Entzaubert...

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stephi Avatar

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Sergio Bambaren lässt den Leser an der offenbar wunderbarsten Reise seines Lebens teilhaben. Er reist zum Surfen nach Tobago, aber das Wetter spielt nicht mit, so dass er sich als Notlösung schließlich für das Tauchen entscheidet – eine gute Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellt.
Die Beschreibungen der Tauchgänge sind unglaublich beeindruckend. Bambaren versteht es sehr gut, seine Gefühle und Gedanken in der jeweiligen Situation zum Ausdruck zu bringen und ermöglicht es dem Leser beinahe, mit ihm zusammen in die farbenprächtige Unterwasserwelt abzutauchen.
Auch die Begegnungen mit verschiedenen Menschen auf der Insel beschreibt er sehr detailliert und vermittelt dadurch die Mentalität der Einwohner. Der Leser bekommt mit dem Buch ein Stück Lebensgefühl von Tobago „geliefert“, was ich natürlich als sehr positiv werte.
Dennoch zerstört Bambaren in meinen Augen einen Teil der von ihm aufgezeigten Traumwelt, indem er das Buch immer wieder mit Weisheiten spickt, die auf die Dauer doch ziemlich übertrieben wirken. Prinzipiell habe ich wirklich nichts gegen diese Dinge einzuwenden, wenn jedoch nach jeder Beschreibung der Insel oder der Erlebnisse eine Weisheit folgt, finde ich das doch etwas übertrieben.
Bambaren beschreibt beispielsweise seine Eindrücke eines Tauchgangs, berichtet von seiner Ergriffenheit usw. und bringt direkt danach eine Weisheit. Warum kann er die Eindrücke nicht einfach auf den Leser wirken lassen, wie er es in der Situation vermutlich selbst auch getan hat? Ich persönlich hätte das wesentlich besser gefunden.
Abgesehen von den Weisheiten hat auch das Ende und dabei besonders die Begegnung mit dem Manta Vieles von der Traumwelt zerstört. Bambaren „spricht“ mit dem Manta. Das war für mich absolut zu viel des Guten. Auch hier wäre die ausschließliche Beschreibung des Tauchgangs in meinen Augen die bessere Wahl gewesen.
Glücklicherweise konnte mich der Rückblick Bambarens auf die verlebten zwei Wochen auf Tobago ganz am Ende des Buches dann doch noch relativ versöhnlich stimmen. Er erklärt, was er für sich aus den Erfahrungen für Erkenntnisse gewonnen hat und inwieweit er in seinem zukünftigen Leben von eben jenen Erfahrungen beeinflusst werden wird.
„Die Bucht am Ende der Welt“ ist ein wunderbarer, sehr persönlicher Reisebericht, der leider durch eine Überdosis an Weisheiten einen Teil seines Zaubers einbüßt, aber dennoch empfehlenswert ist.