Kein Preis für die Untreue

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kathuna Avatar

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„Der Preis der Treue“ ist der erste Roman der Pariserin Diane Brasseur. Die 35-jährige Autorin ist bisher eher im Filmgeschäft tätig gewesen und hat renommierte Regisseure wie Albert Dupontel bei der Drehbuchkontrolle unterstützt.

Stringentes Erzählen ist nicht ihr Ding, verdichtetes um so mehr. Aus der Perspektive eines verheirateten Mannes erleben wir dessen Beziehung zu der dreiundzwanzig Jahre jüngeren Alix, gleichzeitig eine Zustandsbeschreibungen seiner Ehe nach nun 19 Jahren, die Beziehung zu seiner Tochter und seinem schwer kranken Vater.

Das Verhältnis zu Alix währt ein Jahr. In Schlaglichtern, zeitlich oft schwer zuzuordnen, wird die Entwicklung der Beziehung dargelegt. Eine widersprüchliche Entwicklung, ein Hin- und Hergerissen sein zwischen den Frauen, letztlich stets in einer Zuspitzung auf ihr sexuelles Verhältnis. Namenlos wie fast alle Agierenden bleiben die Charaktere fast unkenntlich, auch wenn ihre Handlungen sie charakterisieren, bleiben keine Vorstellungsbilder zurück. Typologisch sind hier nur der alternde Liebhaber, dem die Absurdität seines Verhaltens in einer Vision mit seiner Tochter vor Augen gehalten wird, die betrogene Ehefrau und die Geliebte, der immerhin ein Name zugestanden wird. Alle bleibt aber blass.
So wie der Ich-Erzähler recht langatmig monologisiert und orientierungslos durch sein Beziehungschaos taumelt, so fühlt sich auch der Leser strukturlos durch den Roman geführt. Nur gut, dass dieses zwar unbeendete Beziehungschaos schon nach 174 Seiten endet. Nach zwei Stunden Lesezeit gibt es zwar keinen Preis für die (Un)Treue, aber auch nicht viel Trauer um die verlorene Zeit.