Interessanter Krimi aus einer düsteren Zeit

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melanie Avatar

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Nachdem ich schon den Vorgängerband gelesen habe, war ich gespannt auf den zweiten Band um Friederike Mattheé.

Der Lesefluss ist wie immer leicht, man ist schnell im Geschehen drinnen. Man merkt, dass die Autorin gut die Nachkriegszeit recherchiert hat, aber an manchen Stellen bleibt es mir zu oberflächlich - die wirkliche Not der Bevölkerung wird nicht spürbar, sondern mehr beschrieben. Zwar wird wiederholt beschrieben, dass es nur Zuteilungen von 800 Kalorien gab, was aber so auch nicht korrekt ist - die Kalorienzuteilung war nicht für alle identisch, sondern es gab unterschiedliche Kategorien der Lebensmittelkarten - 800 Kalorien waren die niedrigste Karte für Rentner und Leute, die nicht arbeiten konnten. Die Mitglieder der Polizei hätten auf eine höhere Karte Anspruch gehabt. Da ich mich selbst sehr intensiv mit dieser Zeit beschäftigt habe, sind mir diese kleinen Unsauberkeiten bei ansonsten guter Recherche immer wieder aufgefallen.

Manchmal hatte ich auch das Gefühl, hier kommt jetzt zu viel geballtes Familiengeheimnis auf einmal. Was ich damit meine, schreibe ich nicht wegen des Spoilerns, aber diejenigen, die das Buch kennen, wissen, was ich meine.

Wegen dieser beiden Aspekte gibt es von mir nicht die volle Punktzahl.

Abgesehen davon gefiel mir der Roman sehr gut, auch wenn es weniger der Krimi ist - das ist mehr so ein roter Faden, der einen durch die Zeit führt - sondern die Atmosphäre der Nachkriegszeit, der trotz des schweren Themas gut unterhält.

Ich vergebe also gute vier Sterne und eine Leseempfehlung.