Spagat in zwei Welten

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
58hmk Avatar

Von

"Der Sandmaler" ist nach Mankells erster Reise nach Afrika im Jahre 1972 entstanden.

Es ist ein Frühwerk, das eine andere, unbekannte Seite des allseits beliebten "Bestselller-Krimi-Autors" zeigt. Die ganze Bandbreite der Faszination des afrikanischen Kontinents kommt hier zum tragen, die beginnende große Liebe Mankells zum schwarzen Kontinent. Seit dieser Zeit stand er immer mit einem Bein in Nordeuropa, mit dem anderen in Afrika.

Es ist "nur" eine kleine Geschichte einer jungen Frau aus kleinen Verhältnissen, die ihre erste Auslandsreise zusammengespart hat und voller Erwartungen und Neugier auf die Welt ist. Und es ist die Geschichte von Stefan aus reichen Haus, dem alles zufliegt.

Beide kennen sich aus der Schulzeit und von einer kleinen Liebelei, die bei Beiden keinen großen Eindruck hinterlassen hat. Zufällig fliegen sie gemeinsam und beschließen auch aus Bequemlichkeit und weil man sich halt kennt, ab und zu einiges zu unternehmen. Während Stefan die Zeit am Strand mit Alkohol und mit willigen jungen Mädchen genießen will, ist Elisabeth an Land und Leuten interessiert. Sven, Lehrer, und im selben Hotel wohnend, klärt sie über die Kolo-
nialvergangenheit auf, über Ausbeutung der Menschen, der Bodenschätze, über die grausame Überheblichkeit der Weißen. Der kleine Ndou, ein Junge aus den Slums, wird ihr Touristenführer, stellt sie auch seiner Familie vor. Elisabeth gewinnt tiefe Einblicke in die Armut und den Überlebenswillen der schwarzen Bevölkerung.......

Stefan und Elisabeth streiten und vertragen sich - jeder hat seine ureigene Sichtweise. Stefan wird nach seiner Rückkehr weiterhin in Vaters Firma den kommenden Chef geben, Elisabeth jobbt als Hausmeisterin in einer Bibliothek......
Was werden sie aus ihrem Leben machen? Elisabeth jedenfalls wurden die Augen für viele Zusammenhänge geöffnet... Macht sie das zu einem besseren Menschen? Hat das Auswirkungen auf Menschen, die sie in Afrika kennengelernt hat?

Es ist eine glaubhaft skizzierte kurze Phase im Leben junger Menschen beider Kontinente. Schon in diesem (für Mankells Verhältnisse kleinen) Roman zeigt sich das beginnende Können des Autors, hinter die Kulissen zu schauen, die Menschen zu analysieren und Zusammmenhänge aufzuzeigen. Eine unaufgeregt geschriebe-
ne Geschichte voller Poesie - und auch ohne Leiche - lesens- und (auch heute noch) nachdenkenswert.