Spannend bist zur letzten Seite

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stephi Avatar

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Derek Cutter ist hautnah dabei, als die Nachbarfamilie Langley, unter ihnen sein bester Freund Adam, kaltblütig erschossen wird. Er wollte die Abwesenheit der Familie nutzen, um das Haus eine Woche lange für sich und seine Freundin zu haben. Als die Langleys unerwartet zurück kommen, versteckt sich Derek im Keller und wird somit einziger Zeuge der grausigen Bluttat.
Die Ermittlungen laufen zunächst ins Leere, bis schließlich Derek verdächtigt wird. Er berichtet nun zwar endlich von den Geschehnissen, aber zunächst glaubt ihm niemand. Sein Vater Jim bemüht sich redlich, seinen Sohn zu entlasten und stößt dabei auf immer neue Hinweise – doch ob diese letztlich zum Mörder führen, bleibt bis zum Schluss fraglich.

Barclay baut zwei Handlungsstränge auf, an deren Ende der mögliche Täter stehen könnte. Dennoch bleibt das Ende wahnsinnig spannend und überraschend. Ab ungefähr der Mitte kann man einfach nicht mehr aufhören zu lesen.

Der Schreibstil ist absolut flüssig und leicht zu lesen. Der Ich-Erzähler in Form von Jim Cutter erkennt den Ernst der Lage, aber seine Gedanken sind trotzdem nicht schwarzmalerisch. Im Gegenteil – oft musste ich beim Lesen wirklich lachen. Er hat einen trockenen Humor, was das Lesen wirklich zu einem Vergnügen werden lässt. Andererseits zeigt er aber auch oft seine Gefühle, so dass man als Leser im wahrsten Sinne des Wortes mit ihm weinen kann.

Ich wage zu behaupten, dass noch kein Thriller mich gleichermaßen zum Lachen wie zum Weinen gebracht hat. Das schaffen überhaupt nur sehr wenige Bücher.

Die einzelnen Figuren bleiben zwar – abgesehen von Jim Cutter – ziemlich an der Oberfläche, zum Teil ist dies aber auch einfach für den Verlauf der Handlung notwendig, so dass ich darin keinen Kritikpunkt sehe. Der Erzähler offenbart sich natürlich wesentlich stärker und Barclay versteht es sehr gut, dem Leser seine Gefühle und Gedanken zu vermitteln

Einziger Wermutstropfen bleibt für mich, dass Jim, der eigentlich kein Polizist ist, in meinen Augen mehr Ermittlungsarbeit geleistet hat als die Polizei selbst. Dies mag der Erzählperspektive geschuldet sein, erschien aber teilweise leicht unrealistisch. Dennoch hat es das Lesevergnügen für mich im Endeffekt nicht geschmälert.

Das überraschende und in meinen Augen auch nicht – wie sonst so oft – überzogene Ende ist wirklich sehr gelungen. Die Spannung bleibt erhalten, wird durch einzelne Dialoge aber aufgelockert und bietet somit einen rundum zufrieden stellenden Abschluss des Buches.

Fazit: „Dem Tode nah“ war zwar mein erster, wird aber definitiv nicht mein letzter Barclay bleiben. „Ohne ein Wort“ liegt schon bereit. Absolute Empfehlung!