Lesehighlight des Jahres 2010

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zoppotrump Avatar

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Zum Inhalt sollte man besser nicht viel mehr verraten, als es der Klappentext eigentlich schon tut:

Der Roman ist in drei Schauplätze aufgeteilt, die scheinbar nicht allzu viel gemeinsam haben:
Andrew, ein junger Mann aus reichem Hause verliebt sich in eine arme Prostituierte, die von Jack the Ripper zerstückelt wird und kommt über ihren Tod nicht hinweg. Sein bester Freund Charles verhindert auf ungewöhnliche Weise - nämlich mithilfe von Zeitreisen Murray und der Zeitmaschine von H.G.Wells - seinen Freitod.
Ebenfalls durch Zeitreisen Murray findet die verwöhnte und von den eingeschränkten Möglichkeiten ihres Zeitalters angeödete Claire die Liebe ihres Lebens in der Zukunft.
Ein junger Inspektor hat die Aufgabe, Mordfälle aufzudecken, die mit Waffen verübt wurden, die noch gar nicht erfunden wurden und zu guter Letzt erfährt man noch durch einen dubiosen Bibliothekar vom Geheimnis um die „Landkarte der Zeit“.

Meine Meinung:

Zunächst einmal mein allerherzlicher Dank an den Verlag und an vorablesen.de, dass ich dieses bemerkenswerte Buch lesen und beurteilen durfte. Es zählt eindeutig zu meinen uneingeschränkten Lese-Highlights des Jahres 2010!

Felix J. Palma hat mit dem Roman "Die Landkarte der Zeit" eines jener Meistererzählungen geschaffen, die ganz sicher nicht jeden Leser ansprechen werden, da der Erzählstil und auch der Inhalt recht anspruchsvoll (im Sinne von genau lesen, denn zum überfliegenden Querlesen wäre das Buch wirklich zu schade) und vor allen Dingen oft reine Geschmackssache ist. Mir gefällt allerdings so etwas mal sehr gut, gerade, weil es mal etwas anderes ist.

Das hervorstechenste Merkmal ist ein allwissender Erzähler, der den Leser quasi an die Hand nimmt, Dinge erklärt, die manchmal mit dem eigentlichen Fortgang des Geschehens nur bedingt oder auch mal gar nichts zu tun haben, das Leseerlebnis/-vergnügen für den Leser aber durch eine Art Komplizenschaft - denn man weiß ja dadurch mehr als die Protagonisten - noch erhöhen.Wie man allerdings diesen Roman auch einordnen möchte, man wird dem ausgefeilten Umfang der Geschichten nicht gerecht werden können. In betont vornehm distanzierter Sprache, die zum viktorianischen Zeitalter so hervorragend paßt, bekommt man einen Krimi, einen Fantasyroman, ein Lustspiel (denn ich mußte tatsächlich über einige Anekdoten wie z.B. den ersten Versuchen, das Toilettenpapier den schamhaften Londonern zu verkaufen, herzhaft lachen) und Erzählungen geliefert, die schmunzeln machen und sehr nachdenklich, ob es nicht doch zutrifft, dass wir Menschen einfach nur immer glauben, was wir von vornherein auch glauben WOLLEN.

Zumindest glaube ich jetzt eines: Felix J. Palma ist ein genialer Autor, bei dem das Lesen einfach Freude macht!