Hanebüchen. Fragwürdiges Frauenbild (Beinahe-Vergewaltigung wohl okay??). Stil gut.

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stefaniefreigericht Avatar

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Tiefes Durchatmen: Gärtnerin verliert Mann durch Unfall und ist kreuzunglücklich (nicht verwunderlich). Gärtnerin nimmt Job an zur Ablenkung (hatte mit anderem Job nicht funktionert, aber gut) – auf Insel in Privatbesitz. Chef ist fast nie da, furchbar reich und sieht toll aus (was sonst), er ist aber ganz böse und gemein. Natürlich, und natürlich steckt da auch etwas dahinter. Oder nicht, denn trotz der (natürlich) furchtbaren Kindheit bleibt er gemein. Und Gärtnerin lässt sich das alles gefallen und verknallt sich (natürlich) in ihn. Er zeigt immer mal ein paar menschliche Seiten, um dann wieder den Idioten heraushängen zu lassen. Das war’s. Dazwischen ganz ganz dolle Dramen.

Nicht genug Klischee? Ich kann noch besser. Die meisten von uns Leserinnen haben Chefs. Stellen wir uns mal vor, unser Chef bekommt Besuch von seinem besten Freund. Die wetten miteinander, ob der Freund uns ins Bett bekommt – damit die Kerle so richtig schön was zum Lästern haben. Welche superdämliche Kuh arbeitet noch für den Idioten weiter?
Mann küsst Frau, Frau merkt, dass etwas nicht stimmt. Sie hört auf, sagt nein, sie mag das nicht, nein, nicht, lassen Sie mich. Mann hört nicht auf. Frau muss sich körperlich zur Wehr setzen. Das ist übrigens die Fortsetzung von oben. Sprich: Chef wäre beinahe an Vergewaltigung beteiligt gewesen durch die Wette. Die dumme Kuh arbeitet dort weiter.
Chef zwingt einen gerade trockenen Alkoholiker, eine ganze Flasche zu kippen. Er meint es übrigens ausnahmsweise gut dabei und die Flasche war ganz doll teuer.
Ganz ganz furchtbar skrupelloser Mensch wird verprügelt – und lässt es dabei bewenden. Muss ich ja nicht verstehen.

Und das ganz Schlimme: dieser Quark ist teils gar nicht einmal schlecht geschrieben:

„Wenn man sich nicht mehr spürt, ist alles grau. Und irgendwie wattig. Als würde man in einer Blase leben und mit der Welt da draußen nichts mehr zu tun haben.“ S. 7 Leon ist tot, der geliebte Mann von Toni (Antonia) Andersen, 32. Da sie es nicht schafft, aus dem Jammertal herauszukommen, erhält sie ein Angebot, zögert aber, bis sie hört:
„Sie werden noch so oft in Ihrem Leben von vorne anfangen müssen. Nehmen Sie es jedesmal als das, was es ist. Ein Geschenk. … Erst, wenn Sie merken, dass Ihre Zeit nicht mehr reichen wird. Dass Sie zu Ende bringen müssen, was Sie angefangen haben. Dann sollten Sie sich Sorgen machen.“ Und Toni fängt neu an, als Gärtnerin auf Monte Spina, für den reichen Max Bror, der praktisch nie vor Ort ist.

Gut geschrieben, aber leider auch mit so etwas wie „vertrocknet“ (die Witwe, die vor Gram drei Jahre keinen Sex hatte). Witzig fand ich den toten Gatten, der überall Kommentare abgab und Toni in den Hintern trat. Der verschwand dann irgendwie, auch seltsam, aber bis dahin nett.

Braucht man das? Nein. Hanebüchen, schlechtes Rollenmodell für Frauen. Käse.
2 Sterne weil der Stil ganz nett war – gebt der Autorin einen guten Plot. So.