Rukelie als Ersatzkämpfer

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dubh Avatar

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Johann Wilhelm "Rukelie" Trollmann ist ein sehr wendiger Boxer, der vor allem durch seine neue Technik viele Boxsport-Begeisterte zu dieser Zeit fasziniert. Doch er ist auch ein Sinto, ein Fakt, der ihn für noch mehr Menschen zum Feindbild werden lässt - wenn er es nicht eh schon war. So wird er erst noch zum Spielball der nationalsozialistischen Führung des Boxverbandes gegen einen jüdischen Sportler, gewinnt die Deutsche Meisterschaft, nur um dann ebenso aus seinem geliebten Sport gedrängt zu werden.
Abgesehen davon, dass mich die Zeit des Geschehens sehr interessiert, muss ich gestehen, dass ich nicht allzu viel über Trollmann weiß, außer den groben Fakten. Deshalb bin ich auf dieses Buch sehr gespannt - zumal ich es sehr wichtig und auch schön finde, dass über ein in Vergessenheit geratenes Opfer des Nationalsozialismus ein Roman geschrieben wird…
Die Sprache der Autorin gefällt mir jedenfalls schon einmal sehr gut: die Beschreibungen zu Beginn, wie Trollmann sich auf den Ring zubewegt, wie er die Seile überwindet und auf seinen Gegner zutritt, ja, beinahe schon zufliegt, und die Reaktion des Publikums, die Begeisterung, die Anfeuerungen, die Schwärmereien der beiden Bäckersfrauen… Das alles ist sehr plastisch geschildert, so dass ich die einzelnen Szenen vor meinem inneren Auge sehen kann. Außerdem gefallen mir die kurzen Einblicke in die Gedankenwelt der Protagonisten, allen voran des Vorsitzenden, der voller Eigennutz und verblendeter Ideologie geleitet wird…
Die Leseprobe macht jedenfalls einen vielversprechenden Eindruck auf mich: ein wichtiges und interessantes Thema, eine passende, sehr bildhafte Sprache und gut beschriebene Charaktere. Ich möchte dieses Buch unbedingt lesen, das weiß ich nach 32 Seiten schon mal.