Die Interview und der Mord

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helmut.agnesson Avatar

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»Der kalte Saphir« handelt von einer Reporterin, die ein früheres Bandmitglied der Gruppe Klarstein interviewt. Der frühere Tontechniker lebt inzwischen in Griechenland. Beim Interview kommt es zu einer leichten erotischen Spannung, die aber nicht ausgelebt wird. Zugleich klärt die Reporterin im Interview auf, wer tatsächlich den Bandleader Jerome umgebracht hatte. Dabei sieht es zeitweise so aus, als ob der ehemalige Tontechniker und heutige Interviewpartner der Täter wäre. Als Nebeneffekt spricht der Interviewte von seiner unerfüllbaren Liebe zur Drummerin.

Originell finde ich die Gründungsgeschichte der Band. Ursprünglich wollte Sebastian Wohnungen vermieten. Der erste Interessent überzeugte ihn davon, dass diese nur an angehende Band-Mitglieder gehen sollten. Im Rahmen der Erzählung kommen die Lebensverhältnisse im damaligen Westberlin ebenso wie die Landschaft der griechischen Insel und der Kleinstadt Kastro gut zur Geltung.

Eine kleine Randbemerkung: Das Buch wurde in Basel (Schweiz) gedruckt, verwendet aber die bundesdeutsche Rechtschreibung einschließlich ß, was ich außerordentlich lobenswert finde. Die Erzählung pendelt zwischen Griechenland im Sommer 2015 (zum Zeitpunkt des Interviews), Berlin im Jahr 1977 und der Zeit dazwischen, als der Band-Tontechniker vergeblich auf der Suche nach der von ihm verehrten Drummerin, die aber mit dem Leader liiert war und von diesem regelmäßig betrogen wurde, war.

Eine außergewöhnliche Besonderheit des Buches besteht darin, dass der Autor zusätzlich eine Webseite ins Netz gestellt hat, auf welchjener die Lieder der von ihm beschriebenen Band zum für Buchbesitzer kostenlosen Download zur Verfügung stehen. So können wir uns auch einen Eindruck von der Musik der Band machen. Zugleich verstärkt der Autor den Eindruck, er schriebe über eine real existiert habende Formation. Ganz sicher bin ich nicht, ob dieser eventuell zutrifft, allerdings ist mir eine Band namens Klarstein zuvor niemals begegnet.

Der Tontechniker heißt übrigens Sebastian Winter und die Reporterin Jule Sommer. Diese Namenswahl weist einerseits auf einen Gegensatz, andererseits auf eine bedeutsame Ergänzung der beiden InterviewpartnerInnen hin.

Im Verkauf kostet das Buch 24,90 Euro, was für ein gebundenes Buch von mehr als dreihundert Seiten am oberen Rand der Standardpreisbildung liegt. Ich kann dessen Kauf in jedem Fall empfehlen, was auch auf die Inanspruchnahme der kostenlosen Musik-Downloads gilt.