Gut angefangen, aber noch besser nachgelassen

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stephi Avatar

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Das Buch der verpassten Chancen: Chris Mackenbrock ist ein übergewichtiger Junge, der in der Schule häufig verspottet wird. Seine großer Schwarm Kathleen scheint unerreichbar. Ein Angebot, an sich zu arbeiten, lehnt er ab – und verpasst damit, wie er meint, die Chance seines Lebens, doch noch interessant für Kathleen zu werden. Über Jahrzehnte hinweg bestimmt diese eine Entscheidung sein Leben. Als er schließlich die Chance bekommt, alles anders zu machen, ergreift er diese ohne zu zögern. Schnell merkt er jedoch, dass das mit der Liebe nicht so einfach ist, wie er es sich dachte.

 

Das Buch lebt in erster Linie von der Sprache. Roger Schmelzer schreibt witzig, bringt viele lustige Vergleiche und verleiht Chris einen Charakter, der ihn ziemlich schnell gut zugänglich macht. Den Sticheleien seiner Mitschüler begegnet er mit viel Selbstironie, was am Anfang noch eigenartig oder gar übertrieben wirkt, aber schnell eigentlich nur noch Mitleid für ihn hervorruft. Beim Umgang mit seinen Freunden jedoch ist er locker und wird wie jeder andere akzeptiert. Unglücklicherweise steht Chris immer wieder seine Schwärmerei für Kathleen im Weg, wenn er Entscheidungen treffen muss. Dementsprechend stolpert gern mal von einer Katastrophe in die nächste und macht sich in seiner naiven Art (Verliebtsein ist das in meinen Augen nicht mehr) nicht nur einmal zum Idioten. Das ist zwar alles ganz witzig zu lesen, aber irgendwann wird es dann doch vorhersehbar und langweilig. Dadurch hat das Buch dann leider auch ein paar Längen.

 

Im zweiten Teil des Buches bekommt Chris dann kurz vor seinem 40. Geburtstag eine neue Chance – er ist plötzlich wieder 16 und kann alles besser machen. Die Idee ist eigentlich ganz witzig. Seine Probleme, sich wieder in sein 16-jähriges Ich hineinzuversetzen, sorgen für lustige Episoden. Nur leider stellt er dann nach und nach fest, dass auch der vermeintlich richtige Weg seine Tücken hat und ihm immer wieder Stolpersteine in den Weg gelegt werden. Immerhin entpuppt sich auch die Traumfrau als nicht ganz so traumhaft wie angenommen.

 

Das Buch gipfelt dann in einer unglaublich selbstlosen Entscheidung ganz am Ende. Chris, der sein ganzes Leben lang völlig naiv dieser einen Frau hinterher gerannt ist und seine Beziehungen zu anderen Frauen beständig in den Sand gesetzt hat, wird plötzlich erleuchtet und gibt sie frei – obwohl er damit wohl auch einfach Ruhe für sich selbst erreichen will. Das war mir letztlich doch etwas sehr dick aufgetragen. Ja, mag sein, dass er seinen Fehler erkannt hat, aber diese zum Teil unglaubliche Naivität seinerseits kann doch nicht einfach wie weggeblasen sein.

 

Das Buch war in weiten Teilen witzig, aber eben auch vorhersehbar und hat leider durch das Ende keinen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen. Es hat stark an gefangen und dann Stück für Stück nachgelassen. Die knapp 400 Seiten naiver Schwärmerei waren mir fast schon ein wenig zu viel des Guten.