Eine Frau läuft sich frei

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Die Kanadierin Aganetha Smart ist 104 Jahre alt und blickt auf ein bewegtes sowie unkonventionelles Leben zurück.

1928 gewann die passionierte Läuferin bei den Olympischen Spielen in Amsterdam die Goldmedaille über 800 Meter.

Seit ihrer Kindheit auf der elterlichen Farm liebt es Aganetha, genannt Aggie, zu rennen, obgleich es zur damaligen Zeit alles andere als schicklich galt. Doch ihr Wille und Mut ist stark, was auch an den weiblichen Vorreiterinnen im Laufumfeld liegen mag.
Aber ihr Leben verläuft nicht ausschließlich erfolgreich. Viele Familienmitglieder sieht sie sterben und ihr Geliebter Johnny schleicht sich heimlich und leise aus ihrem Leben, als es ernst wird.

Carrie Snyders 349 Seiten starker Roman ist eine Hommage an die Weiblichkeit und deren Wagemut. Da stört es kaum, dass es sich bei Aganetha um eine fiktive Gestalt handelt. Die Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin Aganetha strotzt den Kriegen des 20 Jahrhunderts und zieht ihr Ding durch, man kann sie dafür nur bewundern.

Snyders sprunghafte Erzählweise, die von häufigen Rückblicken in Aganethas Kindheit und Jugend geprägt ist, forderte den Leser mehr als einmal heraus. Hatte man sich gerade in eine Szene eingelesen, so kam es ohne Umschweife zum Wechsel. Zudem gerieten hierbei einige Beschreibungen etwas langatmig. Spannend hingegen war die Auflösung einer bestimmten Lebensentscheidung Aganethas kurz vor Schluss. Inhaltlich haben mehr die privaten Rückschläge als Aggies sportlicher Erfolg und damit die leicht depressive Grundstimmung überwogen. Daher war es nicht immer einfach, die Seiten flüssig in einem Rutsch zu lesen. Vielmehr musste man mehrfach innehalten.

FAZIT
So oft man es auch versucht, man kann dem Leben nicht davonrennen. Man sollte es daher, lieber mit Gleichschritt probieren. Alles in allem ein solides Stück Literatur über eine mutige Frau.