Der norwegische Gast

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miriamel Avatar

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Nach einem durch heftigen Sturm verursachten Zugunglücks in den Bergen werden die Passagiere in einem Hotel in der Nähe untergebracht. Eingeschneit und eng zusammengepfercht ist die Stimmung nicht die beste, auch wenn sie vorerst noch  durch Spekulationen um einen geheimen Waggon einigermaßen aufrecht erhalten wird. Bewaffnete Wachposten und das Verschwinden eines Mannes mit der folgenden Erkenntnis, dass ein Mord geschehen ist, lässt dann aber bei einigen Gästen die strapazierten Nerven reißen. Und es bleibt nicht bei einem Toten… Unter den Reisenden befindet sich allerdings auch die  ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen, die der Lösung des Falles Stück für Stück näher kommt.
Ich kenne bisher kein Buch von Anne Holt, so dass mir die Kommissarin nicht vertraut ist. Das ist einerseits sehr schade, da ich deren Entwicklung nicht mitbekommen habe und mir so die Nähe zu ihr und ihren Eigenarten fehlte. Andererseits bin ich jetzt sehr neugierig auf sie und ihre bisherigen Erlebnisse und Fälle geworden, so dass ich sie einfach nachholen werde.
Aber auch ohne die vorherigen Fälle gelesen zu haben, wurde mir Hanne im Laufe der Geschichte immer sympathischer. Fand ich sie anfangs ziemlich arrogant und kalt, so gefiel mir ihre teils trockene und ironische Art später sehr gut. Es hat mir gut gefallen, ihre Gedanken und Überlegungen zu den einzelnen Personen und Vorgängen zu verfolgen. Durch ihre Augen konnte ich mir die Menschen und ihre Reaktionen sehr gut vorstellen. Es war dabei sehr interessant zu beobachten, wie sich die Menschen in dieser Extremsituation verhalten. Die Stimmungsschwankungen auf diesem beengten Raum waren gut zu spüren. Verstärkt wurde dies durch die Beschreibungen des Sturms und der Kälte, die zu der bedrückenden Atmosphäre beitrugen.
Doch nicht nur Charaktere, Stimmung und Atmosphäre haben mir gut gefallen, auch der Kriminalfall an sich hat mir viel Spaß gemacht. Weit entfernt von hoch technisierter Aufklärungsarbeit waren es Beobachtungsgabe, Gespräche  und Überlegungen, die zur Lösung führten und das alles auf einem begrenzten Raum. Man konnte mitbeobachten und miträtseln und erfreulicherweise habe ich lange nicht gewusst, wer der Täter war. Ein zweiter Erzählstrang, die Frage zu dem geheimen Gast, hat mich etwas irritiert, weil ich lange nicht wusste, wie er mit dem Krimi in Verbindung steht. Abgesehen von den begleitenden Umständen, die für den Krimi von Bedeutung waren, fand ich aber im Nachhinein die „Auflösung“ dazu recht witzig.
Ein schöner Krimi im klassischen Stil, der mir Lust auf mehr von Anne Holt und ihrer Kommissarin Hanne gemacht hat. Zu betonen ist auch, dass das Cover perfekt zur Handlung passt, was ja nicht immer der Fall ist, und mir ausgesprochen gut gefällt.