Ein gelungenes Werk

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alan Avatar

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Aza, eine Brasilianerin, ist in München beim Tropeninstitut angestellt. Hier lernt sie den Praktikanten Paul kennen. Die beiden kommen sich näher und schon bald ist Aza schwanger. Sie fährt ins Krankenhaus, bekommt eine kleine Tochter mit den gleichen roten Haaren, wie sie es hat. Hier kommt es zu einem Unglück: Ein paar Stunden nach der Entbindung setzt Aza sich auf die Fensterbank des Krankenzimmers und lässt das Neugeborene einfach fallen. Luisa fällt 5 Stockwerke tief. Zu ihrem Glück fängt Fergus, ein zufällig vorbeikommender Rugbyspieler aus Greenwich sie auf. Die unglückliche Aza flüchtet zurück nach Basilien. Luisa wächst bei ihrem Vater Paul in einer Wohngemeinschaft mitten in München auf. Sie ist ein glückliches Kind. Doch als sie 7 Jahre alt ist, bekommt ihr Leben eine Wendung. Plötzlich taucht eine kurz nach ihrer Geburt geschriebene Nachricht von Aza auf. Paul und Luisa beschließen nach Brasilien zu gehen, um Aza zu suchen. Doch vorher führt sie die Reise in das bayerische Hinterdingen, ein Dorf, das in der Vergangenheit von Azas Familie ein große Rolle spielte.

Mein Eindruck:

Dies ist der dritte Roman von Stefanie Kremser. Schon ihre bisherigen Werke ‚Postkarte aus Copacabana’ und ‚Die toten Gassen von Barcelona’ waren fesselnde Romane.  Sie ist in Sao Paulo aufgewachsen und der Leser spürt ihre Liebe zu dem Land, in dem ihr neues Buch teilweise spielt.

Dieser schöne, warmherzige Roman verzaubert, lässt brasilianische Bilder vor dem inneren Auge entstehen. ‚Der Tag, an dem ich fliegen lernte’ ist ein fesselndes Epos, denn das Buch hat alles, was einen spannenden Roman ausmacht. Liebe, Leidenschaft, Verzicht und eine geheimnisvolle Familiengeschichte. Hinzu kommt, dass die Autorin eine Story entwickelt, die bunt, schrill, zuweilen skurril, immer voller Leben ist und den Leser mit überraschenden Wendungen zum Staunen bringt. An dieser Stelle sein nur verraten, dass mich gerade der Schluss des Buches fasziniert und wirklich überrascht hat.

Die Protagonisten sind liebevoll gezeichnet, man sieht sie vor sich, würde sich nicht wundern, ihnen auf der Straße zu begegnen.

Auch ein Stück gut recherchierte Zeitgeschichte ist dabei: Die hoffnungsvollen Auswanderer, welche unter fadenscheinigen Gründen in die neue Welt gelockt wurden und dort bittere Not litten, sich auf Plantagen verdingen mussten, um ihre Überfahrt abzuarbeiten, hat es durchaus gegeben.

Azas Geschichte ist gut nachzuvollziehen, nach und nach werden ihre Beweggründe aufgedeckt, wobei der Leser grade durch die Häppchenweise ‚Aufdeckung’ neugierig bleibt, wissen will, wie es weitergeht.

Ich habe den Roman mit seinen 300 Seiten in einer Nacht ausgelesen, denn die Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Zeile fasziniert.

 

‚Dr Tag, an dem ich fliegen lernte’ – meine unbedingte Leseempfehlung für diesen tollen Roman.