Beängstigendes Szenario

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strandläuferin Avatar

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Sie wacht in einem fensterlosen Raum auf, liegt in einem Krankenbett und ist an diverse Geräte angeschlossen. Keine Klingel an ihrem Bett, kein anderer Patient neben ihr – sie weiß überhaupt nicht, wo sie ist und was passiert ist. Ihre letzte Erinnerung ist, dass ihr Sohn Lukas von einem Mann in ein Auto gezerrt und weggebracht wurde. Und sie selbst, sie kam eigentlich gerade aus einem Restaurant, wo sie mit ihrer besten Freundin Elke beim Essen war…
Und während sie noch versucht, ihre Gedanken zu ordnen, taucht ein ominöser Arzt auf, der ihr sagt, dass sie eigentlich bei klarem Verstand zu sein scheint, bis auf eine Sache: sie habe keinen Sohn!
Sibylle Aurich kann es nicht glauben. Es gelingt ihr, aus dem Krankenzimmer zu fliehen, und instinktiv macht sie sich dorthin auf, wo sie gewohnt hat. Zu ihrem Mann Hannes, und zu ihrem Sohn Lukas will sie. Das ist alles. – Doch der Schock könnte zu Hause kaum größer sein: Hannes behauptet, sie nicht zu kennen, behauptet, sie hätten keinen gemeinsamen Sohn. Nicht einmal auf den Erinnerungsfotos, die im ganzen Haus stehen, ist sie zu sehen. Die Bilder müssen manipuliert worden sein.
Niemand will Sibylle Aurich glauben, auch die Polizei nicht. Die behaupten sogar, sie sei überhaupt nicht Sibylle Aurich, sondern habe vermutlich etwas mit der Entführung der jungen Frau zu tun, die vor zwei Monaten spurlos verschwunden ist. Was ist los? Haben sich alle gegen sie verschworen?
Sibylle beschließt, die Wahrheit herauszufinden, doch das ist gar nicht so einfach, wenn man weder weiß, wem man trauen kann, noch, wer man wirklich ist und was mit einem geschehen ist. Aber Sibylle gibt nicht auf und kommt schließlich einer atemberaubenden Geschichte auf die Schliche…

Dieser Thriller ist wirklich gut. Die Geschichte ist spannend und gut durchdacht, vielleicht an mancher Stelle auch ein bisschen zu stark, denn gerade am Ende war mir das Verwirrspiel, wer denn nun „gut“ oder „böse“ ist, ein bisschen zu viel.
Natürlich erinnert die Geschichte irgendwie an Sebastian Fitzeks „Splitter“, wenn man das erste Mal von ihr hört, aber es handelt sich bei „Der Trakt“ nicht um einen Abklatsch dieses Buches, sondern um eine völlig eigene Geschichte, die sich sehr spannend lesen lässt.
Erzählt wird aus der Sicht von Sibylle Aurich, nur selten kommt auch noch mal Hans als Protagonist hinzu, aus dessen Sicht dann die Ereignisse geschildert werden. Er ist einer von den „Bösen“ und Sibylle auf den Fersen - gerade die Kapitel mit ihm sind darum sehr spannend, weil es immer Andeutungen auf die Verschwörung gibt, der Sibylle zum Opfer fiel, auf die man sich aber natürlich nicht wirklich einen Reim machen kann.
Auch die Aufteilung in kurze Kapitel hat mir sehr gut gefallen, man hatte das Gefühl, dass die Erzählung gerade durch das Innehalten vor den neuen Kapiteln manchmal noch spannender wird. Vor allem dann, wenn mit dem neuen Kapitel die Erzählperspektive verändert wurde.
„Der Trakt“ ist ein gut konstruierter, lesenswerter und spannender Thriller, der ein beängstigendes Szenario entwirft, in das man sich als Leser gut einfühlen kann und in dem man bis zum Ende mitfiebert.