Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

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Andrej Kurkow begleitet in seinem Roman "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" insbesondere vier Hauptfiguren für einen kurzen Teil ihres Lebens und lässt den Leser spüren, wie diese Menschen leben, denken und fühlen. Erstens Pawel Dobrynin, der nach der Ernennung zum Volkskontolleur der Sowjetunion auf Lebenszeit Heimat und Familie zurücklässt und zu einer Reise ins Ungewisse aufbricht. Zweitens ein aus dem Paradies entflohener Engel, der zusammen mit weltlich Desertierten das Gelobte Land auf Erden sucht und mit dem überraschenden und ungekannten Gefühl der partnerschaftlichen Liebe dem Paradies ein kleines Stückchen näher rückt. Drittens der pflichtbewusste und vereinsamte Schuldirektor Banow, der die "Mutter" eines Schülers und sich selbst wieder zum Träumen bringt. Und schließlich der Künstler Mark, der mit seinem sprechenden Papagei Kusma die Führungselite der Sowjetunion zum Weinen bringt.

Vier Geschichten, getrennt voneinander abschnittsweise abwechselnd erzählt und doch miteinander eng verwoben. Sie erzählen dem Leser von Treue und Verrat, Kontrolle und Vertrauen, Leben und Tod, Annehmen und Hinterfragen, Vernunft und Gefühl. Doch Andrej Kurkow spricht die Problematik der einzelnen Geschichten nicht offen an, sondern überlässt das Deuten dem Leser, der zwischen den Zeilen den Hauptfiguren etwas näher kommt. Es ist ein außergewöhnliches Buch, das die ganze Aufmerksamkeit des Lesers fordert, aber dem es gelingt, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Entscheidend ist dabei nicht, was und wie der Autor erzählt, denn dies geschieht in einer fast nüchtern deskriptiven Weise, sondern was diese Geschichten im Leser auslösen und wie dies geschieht. Insgesamt ein Buch, das mich noch eine Weile beschäftigen wird und noch einige Fragen offen lässt.