Der wahrhaftige Volkskontrolleur

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qendrim Avatar

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Pawel wird auf der Versammlung der Kolchose zum Arbeitskontrolleur auf Lebenszeit gewählt. Er besitzt von nun an die ehrenvolle Aufgabe, Werke und Institutionen der gesamten Sowjetunion zu kontrollieren. Grenzenlose Ehrlichkeit und der Glaube an sein Vaterland prädizinieren ihn geradezu. Schon am nächsten Tage verlässt er sein kleines Heimatdorf, Frau samt Kindern, um das große Heimatland als Volkskontrolleur zu entdecken....

In einem zweiten Strang erscheint ein Engel, der freiwillig das Paradies verließ, auch um dieses unbekannte Land zu erkunden. Keiner der Bewohner dieses Landes schafft jemals den Weg ins Paradies. Dies will der Engel aber nicht glauben und macht ich daher auf die Suche nach dem einen Gerechten, den er ins Paradies führen will .....

Anfänglich etwas verwirrend geschrieben, machen beide Erzählstränge vielleicht doch Sinn? Schnell gewinnt man den Eindruck, dass Pawel, dessen Ehrlichkeit schon weit an Dummheit grenzt, wohl der einzig Gerechte dieses Landes ist. Wird der Engel ihm die Pforten zum Paradies öffnen? Mir gefällt der Stil des Autors, weil er es versteht, detailvolle Beschreibungen und Sarkasmus und Ironie zu verbinden. Er stellt wunderbar realistisch Orte und Situationen dar, beschreibt  Zustände und gibt den Menschen, die in diesem System lebten Gesicht und Charakter. Desolate Zustände, nicht nur in der Infrastruktur sondern auch in den Köpfen der Menschen....

Ich kann nur vermuten, dass mit dem erfundenen Posten eines Volkskontrolleurs, der zudem noch für die gesamte SU zuständig sein soll, ein realistisches Bild des damals vorherrschenden Systems erzeugt werden soll. Wirklichkeit und Fiktion passen bisher sehr gut zusammen.