Wunderbare Sprache mit Mängeln in der Erzählweise

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Der zweite Teil der Ferrante-Saga muss sich hohen Erwartungen stellen: Von Presse und Kritikern hochgelobt und als Folgeroman von "Meine geniale Freundin".
Ferrante gibt mit der Saga intime Einblicke über das Leben in Neapel in den 60er Jahren. Auf eine sehr persönliche Art und Weise beschreibt sie Elenas Geschichte, ihre Begegnungen mit anderen, Erlebnisse und was sie bewegt. Besonders bewegend ist ihr sprachlicher Ausdruck, der trotz deutscher Übersetzung durch literarischer Raffinesse überzeugt. Die Handlung lebt von den Unterschieden zwischen "Hochitalienisch", über das sich die Protagonistin identifiziert, und dem neapolitanischen Dialekt, der "Sprache der armen Leute". Dies findet in der Übersetzung leider keine Berücksichtigung, sodass es bestimmt interessanter wäre, das Buch im Original zu lesen.
Trotz des sprachlichen Könnens und des tollen Handlungsschauplatzes kann die Erzählweise der Handlung nicht überzeugen. Durch die Erzählperspektive von Elena bekommt sie einen weinerlichen und anstrengenden Touch, der die interessante Geschichte ruiniert und den Lesefluss hemmt.
Der Roman überzeugt durch seine sprachliche Stärke und eine realistsche Wiedergabe der neapolitanischen Lebenswirklichkeit, kann allerdings den hohen Erwartungen nicht gerecht werden.