Etwas verworren, aber trotzdem gut

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helga Avatar

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Zwei Jungs gehen mit ihrem Hund spazieren, wobei der Hund plötzlich eine Witterung aufnimmt und anfängt ein Loch zu graben und einen linken Arm zum Vorschein bringt. Nachdem die Kriminalpolizei und die Spurensicherung ihre Arbeit aufnimmt, werden insgesamt fünf dieser Gräber gefunden, jedes mit einem linken Arm. Offensichtlich handelt es sich um die fünf Mädchen, zwischen neun und dreizehn Jahren, die in letzter Zeit verschwunden sind. Doch dann wird noch ein sechster Arm gefunden, bei dem man aber nicht weiß, zu wem er gehört, daher wird vermutet, dass dieses Mädchen noch lebt.

Der Crew der Mordkommission werden noch der Kriminologe Goran Gavila, ein Spezialist, der sich in die Vorgehensweise eines Mörder hineinfinden kann, und Mila Vasquez, eine Spezialistin für Personensuche, hauptsächlich Kinder, beigestellt, da nun die Suche nach dem sechsten Kind vorrangig ist.

Der Mörder bekommt von der Mordkommission den Namen „Albert“ verpasst. Es dauert auch nicht lange, bis er sie die ersten Leichen finden lässt, an Orten, wo sie keiner vermuten würde. Alles ist von „Albert“ sehr gut konstruiert und durchdacht, er hinterlässt einfach keine Spuren. Im Gegenteil, man merkt im Verlauf an den Opfern, wie er immer sicherer wird. Und im Zuge der Ermittlungen stellt sich heraus, dass „Albert“ sich nicht ein Kind aussucht, sondern Familien, die nur ein einziges Kind haben und dafür will er sie bestrafen. Die Suche nach den Eltern des sechsten Kindes verläuft im Sande, es meldet sich niemand.

Die ganze Geschichte ist sehr raffiniert und verschachtelt, weil im Zuge der Ermittlungen zusätzlich noch andere Fälle auftauchen, die nicht gelöst waren. Man hat immer wieder das Gefühl, jetzt steht man „Albert“ gegenüber und dann ist es doch wieder nicht so und man wird wieder auf eine andere Spur geführt. Die Zeit drängt, da die Crew vermutet, dass das sechste Mädchen das Finale werden soll.

Durch die vielen Fälle, die zwischendurch eingebaut sind, ist es vielleicht etwas verwirrend, aber ich finde es trotzdem sehr interessant und der Verlauf hat nach wie vor eine gerade Linie, auch wenn es manchmal etwas überspitzt ist. Die Personen sind mir etwas zu oberflächlich dargestellt, obwohl man einige Hintergründe erfährt, wobei aber manche wiederum eine verkorkste Lebensgeschichte haben. In letzter Zeit frage ich mich immer öfter, gibt es überhaupt noch „normale“ Protagonisten, die keine Säufer sind, nicht vom Partner verlassen wurden, keine unaufgearbeitete psychische Vergangenheit und keine Depressionen haben?

Trotz der vielen Verschachtelungen, ist der Schreibstil sehr locker und gut zu lesen. Auch die einzelnen Abschnitte sind nicht zu lange und mir persönlich hat auch der Aufbau der Geschichte gut gefallen, auch wenn es vielleicht etwas überzogen ist. Das Böse hat eben viele Möglichkeiten sich zu zeigen, und spannend war es auf jeden Fall.
 

 

Lesen ist ernten, was andere gesät haben (unbek.)