Schonungsloser Thriller - leider mit verräterischem Klappentext

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stephi Avatar

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Eine furchtbar zugerichtete Frauenleiche wird in einer abgelegenen Hütte in Los Angeles gefunden. Auf ihrem Nacken befindet sich eine Wunde, die dem Detective und Profiler Robert Hunter das Blut in den Adern gefrieren lässt – der Kruzifix-Killer, ein Serienmörder, dem die Polizei nicht im Ansatz auf die Schliche gekommen ist, hat wieder zugeschlagen. Das Problem dabei ist, dass bereits ein Mann für die bisher begangenen Morde zum Tode verurteilt und vor gut einem Jahr hingerichtet wurde.

Hunter und sein neuer Partner Garcia stürzen sich in die schwierigen Ermittlungen und ahnen nicht, wie nah sie dem Täter eigentlich sind.

 

Chris Carter liefert mit seinem Erstling einen überzeugenden Thriller. Man merkt, dass seine Kenntnisse der menschlichen Psyche fundiert und weit reichend sind, was die Handlung sehr glaubwürdig macht.

 

Viel Wert wird auf die Ausarbeitung der Figur Robert Hunter gelegt. Rückblicke auf die vorangegangenen Ermittlungen bezüglich des Kruzifix-Killers geben dem Leser die Möglichkeit, ihn als Person kennen zu lernen und vor allem seine Fähigkeiten zu beurteilen. Auch die Einblicke in sein Privatleben sind aufschlussreich und bilden den ruhigen Gegenpart zu den doch wesentlich rasanteren Ermittlungen.

 

Das Buch besticht in meinen Augen durch seine schonungslose Offenheit. Es werden abartige Taten beschrieben, bei denen sich dem einen oder anderen Leser vermutlich durchaus der Magen umdrehen könnte. Vom Beginn (der für mich etwas von den makaberen Spielen á la SAW hatte) an wird man mit diesen brutalen Vorgehensweisen konfrontiert – und dennoch habe ich insgesamt eine straffere Spannung erwartet.

 

Ja, das Buch ist spannend. Auf jeden Fall. Für meine Begriffe hat der Autor aber durch die Aufteilung seiner Kapitel etwas davon zerstört. So werden beispielsweise Personen in die Handlung eingeführt, bei denen sofort klar ist, welche Rolle sie einnehmen werden – nämlich die des qualvoll sterbenden Opfers. Er nimmt der Handlung also den Überraschungseffekt. Dies geschieht zwar zugunsten der Beschreibungen von den Entführungen der Opfer, was mit einem Einblick in die „Arbeitsweise“ des Täters einhergeht , dennoch habe ich danach immer regelrecht darauf gewartet, dass endlich die Leiche gefunden wird.

 

Das große Plus des Buches ist für mich die Art der Auflösung. Weder zu kurz noch zu lang wartet diese mit einer großen Portion Spannung auf. Außerdem ist die Geschichte bis zum Ende glaubwürdig, was auch bei solch brutalen Thrillern sehr wichtig für mich ist. Natürlich sind die Beschreibungen der Taten unglaublich. Dieses Maß an Skrupellosigkeit ist unvorstellbar – dennoch schafft es der Autor immer, die Handlung authentisch wirken zu lassen, was nicht zuletzt an den eingeflochtenen Analysen der Psyche des Täters liegt.

 

Insgesamt hat mich das Buch also sehr gut unterhalten. Es lies sich flüssig lesen und war spannend.

 

Ein ganz großes Manko gibt es für mich dennoch: den Umschlagtext. Es wird zu viel verraten. Nach dieser Zusammenfassung ist es nicht schwer, auf den Täter zu kommen. Es bleiben schlicht zu wenige Möglichkeiten.