Kurzweilige Zeitreisegeschichte mit wenig Historie, die schnell vorhersehbar ist

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Inhalt:

Schottland im Winter 1313: Die Schotten kämpfen um ihre Unabhängigkeit von England unter Robert, The Bruce. Schottischer Nationalheld - auch heute noch. Bei der Rekrutierung neuer schottischer Kämpfer ist auch der zehnjährige Sean dabei. Sein Onkel zwingt einen Mann und dessen Sohn mit Gewalt sich dem Herr gegen die Engländer anzuschließen. An diesem Tag sieht der Junge Sean das erste Mal die etwas jüngere Iseabail, Schwester und Tochter der beiden Zwangsrekrutierten. Iseabails Mutter belegt Sean mit einem Fluch. Sean beschließt, nach dem was er gesehen hat, nie in die Armee unter Robert, The Bruce einzutreten.

Ein Zeitsprung in die Zukunft

Köln und Schottland, September 1999: Sarah - Um die 50 - mit schottischen Wurzeln, die sie gerne vergessen möchte, lebt in Köln im Jahr 1999. Ihre Freundin Miriam bucht kurzerhand eine Reise für sie und Sarah nach Schottland, die Sarah wenig begeistert und traurig gestimmt wenige Tage später mit Miriam antritt.

Ein Zeitsprung in die Vergangenheit

Schottland, Frühjahr und Sommer 1324: Schottland ist seit der entscheidenden Schlacht am Bannockburn 1314 mittlerweile 10 Jahre unabhängig von England.
Sean und Iseabail sind mittlerweile erwachsen geworden. Iseabails Vater und Bruder sind tot. Adam, der sich im Unabhängigkeitskrieg um die Kranken und Verwundeten gekümmert hat, ist der Ziehvater von Iseabail in den zurückliegenden Jahren gewesen. Iseabails Mutter ist kurze Zeit nach der Zwangsrekrutierung ihres Mannes und Sohnes ebenfalls gestorben. Iseabail ist Heilerin wie ihre Mutter, die ihr Handwerk von ihrer irischen Ziehmutter gelernt hatte, genauso wie die gälische Sprache, die sie auch gesprochen hat, als sie den Fluch über Sean elf Jahre zuvor herausgeschrien hat.

Beim 10jährigen Jubiläum der geschichtsträchtigen Schlacht am Bannockburn in Stirling sehen sich Sean und Iseabail für einen kurzen Moment wieder. Sean erkennt sie an ihren smaragdgrünen Augen, die ihn seit dem ersten Aufeinandertreffen immer wieder ins Bewusstsein kommen. Ohne Erinnrung, dass sie dem kleinen Mädchen von einst gehören. Auch Iseabail lebt mit den Bildern eines Jungen in ihrem Gedächtnis, den sie meint nie zuvor gesehen zu haben. Beide jungen Menschen verbinden mit den Bildern in ihrem Kopf über den jeweils Anderen nur positive Gefühle (Sehnsucht, innere Ruhe). Wenige Tage nach dem Jubiläum macht sich Sean zu Pferd auf den Weg zu der Heilerin Iseabail, da sein Vater sehr krank ist. Sean und Iseabail erkennen sich aus ihren Bildern im Kopf sofort wieder, und verlieben sich ineinander.

Mittlerweile hat der Herbst begonnen, als Iseabail, Sean und Adam im Schloss von Seans Familie eintreffen. Ihre Gefühle für einander werden, während Iseabail den Vater von Sean heilt und gesundpflegt, immer größer und inniger. Sean macht Iseabail einen Heiratsantrag, den diese gerne annimmt. Er überreicht ihr eine von ihm geschnitzte Holzschatulle mit einem Holzherz innenliegend.
Nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht trifft Sean bei einem plötzlich aufkommenden Unwetter ein Blitz und er verschwindet. Das Holzherz beginnt rot zu leuchten. Iseabail ist sich sicher, Sean lebt.

Ein Zeitsprung in die Zukunft

Köln, Oktober 1999: Sean wacht in einer Unterführung auf. Er wird zusammengeschlagen und wird ins Krankenhaus eingeliefert, in dem Sarahs Freundin Miriam arbeitet. Nachdem sie erfährt, wo er herkommt und aus welcher Zeit, flüchtet sie mit ihm aus dem Krankenhaus zu ihrer Freundin Sarah. Doch Sarah weiß ganz genau, wie Sean sich fühlt, sagt sie. Sie macht Sean Mut: "... Isea weiß von dem Fluch, sie kann dir bestimmt helfen. .. es liegt allein in ihrer Hand, dich wieder zurückzuholen.", sagt Sarah.

Ein Zeitsprung in die Vergangenheit

Schottland, Herbst 1324: Unterdessen findet Iseabail den Fluch in den Aufzeichnungen ihrer Mutter. Im Tagebuch ihrer Mutter erklärt diese auch den Grund dafür, warum sie den Fluch ausgesprochen hat. Des Weiteren findet sie Hinweise auf den Wohnort der irischen Ziehmutter, die Iseabails verstorbene Mutter das Lesen, Schreiben und alles über die Heilkünste beigebracht hat. Sie ist die Einzige, die ihnen helfen kann, den Fluch rückgängig zu machen. Die Suche nach der Ziehmutter wird aufgrund des baldigen Winter nicht einfach werden, und da ist noch etwas, was ihre Reise erschwert...! Immer dabei, das rot leuchtende Holzherz.


Der digitale Buchrücken wirkt zwar, was sein Material betrifft, als wäre er mit Stoff bezogen, was eine gute Idee ist, doch der Rest ist nicht so passend. Auf dem schwarzen "stoffbezogenen" Buchdeckel des ebooks prangt eine Brosche mit Ornamenten. Ob es schottische oder gälische sind, ich weiß es nicht. Warum hat man nicht die Holzschatulle abgebildet, und daneben ein geschnitztes Holzherz? Stattdessen ist links neben der Abbildung der Brosche eine teilweise verblühte Distel zu sehen. Die Schriftart ist wieder passender. Mit ihren vielen Serifen ist sie in den Augen der Nicht-Historiker eher alten Schriften angelehnt.

Nicht-Historikern und Leser, die keine Geschichte mögen, wird hier das dauernde Anreisen der Schlacht am Bannockburn und die schottische Unabhängigkeit ggf. ausreichen. Mir nicht, ich hätte mehr erwartet. Da ja, nicht bei allen Lesern das Wissen um die schottische Unabhängigkeit und Robert, The Bruce präsent ist. Jedoch weiß ich nicht, ob jemand, der von diesem Mann der Geschichte noch nie gehört hat, die geschichtlich erwiesenen und durch Mythen und Legenden verstärkten Informationen über den Unabhängigkeitskämpfer anhand des Romans verstehen kann. Besonders noch, da das Buch am 14.11.14 escheinen wird, und kurze Zeit zuvor die Schotten des 21. Jahrhunderts erneut um ihre Unabhängigkeit ringen. Diesmal mit einer Abstimmung. Ich denke, zwei bis drei Informationen, die die Tragweite im 14. Jahrhundert erklären, den Protagonisten in den Mund gelegt, sie darüber nachdenken lassen, und/oder innen im Buchdeckel einen geschichtlichen Abriss vielleicht mit einer schottischen alten Karte digital aufnehmen/zufügen, würde reichen.

Die Sprache: Die Autorin verwendet Wörter wie Geldkatze, Schlafgemach und Formulierungen, wie "Regen troff von seinen Haarspitzen" aus dem altdeutschen Sprachgebrauch. Das macht sie sehr gut, und steht im Kontrast zur Neuzeit in Köln. Sie hält den Wechsel der Wortwahl/Fomulierung zwischen den Zeiten fast immer durch. Und wenn nicht, und mal eine moderne Wortwahl/Formulierung aus Iseabails, Adams und Seans Mund kommt, fällt es nicht auf.

Nach knapp 1/3 der Geschichte kommt es zur Wendung der Geschichte - Sean verschwindet, Iseabail will ihn finden - ab jetzt wechseln auch die Kapitel des Buches zwischen den Jahrhunderten hin und her. Das macht es einfacher, aber auch zur Dramaturgie passender, das Geschehen zu verfolgen.

Als Adam gleich zu Beginn der Geschichte sehr genau eingeführt wird, im Gegensatz zu anderen Protagonisten des Buches, weiß der Leser das Adam auch eine größere Rolle im Verlauf der Geschichte spielen wird. So wird noch ein Teil der Geschichte vorhersehbarer: Das Sean gezwungenermaßen in die Zukunft reist - das weiß der Leser des Klappentextes auch schon im ersten Kapitel, als er Sarah in Köln 1999 kennenlernt. Klar, die Liebenden werden sich wiedersehen und vorher auf holprigen Wegen wandeln. Das gehört zu einer fantastischen Liebesgeschichte. Das meine ich nicht mit schnell vorhersehbar, und das möchte ich nicht kitisieren. Doch die Rolle von Adam war für mich, nachdem ich Sarahs Geschichte kannte, genauestens in ihrem weiteren Verlauf vor mir zu sehen.

Interessant und schön gemacht, ist der Wechsel der Jahreszeiten im 14. Jahrhundert und der Monate im ausgehenden 20. Jahrhundert. Deshalb weil es auch aufzeigt, wie abhängig die Menschen meist im Mittelalter von den Jahreszeiten und ihrer Ausprägung (Sonne, Regen, Gewitter, Sturm, Schnee) waren, aber auch zeigt, dass die Entwicklung der Kalendermonate in Europa noch gar nicht so alt ist.

Ich finde es sehr gut, dass die Geschichte hauptsächlich in Schottland spielt. Sagen, Mythen, Zauberei und Flüche - das passt wohl eher in das Bild von Schottland heutzutage. Als in das Bild einer rheinischen Stadt, die nur noch stellenweise mittelalterlich in ihren Bauwerken ist, eher weniger märchenhaft, fantastisch inspiriert, dafür umso realistischer in der Neuzeit steht.