Die Lebenden und die Toten

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eule90 Avatar

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Pia Kirchhoff und Christoph Sander haben geheiratet. Die Flitterwochen wollen die beiden kurz vor Weihnachten antreten. Kurz vor der Abreise bekommt Pia einen Anruf von ihrem Chef Oliver von Bodenstein. Er fragt, ob sie kurz zu einem Tatort kommen könnte, er würde sie in ein paar Stunden ablösen, sei aber zurzeit noch beschäftigt. Außerdem hat er kaum noch Personal, da viele krank oder im Urlaub sind. Pia sagt zu und findet sich kurze Zeit später am Tatort ein. Eine ältere Dame wurde aus einiger Entfernung erschossen. Niemand hat den Täter gesehen. Es ist unklar, welches Motiv hinter dem Mord steckt. Bei der Befragung von Angehörigen und Bekannten wird Frau Rohleder als allseits beliebte Person dargestellt.
Pia wird schon bald von ihrem Chef abgelöst. Doch der Fall lässt sie nicht in Ruhe und es kommt, wie es kommen musste: Pia sagt ihren Urlaub ab und beginnt zusammen mit den anderen aus dem Team mit den Ermittlungen. Zu ihrem Leidwesen wurde ihnen ein externer Berater zur Seite gestellt, Andreas Neff. Aufgrund seiner Überheblichkeit hat er schon bald den Spitznamen „Napoleon“. Neff macht sich immer weiter unbeliebt und liefert im Laufe der Ermittlungen immer schlechtere Ergebnisse, bis er irgendwann (zum Glück) ganz von der Bildfläche verschwindet.
Der zweite Mord lässt nicht lange auf sich warten. Diesmal wird eine Frau in ihrer Küche, vor den Augen ihrer Enkelin erschossen. Immer noch ist das Motiv unklar. Es lässt sich keine Verbindung zwischen den beiden Frauen herstellen und der Täter hinterlässt keine Spuren. Es scheint so, als würde der Täter es auf ältere Frauen abgesehen haben und dieses willkürlich auswählen. Doch dann geschieht der dritte Mord durch den „Sniper“. Diesmal ist es ein junger Mann und zum ersten Mal lassen sich Parallelen ermitteln. Der junge Maximilian Gehrke hat vor zehn Jahren ein Spenderherz erhalten. Jetzt machen auch die Todesanzeigen Sinn, die die Polizei von dem Täter, der sich „Der Richter“ nennt, erhalten hat. In dieses Todesanzeigen schreibt der Täter, dass die jeweilige Person sterben musste, weil ein ihr naher Verwandter einen Fehler gemacht hat. Langsam kommen die Ermittlungen ins Rollen. Denn tatsächlich haben alle Angehörigen der bisherigen Opfer vor zehn Jahren mit ein und demselben Ereignis zu tun gehabt. Direkt oder indirekt.
Nach langen, erfolglosen Ermittlungen stellt sich langsam heraus, dass die Ermittler an einem großen Skandal dran sind. Es geht um eine Frau, die mit einer Hirnblutung zusammen gebrochen ist. Sie wurde sofort für Hirntot erklärt, ohne dass die dafür nötigen Tests in dem vorgegebenen Zeitrahmen stattfanden. Ihre Angehörigen wurden gedrängt, die Organe der Toten zur Transplantation freizugeben. Es wird immer klarer, dass die Mitarbeiter der Uniklinik Frankfurt große Fehler gemacht haben. Der „Sniper“ tötet nun alle Angehörigen derer, die in diese Sache verwickelt waren.
Oliver von Bodenstein, Pia Kirchhoff und ihr Team müssen nun schnell handeln um zu verhindern, dass noch mehr Menschen sterben.

Dieses Buch ist mal wieder von der ersten Seite an sehr spannend. Nele Neuhaus schafft es den Leser zu fesseln ohne dass immer etwas hochdramatisches passieren muss. Das Privatleben der Ermittler beschreibt sie genauso spannend wie jeden einzelnen Mord. Das gefällt mir so gut, dass es in diesem Buch nicht nur um die Ermittlungen geht, sondern auch um die Ermittler selber und das in einem sehr ausgewogenen Verhältnis. Auch gut gefallen hat mir das Thema des Buches. Organspende beziehungsweise Organtransplantation ist ein Thema, welches häufig totgeschwiegen wird. Dabei ist es wichtig, sich damit zu befassen. Ich denke auch, dass eine Situation, wie Nele Neuhaus sie in ihrem Buch beschreibt, so in Deutschland vorkommt, über die Häufigkeit mag ich gar nicht nachdenken.
Die Tatsache, dass Nele Neuhaus es schafft, wichtige politische Themen in einen Krimi zu verwandeln macht ihre Bücher so lesenswert. Dieses Buch beginnt mit einem Mord der keinen gesellschaftlichen Hintergrund zu haben scheint. Doch schon bald wird dem Leser klar, dass viel mehr dahinter steckt und man die ganze Tragweite noch gar nicht abschätzen kann.
Das Buch wimmelt wieder von Persönlichkeiten, die alle irgendwie wichtig sind. Das macht das Lesen zum Ende hin zu einer großen Konzentrationssache. Trotzdem ist es möglich, dem Verlauf zu folgen. Nur ist dieses Buch nichts, um es mal eben nebenbei zu lesen, dafür passiert zu viel in zu kurzer Zeit. Diese Schnelligkeit der Erzählung erhöht allerdings auch ungemein die Spannung und macht das Lesen sehr angenehm und flüssig. Mittendrin aufhören ist eigentlich kaum möglich!
Das Cover gefällt mir sehr gut. Auf den ersten Blick passt es nicht so ganz zur Geschichte. Gezeigt wird im Vordergrund ein Jägerhochsitzt und im Hintergrund, weiter entfernt die Skyline von Frankfurt. Doch je mehr ihr dieses Cover betrachtet habe, desto mehr passt es wie ich finde. Der Täter schießt immer aus dem Hinterhalt und meist von einer erhöhten Position, welches der Hochsitz gut darstellt. Auch die willkürlich verteilten Blutstropfen auf dem Cover fügen sich gut in das Gesamtbild ein. Gut gefällt mir, die Haptik, da der Titel und die Blutstropfen etwas erhaben sind und aus einem glatteren Material bestehen.
Alles in Allem ein Buch, welches ich jedem empfehlen würde, der ein Buch sucht, welches etwas zum Nachdenken anregt und trotzdem einen großen Unterhaltungswert hat.