Schweigen kann töten

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kkarin Avatar

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Inhalt:
Der erste Krimi der tschechisch-deutschen Schriftstellerin Iva Procházková startet mit einer Tragödie in der Familie rund um Architekten Radim Beran und seiner aus Kuba stammenden zweiten Frau Yadira und führt seine Leserschaft in der Folge bis an den Grund eines Baggersees nahe Prag, auf dem ein Auto mit einer Leiche gefunden wird. Wie die Ermittlungen des Prager Hauptkommissars Marián Holina ergeben, handelt es sich bei dem Leichnam um einen für seine eigenwilligen Methoden berühmt-berüchtigter Polizisten. Schnell weiten sich die Ermittlungen und der Kreis der Verdächtigen aus, weshalb Holina nicht nur von seinem jungen Kollegen Divi Mrtík, sondern auch von der übereifrigen Kommissarin Lída Šotolová unterstützt wird.

Meine Meinung:
Als direkt neben der tschechischen Grenze in Österreich Geborene war es mein erster tschechischer Krimi und die Spannung groß, einen Einblick in das historische und gegenwärtige tschechische Leben zu erhalten.
Gleich zu Beginn werden mit der Kubanerin Yadira, die einen tschechischen Architekten heiratet, und dem liebenswürdige Kommissar Marián Holina mit seinen ungarisch-slowakischen Wurzeln, der seine Freundin auf ein Astrologie-Seminar nach Österreich begleitet und seinem Hang zu kulinarischen Genüssen - zB seiner wiederkehrenden Hörnchen-Punkte-Vergabe oder dem Schlürfen Kremser Weins – einerseits die Internationalität und andererseits der zwischenzeitlich gemeinsame Lebensraum in der Mitte Europas eröffnet.
Schnell wird auch klar – egal, wo immer man ist – die menschlichen Abgründe und Motive sind leider überall die gleichen. Und auch die tschechischen Ermittler kommen nur durch mühevolle Kleinarbeit dem Mysterium um das Ableben von Osvald Zapletal näher.

War ich anfänglich ob des Klappentextes noch skeptisch, ob der Ausflug in die Astrologie nicht zu abwegig bei Ermittlungen wäre, so musste ich im weiteren Verlauf feststellen, dass dies zwar ein Ansatz Holinas ist, der primär wegen seiner neuen Liebschaft überhaupt mit diesem Thema in Berührung gekommen ist, der die Lösung des Kriminalfalls aber nicht wirklich beeinflusst.

Vielmehr gelingt es Iva Procházková mit dem Einflechten der Astrologie ein geschicktes Alleinstellungsmerkmal in der Flut an erscheinenden Krimis zu platzieren, wodurch „Der Mann am Grund“ nachhaltig in Erinnerung verankert wird.

Die Ermittlungen werden tageweise Countdown-mäßig im brütend heißen tschechischen Sommer skizziert, wobei sich die Lösung dem zeitgleich dringend erwarteten klärenden Regens/Gewitters nähert. Aufgrund unterschiedlicher Erzählperspektiven (zB Ermittler, Architektenhaushalt, …) besitzt die Leserschaft einen Wissensvorsprung den ErmittlerInnen gegenüber, weshalb der potentielle Täterkreis auf Seiten der Leser bereits frühzeitig eingeengt werden kann, die endgültige Auflösung jedoch trotzdem zu überraschen vermag.

Fazit:
Ein wunderbarer Einstieg ins tschechische Ermittlerleben! Ich hoffe schon jetzt, dass Marián Holina dem deutschsprachigen Raum erhalten bleibt und weiter ermitteln wird. Der dramatische Cliffhanger am Ende lässt zumindest im Privatleben auf herausfordernde Zeiten schließen!