Leider keine Königin unter den Büchern

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Allgemeines und erster Eindruck

Bei „Die Königin von Lankwitz“ handelt es sich um einen Roman von Max Urlacher. Das Werk ist als Taschenbuch bei Ullstein erschienen und hat eine Länge von 201 Seiten. Im Handel kann man den Roman für 10€ erwerben. Das Cover ist ansprechend gestaltet und mutet etwas schräg an, was jedoch gut zum Inhalt des Buches passt. Lässt man ein wenig Vorsicht walten, kann man das Werk lesen, ohne dabei den Buchrücken zu beschädigen.

Schreibstil

Urlachers Schreibstil war am Anfang etwas ungewohnt, man liest sich jedoch schnell ein. Er schreibt weitestgehend einfach, oft umgangssprachlich und etwas flapsig, was allerdings sehr gut zur Geschichte und den Protagonisten passt.

Zum Inhalt

Irene sitzt im Knast, nachdem sie ihren Ehemann überfahren hat. Schließlich neigt sich ihre Haftzeit jedoch dem Ende zu und sie zieht bei einer ehemaligen Mitgefangenen namens Bea ein. Beide stellen bald fest, dass es keinen Weg zurück in ihr altes Leben gibt. Irene hat vor dem Gefängnis im KaDeWe gearbeitet, die verlangen jedoch einwandfreie Führungszeugnisse; Bea war in einer Steuerkanzlei tätig, findet aber ebenfalls keinen Job mehr in diesem Bereich. Somit entschließen sie sich, ein gänzlich neues Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen: „eine Ich-AG mit krimineller Rache-Ausrichtung“. Von da an fahren sie im großen Stil Ehemänner, Chefs etc. über den Haufen. Bald tritt jedoch eine Konkurrenz-Agentur auf den Plan, die Irene und Bea das Leben schwermacht.

Das Setting

Die Geschichte spielt im modernen Berlin, vornehmlich im Stadtteil Lankwitz.

Die Protagonisten

Irene ist eine sehr taffe Frau, die sich nicht so schnell für dumm verkaufen lässt. Sie weiß, sich durchzubeißen, ganz gleich was das Leben ihr für Steine in den Weg legt. Zugleich hat sie jedoch auch ihre Prinzipien, denen sie treu bleibt. Sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sie würde gerne in ihren alten Beruf in der Unterwäscheabteilung des KaDeWe zurückkehren, erkennt jedoch schnell, dass das nicht möglich ist.
Bea ist eher das Gegenteil von Irene. Sie ist sehr ruhig und zögerlich. Allerdings trifft auf sie der Spruch „Stille Wasser sind tief“ hervorragend zu – denn im Verlauf des Romans mausert sich Bea, die anfangs sehr unscheinbar auftritt, zur guten Seele der Geschichte, die ihre positive Einstellung auch dann nicht verliert, wenn ihr das Leben Rückschläge verpasst.

Fazit

Ich habe mich sehr darauf gefreut, dass Buch lesen zu dürfen. Ich habe einen spannenden, aber auch sehr witzigen Roman erwartet. Allerdings wurden diese Erwartungen zu meinem Leidwesen nicht erfüllt.
Der Roman beginnt sehr stark, schwächelt jedoch in seinem Verlauf zunehmend. Von der Geschäftsidee, die die beiden Protagonistinnen aufziehen, bekommt man leider gar nicht so viel mit. Die Überfälle auf das Ziel werden immer nur im Nachhinein rekapituliert, der Leser ist nie „dabei“. Ich denke, dass es durchaus zum Witz des Romans beigetragen hätte, hätte man Irene zumindest auf einer dieser Touren begleiten können. Auch der Auftritt der Damen aus der Konkurrenz-Agentur und die große Verschwörung, die sich dahinter verbirgt, verleihen dem Roman leider keinen Pfiff. Gerade dieser Teil der Geschichte wirkt, verglichen mit der vorherigen Hälfte, eher heruntergespult und gehetzt. Ich hätte mir gewünscht, dass der Autor dem Roman hier mehr Raum gibt, sich zu entfalten.
Das Ende hatte mir den Spaß an dem Buch dann gänzlich geraubt. Mir ist bewusst, dass es sich um einen humoristischen Roman handelt – allerdings wirkt gerade eine der letzten Szenen am Lankwitzer Dreieck überspitzt und nahezu pathetisch. Auch der daraufhin folgende, letzte Knall rettet das Ende dann nicht mehr. Auch die beiden Protagonistinnen, die an und für sich großes Potenzial haben, bleiben insgesamt leider eher blass und wenig greifbar.
Zusammenfassend kann ich dem Roman noch zwei Sterne geben, mehr ist von meiner Seite aus aber leider nicht drin.

Kauf-/Leseempfehlung: Nein.