Wie der Hodscha und die Piepenkötter......

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Es waren einmal zwei unwahrscheinliche Sturhälse, die für das Erreichen ihrer Ziele bereit waren, einige Intrigen zu spinnen und mit unfairen Mitteln zu arbeiten. So könnte man die Geschichte von Nuri Hodscha und Ursel Piepenkötter wohl auch beginnen.

Nuri Hodscha kommt als neuer Imam des Moscheevereins Gabrielstraße nach Deutschland. Dort strebt er unverzüglich den Bau einer neuen Moschee für seine Gemeinde an. Dies missfällt jedoch der amtierenden Oberbürgermeisterin Ursel Piepenkötter, die ihrerseits darum bemüht ist, bei der bevorstehenden Wahl ihren Verbleib im Amt zu sichern.

Birand Bingül führt den Leser in seinem Buch „Der Hodscha und die Piepenkötter“ auf einen Weg, der von den Steinen, die die beiden Hauptfiguren sich gegenseitig in den Weg legen, gepflastert ist. Dabei ziert jedes noch so kleine Kapitel eine genaue Datumsangabe und eine Angabe der Frist der letzten verbleibenden Tage bis zur Wahl des neuen Oberbürgermeisters. Diese genaue zeitliche Einteilung empfinde ich als sehr geschicktes Mittel, um dem Leser immer wieder vor Augen zu führen, wie dringlich ein Fortschritt bezüglich der jeweiligen Anliegen und der Schadensbekämpfung auf beiden Seiten ist.     

Das Buch ließ sich flüssig lesen und bot mir als Leser eine gelungene Unterhaltung. Kontroverse Themen, die immer wieder für Diskussionen in der Gesellschaft sorgen, wurden durch Stereotypen festgehalten. Die Handlung des Buches ließ zwar die Schwere der Thematiken erkennen, doch durch den Schreibstil des Autors hatte ich die Empfindung, die behandelten Problematiken von einer leichteren, humorvolleren Seite zu erleben, die dennoch die vorhandene Brisanz nicht negierte.

Sehr geschickt umgesetzt fand ich beim Charakterdesign die Tatsache, dass gerade die beiden Hauptfiguren – der Hodscha und die Piepenkötter – nachvollziehbare Motive für ihre Handlungen hatten. Dazu kam, dass beide genug Fehler und auch Fertigkeiten zugeschrieben bekamen, als dass immer wieder ihre Menschlichkeit in den Blickpunkt gerückt wurde. Dies ließ mich beim Lesen nicht in Kategorisierung verfallen, die den Figuren ihre Ämter überordnete. Ich empfand die Darstellung des Hodschas und der Piepenkötter auch als recht gleichgewichtig, so dass ich mich nicht klar für eine Seite aussprechen hätte können. Beide Seiten bekamen Sympathiepunkte, sowie Sympathieabzüge – je nachdem, was die jeweilige Situation hergab.

Als gelungenes Stilmittel sehe ich auch Nuri Hodschas Gespräche mit Allah an. Die Stimme Allahs wirkte als über den Dingen stehend und verhalf mir als Leser dazu, die Situationen aus einem weiteren Blickwinkel zu betrachten.

Was die Aufmachung des Buches angeht, kann ich sagen, dass ich es sehr mag, dass der Einband des Buches den Anschein erweckt, als hätte man es mit einem Hardcover zu tun. Das wirkt nicht nur edler, sondern gibt dem Buch auch mehr "Halt". Es entsteht so nicht so einfach wie bei einem Taschenbuch ein geknickter Leserücken. Außerdem finde ich, dass das Buch so auch besser in der Hand liegt.

Alles in allem kann ich festhalten, dass ich dieses Buch als sehr angenehme Unterhaltung empfunden habe. Es hat richtig Spaß gemacht, es zu lesen und ich war durchweg gespannt auf alles, was sich im weiteren Verlauf der Handlung noch ereignen würde.

 „Der Hodscha und die Piepenkötter“ ist ein Buch, das ich auf jeden Fall weiterempfehlen würde.