Der Tag, an dem ich fliegen lernte Stefanie Kremser

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leseratte87 Avatar

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Luisa auch Lulu genannt, lernt nur 4 Stunden nach ihrer Geburt fliegen und zwar aus dem Fenster im 5. Stock der Geburtsklinik. Sie fällt aus den Armen ihrer Mutter Aza, Brasilianerin mit deutschen Wurzeln, die direkt nach dem unfreiweilligen Flug spurlos verschwindet. Keiner außer ihr weiß, ob dieser Sturz ein Unfall war, ob Aza ihr Kind extra hat fallen lassen und wohin sie verschwunden ist.
Zum Glück ist die Geschichte von Lulu hier aber noch nicht zu Ende, denn der hoffnungsvolle Romanitiker und Rugby Spieler, Fergus, der seine Heimat London extra für eine Frau verlassen hat, ist zur Richtigen Zeit am richtigen Ort, um Luisa aufzufangen und ihr so das Leben zu retten und uns Lesern eine unterhalsame Geschichte zu liefern.
Trotz dem Verschwinden ihrer Mutter hat Luisa eine glückliche Kindheit. Gut behütet wächst sie in einer Münchener-WG mit ihrem Vater Paul, erst Student und später Lehrer und der Aza all die Jahre sehr nachtrauert, mit dem talentierten Comiczeichner Max sowie mit dem leicht verrückten Hyppiemädchen Irene, die heimlich in Paul verliebt ist, auf. Später erhalten sie WG-Zuwachs durch Fergus, der frisch getrennt von seiner Freundin ein neues zu Hause sucht. Und auch Pauls Eltern sind immer für Lulu da, so dass es ihr an nichts fehlt. Luisa ist sich deshalb auch gar nicht sicher, ob sie überhaupt eine Mutter hat, zumindest fehlt ihr keine.
Das alles ändert sich, als Irene einen Selbstmordversuch unternimmt und so ein Brief von Aza auftaucht. Dieser gibt dem Leben von Luisa und Paul eine neue Kehrtwendung, viele unbeantwortete Fragen tauchen auf und so brechen die beiden auf, um Aza zu suchen und Klarheit in Lulus Vergangenheit zu bringen. Dabei begeben sie sich auf eine Reise zu Azas Wurzeln in Hinterdingen und in den Dschungel Brasiliens, wo sie auf eine deutsche Gemeinde stoßen, deren Vorfahren am Ende des 19. Jahrhunderts nach Brasilien auswanderten.

Insgesamt erzählt Stefanie Kremser eine wunderbare Familiengeschichte in Deutschland und Brasilien. Diese ist ganz anders, als ich zu Beginn vermuten hatte. Doch sie hat viel Charme sowie Warmherzigkeit und ist mir dadurch ganz schnell ans Herz gewachsen. Vor allem dadurch, dass die Erzählstimme eine 7. jährige ist, erhält der Roman einen sehr unterhaltsamen und turbulenten Charakter, der mir sehr gut gefällt. Auch lässt sich das Buch so sehr flüssig und leicht lesen. Die Charaktere sind dabei sehr liebevoll beschrieben und wirken sehr lebndig.
Schön finde ich noch, dass man nebenbei auch etwas über die Geschichte der Deutschbrasilianer erfährt und mir so noch mal selbst bewusst wurde, was Heimat für mich überhaupt bedeutet.
Vielen Dank deshalb an Stefanie Kremser, die mir einige schöne Lesestunden beschert hat, auch wenn diese viel zu schnell verflogen sind.
Der Tag, an dem ich fliegen lernte werde ich sicherlich noch ein weiteres Mal lesen und ich freue mich in Zukunft auf andere turbulente und unterhaltende Geschichten von Frau Kremser.