauchen auch kleine geflügelte Rinder und ein geheimnisvolles Tier, das mit seinem Blick alles weiß färbt auf. Man darf sich hier allerdings nicht täuschen lassen, denn um einen Fantasyroman handelt es sich nicht. Abseits von diesen kleinen Details befinden wir uns in der realen Welt, in der alles seinen gewohnten Gang geht.

Die Grundstimmung ist sehr melancholisch, wiederholt wird die Landschaft oder Personen als monochrom beschrieben. Es gibt zwar kleine Lichtblicke oder Farbkleckse, aber im Großen und Ganzen handelt es sich eher um ein trauriges Buch. Man sollte dringend mit den richtigen Erwartungen an den Roman gehen, denn wer eine lockerleichte Liebesgeschichte in einer Fantasywelt erwartet, kann nur enttäuscht werden.

Bemerkenswert ist, dass es in diesem Buch niemanden mit einer glücklichen Vergangenheit zu geben scheint. Jeder hat mit den Nachwirkungen einer verkorksten Kindheit oder einer unerfüllten Liebe zu kämpfen. Auch Charaktere, die als sehr unsympathisch und negativ beschrieben werden, sind mir dank ihrer tragischen Geschichte nach und nach ans Herz gewachsen und ich habe an ihrem Schicksal Anteil genommen, obwohhl sie es oberflächlich betrachtet verdient haben. Der Personenkreis ist sehr eingeschränkt und gerade deshalb kann sich jeder Charakter in seiner eigentümlichen Art voll entfalten. Besonders liebgewonnen habe ich Midas, der so sehr in sich selbst gefangen ist und seinen eigenen Zwängen nicht entkommen kann, obwohl er sich nichts sehnlicher wünscht, als auszubrechen.

Ich bin wirklich begeistert, angefangen beim Cover und dem silbernen Buchschnitt bis zu den liebevoll beschriebenen, einzigartigen Charakteren! Wer sich auf eine kleine Prise Fantasy in einer wunderbar romantischen, aber gleichzeitig sehr tragischen und melancholischen Geschichte einlassen will, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen!