Durchs wilde Absurdistan

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pandanoid Avatar

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Dem Buch "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" von Andrei Kurkow merkt man den Charakter des Wandelbaren ebenso an wie seinem Autor, der neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller u. a. Redakteur, Gefängniswärter und Kameramann war, geradezu an.

Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick ziemlich abstrus und verwirrend, man fragt sich unweigerlich nach Sinn und Motivation hinter der surrealen Fassade der Handlung. Die ins beinahe schon nach schleichendem Wahnsinn des Autoren anmutende Übertreibung trägt jedoch dazu bei, dass man gerade die bedeutsamen Aspekte deutlich herausfiltern kann, so sehr, dass man glauben mag, es geht einzig um die Pointe und die dafür vorgesehene Geschichte ist eigentlich reiner Mittel zum Zweck, ein humorvolles allerdings.

Auf der einen Seite der Geschichte gibt es Pawel, ungefähr so beliebt wie ein amerikanischer Mondlandungsfake, der aufgrund seiner "herausragenden Gerechtigkeit" zum Volkskontrolleur ernannt wird, was vermutlich ebenso (wenig) sinn- und hilfreich ist wie das heutzutage in Wirtschaft und Verwaltung angewandte Instrument des Controlling. Auf der anderen Seite ein Engel, auf Erden unterwegs eben auf der Suche nach einem wahrhaft Gerechten, dessen gottgegebene Gutmütigkeit prompt zum Kleidungswechsel mit einem Fahnenflüchtigen missbraucht und postwendend bestraft wird. Immerhin ergeht es dem flüchtigen Tunichtgut auch nicht viel besser, denn beide laufen zielstrebig in die Arme ihrer Häscher oder eben die des jeweils anderen.

Insgesamt ist Kurkows Werk ein Interessantes, im Guten wie im Schlechten, denn ich bin noch nicht so recht sicher, wo die Reise hingehen wird. Zündet der skurrile Humor bis zum Schluss oder geht dem Buch schneller die Puste aus als einem Lada bei mehr als dreiprozentigem Fahrbahnanstieg? Man darf gespannt sein, ich bin es auf jeden Fall und würde mich freuen einen genaueren Einblick in das Buch erhaschen zu können.