Verschenktes Potential

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leseratte87 Avatar

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Wir erleben drei Frauen von drei unterschiedlichen Kontinenten, die eins verbindet: Willenskraft und Mut.
Smita lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Nordindien. Sie gehören der niedrigsten Kaste - den Dalits (Unberührbare) - an. Smita verrichtet niederste Arbeiten und möchte diesem Teufelskreis entfliehen.
Giulia aus Sizilien arbeitet in der Fabrik ihres Vaters. Sie möchte die Familientradition und die Fabrik aufrecht erhalten.
Sarah, Anwältin aus Montreal und alleinerziehende Mutter wird schmerzlich bewusst, dass ihr Job nicht alles ist.
Die drei Frauen kommen zu dem Entschluss, dass sie in ihrem Leben etwas gravierend ändern müssen und dafür benötigen sie eine ordentliche Portion Mut und Selbstbewusstsein.

Die Autorin hat damit ein bewegendes und gefühlvolles Erstlingswerk geschaffen, dass einen in den Bann zieht. Es zeichnet sich dabei nicht durch eine künstlerische Sprache aus, sondern ist in einer einfachen Art verfasst, aber dennoch ist der Schreibstil etwas besonderes.
Die Handlung an sich ist relativ simpel gestrickt und auch schnell vorhersehbar, zudem gibt der Klappentext zu viel vor. Wer sich überraschen lassen möchte, sollte diesen lieber nicht lesen.
Leider gibt es auch bei den einzelnen Charakteren keine Entwicklung oder überraschende Wendungen. Natürlich hat jede der drei Geschichten interessante und auch spannende Momente.
Im Nachhinein empfinde ich aber nur Smitas Geschichte besonders. Ich habe viel über Indien und das Kastensystem erfahren, beispielsweise die noch heute vorherrschende Diskriminierung der Frauen und Mädchen. Hier von hätte ich gerne mehr gelesen. Besonders schade finde ich, dass ihr Erzählstrang ein so offenes Ende hat und wir nicht erfahren, was mit ihr passiert.
Sarah hat in der Geschichte meiner Meinung nach zu wenig Stimme bekommen. Vor der Krankheit werden ihre Überlegungen und Grundzüge gut dargestellt und auch die Ausgrenzung durch ihre Kollegen finde ich nachvollziehbar. Aber am Ende kommt Sarahs Geschichte zu kurz, die Entwicklung vom funktionierenden Arbeitstier zur Überlebenden wird nicht groß ausgeführt und auch das Thema Haare, welches ja einen größeren Stellenwert im Buch hat, wird nur in Nebensätzen kommentiert. Hier hat die Autorin das Potential der Geschichte meines Erachtens nach nicht völlig ausgeschöpft.
Giulias Geschichte wurde für mich viel zu kurz abgehandelt und hat zudem ein übertrieben kitschiges Ende.

Fazit: Eine interessante Idee, deren Potential aber bei weitem nicht genug ausgeschöpft wurde und der zudem ein wenig Tiefe fehlt.