Undurchsichtig und genial

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
helga Avatar

Von

1994 verschwand die vierjährige Juliane Körprich vom Spielplatz und wurde drei Tage später tot aufgefunden, sie wurde erwürgt. Dr. Joachim Lichner, ein Psychiater und Nachbar der Familie Körprich wurde als Mörder verhaftet und verurteilt. 2007, nach 13 Jahren Haft, wurde er entlassen.

2009 bekommt Kriminalhauptkommissar Bernd Menkhoff einen anonymen Anruf, dass in der Zeppelinstraße angeblich seit ein paar Tagen ein kleines Mädchen verschwunden ist. Er fährt mit seinem langjährigen Kollegen Alexander Seifert zu der Adresse und sie finden dort Dr. Lichner vor, den sie vor 15 Jahren hinter Gitter gebracht haben und der völlig überrascht ist und von keinem Kind weiß und behauptet, nichts verbrochen zu haben und auch damals schon unschuldig in Haft gewesen zu sein. Dann erfahren Menkhoff und Seifert, dass Dr. Lichner eine zweijährige Tochter hat, die bei ihm gemeldet ist.

Nun beginnt eine Wahnsinnsstory, die verwirrender nicht sein könnte. Es wird in der Ich-Form, aus der Sicht von Alex Seifert erzählt, wechselweise von 1994 und 2009. Menkhoff, der den Fall leitet, hat schon 1994 verbissen daran gearbeitet, um Dr. Lichner hinter Gitter zu bringen. Er war damals felsenfest davon überzeug, dass er der Mörder von Juliane ist und war auch der Meinung, dass dessen Lebensgefährtin Nicole Klement von ihm unterdrückt wird.

Jetzt hat er wieder mit Dr. Lichner zu tun, den er hasst wie die Pest und er verbeißt sich erneut in den Fall. Seifert ist unschlüssig und hat immer öfter das Gefühl, dass Menkhoff damals nicht genau ermittelt hat und Dr. Lichner vielleicht doch nicht der Mörder war. Es tauchen immer wieder Unstimmigkeiten auf, aber er traut sich nichts zu sagen, da Menkhoff in diesem Fall völlig unzugänglich ist.

Tief beeindruckt haben mich die unglaublich gut dargestellte Personen, Menkhoff, verheiratet und eine Tochter, er selbst verbissen und etwas grantig, er war mir teilweise richtig unsympathisch. Seifert, verheiratet, der ruhigere Kollege, sympathisch, aber oft unsicher wirkend und ich hätte ihn manchmal gerne in den Hintern getreten. Nicole, psychisch labil, nicht wirklich bodenständig, schwer einzuschätzen und dann noch Dr. Lichner, Psychologe, undurchsichtig, clever, kämpft um seine Unschuld. Eine fantastische, schillernde Figur, die mir ausgezeichnet gefallen hat.

Die einzelnen Abschnitte sind immer sehr kurz gehalten, sodass ich den Faden nie verloren habe. Der Wechsel von 1994 zu 2009 ist immer sehr flüssig und schließt nahtlos an. Mit der Story hat sich Arno Strobel übertroffen, einfach genial, spannend und sehr verwirrend. Es war wirklich schwer das Wesen zu erkennen und ich freue mich schon auf das nächste Buch, dessen Leseprobe ja schon wieder einiges erwarten lässt.