Deutscher Amateurfunker in den USA spioniert für die Nazis - und dann?

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lisa03 Avatar

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Nachkriegszeit in Deutschland. Ein Mann kommt zurück, er hat viele Jahre in den USA verbracht, die letzten acht in Internierungslagern und als Gefangener auf Ellis Island. Im Haus seines Bruders Carl in Neuss will er nicht so recht herausrücken mit dem, was ihm, weil er Funker war und für die Nazis spioniert hatte, in den USA widerfahren ist. Er wird die BRD wieder verlassen.

Die Autorin verwendet das Leben ihres Großonkels, um anhand der diesem nachempfundenen Romanfigur Josef Klein einige dunkle Ecken und Winkel der Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrunderts zu beleuchten. Was wissen wir denn schon vom Umgang der Alliierten mit feindlichen Ausländern und dem Spionagewesen der Nazis? Das ist sehr interessant, zumal es am Beispiel eines Protagonisten demonstriert wird, der offenbar unabsichtlich in diese Dinge hineingeraten ist und nun recht hilflos versucht, sein Leben neu zu beginnen.

Was hat der Amateurfunker Josef Klein tatsächlich getan? Wie funktionierte das System Canaris, in das er offenbar verstriclt war? Und wie gelangte er von der jungen BRD schießlich nach Argentinien und Costa Rica? Was hat es auf sich mit einem Mann namens Dörsum? Wie funktionierten die Netzwerke der alten Nazis in Südamerika? Die Leseprobe verrät das alles nicht, deshalb würde ich diesen Roman gern zu Ende lesen.

Die Protagonisten sind glaubhaft gezeichnet mit all ihren Widersprüchen, die unterschiedlichen Schauplätze werden ausreichend charkaterisiert, die Zeitangaben zu den Kapiteln erleichtern die Orientierung. Es gibt einige sprachliche Schnitzer und schiefe Bilder, die man geraderücken möchte. Aber insgesamt fällt das wenig ins Gewicht, denn die Geschichte ist spannend angelegt und verspricht eine interessante Lektüre.