Abenteuerlicher Auftakt mit sympathischen Figuren

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miriamel Avatar

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Inhalt
Hadrian und Royce sind zwei Diebe, die besondere Aufträge übernehmen, die ihren reichen Aufraggebern zu gefährlich oder zu schmutzig sind. Als begnadeter Schwertkämpfer und listiger Dieb bilden die beiden dabei ein besonders erfolgreiches Team, das vor keiner noch so schwierigen Aufgabe zurückschreckt. Als sie einen vermeintlich einfachen Auftrag annehmen, ahnen sie nicht, dass sie dabei in eine Falle geraten und für den hinterhältigen Mord am König verantwortlich gemacht werden. Intrigen und Verrat beherrschen offensichtlich den königlichen Hof und es beginnt eine abenteuerliche und gefährliche Suche nach den Drahtziehern. Denn Hadrian und Royce sind nicht bereit, für ein Verbrechen auf dem Scheiterhaufen zu landen, das sie nicht begangen haben ...

Meine Meinung
Man wird schnell in die Geschichte hineingeworfen, denn ohne langes Vorgeplänkel oder Umschreibungen ist man gleich mittendrin im Geschehen und lernt die beiden Hauptfiguren in einer misslichen Lage kennen. Wer und was sie sind und wie die Situation in ihrer Welt ist, erschließt sich dann nach und nach in Handlung und Dialogen. Temporeich und schnörkellos bleibt der Stil der Geschichte. So werden z. B. Verdächtigungen und Missverständnisse nicht ewig mit sich herumgetragen, sondern meist ziemlich bald aufgeklärt und damit die Handlung schnell vorangetrieben. Längen habe ich so beim Lesen nie empfunden, teilweise ging es mir sogar fast zu schnell. Etwas vermisst habe ich zudem, zu erfahren, wie die beiden Diebe sich kennengelernt haben, bzw. warum sie so ein enges Team geworden sind. Dazu gibt es jedoch, wie ich gesehen habe, separate Romane in englischer Sprache, die ich dann wohl mal lesen werde, nämlich „The Riyria Chronicles“. Diese Reihe liegt chronologisch vor der Reihe „The Riyria Revelations“, von der dieser ins deutsche übersetzte Teil „Der Thron von Melengar“ der erste Band ist. Die Lesereihenfolge der beiden Reihen ist dabei aber laut gefundener Informationen egal und wie es bei Reihen ist, dringt man mit der Zeit ja von alleine immer mehr in die Welt und Figuren hinein.

Es fehlt bei diesem schnellen Stil zwar (noch) etwas die Tiefe der Figuren, trotzdem mochte ich sie und auch die Nebenfiguren gleich sehr, denn sie sind lebendig beschrieben, haben alle ihre besonderen Eigenarten und strahlten für mich gleich eine besondere Sympathie aus. Der Autor gewährt aber bisher eben nur kleine Einblicke in das Innenleben der Charaktere, für tiefere Nähe bleibt in diesem ersten Buch erst einmal keine Zeit. Ich entwickelte daher auch keine besonders große Sorge um die Protagonisten. Ich hatte nicht wirklich Angst, dass ihnen ernsthaft oder längerfristig etwas zustößt, im Gegenteil: ich konnte recht entspannt die Abenteuer verfolgen und Spaß daran haben.

Und das wiederum hat mir gut gefallen. Es machte richtig Spaß, dieses Buch zu lesen. Nicht nur die waghalsigen und spannenden Aktionen machten Spaß, sondern es sorgten auch die humorvollen und provozierenden Dialoge zwischen den Dieben untereinander und ihren Gegenspielern und Freunden dafür, dass ich mich köstlich amüsierte. Es war deutlich zu erkennen, wie gut die beiden sich kannten und mochten, und obwohl die beiden so unterschiedlich sind (Hadrian ist offen und übermütig, Royce eher vorsichtig und verschlossen), spürte man ein besonderes und enges Band zwischen ihnen. Anfreunden konnte ich mich dabei sofort mit den so sympathischen Figuren, so dass ich mich jetzt schon darauf freue, sie in weiteren Büchern noch besser kennenzulernen.

Ihr Abenteuer liest sich für mich ein bisschen wie eine Mischung aus „Die drei Musketiere“ und „Robin Hood“ (hierbei wurde ich vom Humor her besonders an die TV-Serie von BBC erinnert): Unerschrockene und draufgängerische Protagonisten, temporeiche und spannende Zweikämpfe mit dem Schwert, listenreiche und überraschende Aktionen zur Überrumpelung des Feindes, Selbstüberschätzung ohne wirklich Schaden dabei zu nehmen, Sympathie für Schwächere und natürlich humorvolle Wortgefechte und Kabbeleien untereinander und mit dem Feind. Aber auch eine angedeutete ernsthaftere Seite. Es zeigt sich doch am Schluss noch, dass die weiteren Bände wohl auch den beiden Dieben noch mehr Tiefe geben werden.

Die Welt ist dem Mittelalter angelehnt mit Königen, Herzögen, Burgen und Schlössern. Wären nicht manchmal noch ein paar Zwerge, Elben, Zauberer und auch Magie vorgekommen, hätte ich vergessen können, einen Fantasy-Roman zu lesen, da sich diese Figuren zudem wie selbstverständlich einfügten. Ich kann dieses Buch deshalb auch Lesern empfehlen, die eher wenig mit Fantasy anfangen können, aber sehr gerne Mantel-und-Degen-Abenteuer lesen. Ich lese beides sehr gerne, entsprechend gut hat mir diese Mischung gefallen! Für mich ein toller Auftakt zu einer vielversprechenden Reihe mit Protagonisten, die ich jetzt schon ins Herz geschlossen habe und sehr gerne weiter auf ihren Abenteuern begleiten will. Ich hoffe, die anderen Teile werden auch noch übersetzt. Aber vielleicht warte ich gar nicht so lange und lese gleich das englischsprachige Original.