Bewegende Geschichte

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magdalena.kappler Avatar

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Christian Berkel erzählt die Geschichte seiner Eltern aus ihren bruchstückhaften Erinnerungen und Erzählungen. Ergänzt mit seinen eigenen Recherchen ergibt sich ein stimmiges, bewegendes und emotionales Gesamtbild. Seine Mutter Sala wächst bei ihrem alleinerziehenden Vater auf. Ihre Mutter hat sie im Stich gelassen, und doch hat sie ihr ein entscheidendes Stück ihrer Identität hinterlassen: Sala ist Halbjüdin. Mit 13 verliebt sie sich in Otto, ein Junge, der durch und durch Berliner ist und seine Wurzeln in der Arbeiterklasse hat. Eine schwierige Konstellation in den 30er Jahren. Als Sala fliehen muss, trennen sich ihre Lebenswege, und doch können sie sich ein Leben lang nicht richtig loslassen…
Mich hat der Roman sehr bewegt. Die Beschreibung der intellektuellen und sehr freizügigen Kreise anfangs des 20. Jahrhunderts war für mich neu und außergewöhnlich, und auch beispielsweise die Situation in französischen Lagern während des zweiten Weltkriegs ist nichts, worüber man täglich liest. Mit der Situation in Spanien unter Francos Regime und der Situation in Russland kurz nach dem Krieg fließen weitere Bruchstücke ein, die dazu führen, dass es sich bei diesem Buch um eine sehr vielseitige Betrachtung des damaligen Weltgeschehens handelt. Und trotzdem bleibt noch Raum für die Beschreibung persönlicher Beziehungen.
Christian Berkel hat alles richtig gemacht damit, seine persönlichen Wurzeln niederzuschreiben, und es ist nicht nur die Geschichte seiner Eltern, sondern die Geschichte einer ganzen Generation. Mein einziger Kritikpunkt: Stellenweise fiel es mir schwer, den Zeitsprüngen zu folgen und zu verstehen, welche Personen nun gerade in einer Situation gemeint sind. Jahreszahlen und Orte, vielleicht sogar Namen in den Kapitelüberschriften wären daher sehr hilfreich gewesen.