Geniale Perspektiven und politisch tiefgreifend

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Wenn drei Menschen eine Gesellschaft und ein Land verändern wollen und dabei vor nichts und niemanden zurückschrecken, wird es spannend. Wer wird in "Der Patriot" die Drei aufhalten und dem mörderischen Hass auf Journalisten und Einwanderer ein Ende setzen.

Zum Inhalt:
Die Journalistin Hannah Löwenström wird kaltblütig bei ihr zu Hause ermordet. Sie ist die Erste auf der Todesliste eines rechtsextremen Serienmörders, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die wichtigsten und lautesten Medienvertreter für ihre angeblichen Lügen zu bestrafen. Mit einem perfiden Plan stärkt er die bereits gärende Fremdenfeindlichkeit in Schweden, um von sich abzulenken und seine großen Pläne umzusetzen. Derweil arbeitet August Novak in Chile für einen russischen Großkriminellen und träumt davon mit seiner Freundin Valeria irgendwann nach Schweden zurückzukehren.

Mein Eindruck:
Pascal Engman zeigt hier ein erschreckendes Szenario, dass mit den aktuellen und politisch brisanten Themen Fremdenfeindlichkeit, "Lügenpresse" und Rechtsextremismus spielt. Es gelingt ihm, aus verschiedenen Perspektiven heraus, diese Themen aufzugreifen und zu einer fiktiven Geschichte zu verbinden. Dabei regt er - ohne erhobenen Zeigefinger - den Leser an vielen Stellen zum Nachdenken an. Insgesamt skizziert er einen bedrohlichen und erschreckenden gesellschaftlichen Umbruch, der dabei sehr realistisch wirkt. Dies liegt vor allem an den einzelnen Charakteren, die sehr lebhaft und nachvollziehbar beschrieben werden. Sie erhalten ihren individuellen Hintergrund und ihr Handeln wirkt daher für sich stets nachvollziehbar. Die Beschreibungen der rechtsradikalen Denkweise und die Rechtfertigungen des mörderischen Handelns gehen bei genauerem Hinsehen unter die Haut.
Als Leser muss man sich zu Beginn erst einmal in die Figuren hineinfinden, da sie zunächst nur unterschwellig um die Sympathiepunkte des Lesers werben. Ein paar Seiten benötigt man schon, um die Charaktere alle kennenzulernen und sich für die richtige Seite der Geschichte zu entscheiden. Die Anzahl der tragenden Figuren und damit die Komplexität des Buches erscheint zunächst etwas hoch. Nach dem Einlesen verschwindet dieser Eindruck aber sehr schnell.
Die Spannung springt bereits auf den ersten Seiten mit einem kaltblütigen Mord dem Leser ins Gesicht. Sie kann über die gesamte Geschichte gehalten und gesteigert werden. Kurze Kapitel und häufige Wechsel der Perspektiven tragen ihren Teil hierzu bei. Zu Beginn erscheinen die Zusammenhänge und Hintergründe der einzelnen Personen noch etwas trocken und undurchsichtig, was aber durch die sehr lebendigen und teils sehr temporeichen Geschehnisse von August Novak in Chile ausgeglichen werden kann. Im weiteren Verlauf verändern und verstärken sich die Spannungs-Hotspots immer wieder, so dass eine sehr abwechslungsreiche Geschichte mit unerwarteten Entwicklungen und Wendungen entstanden ist.
Der Schreibstil unterstützt die Figuren und die Handlung. Das Buch lässt sich sehr angenehm lesen.

Fazit:
"Der Patriot" ist nicht nur mit brandaktuellen Themen gespickt, sondern bietet eine sehr spannende Geschichte mit lebendigen Figuren und einer sehr gut konstruierten Story. Der politische Hintergrund macht das Buch umso realistischer und regt zum Nachdenken an.